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Artikel von René Nikel +
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Ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, dass ausgerechnet eine Nachricht über Spiel-Discs einmal für mehr Gesprächsstoff sorgen könnte als der erste GTA-6-Trailer. Genau das scheint aber momentan zu passieren. Seit Sony angekündigt hat, ab Januar 2028 keine neuen PlayStation-Games mehr auf Disc zu veröffentlichen, wird im Internet heiß diskutiert. Und je tiefer ich recherchiere und die einzelnen Reaktionen anschaue, desto mehr habe ich das Gefühl, dass es hier längst nicht mehr nur um eine Plastikhülle im Regal geht.

Die Zahlen sprechen nämlich für sich. Laut mehreren Beiträgen auf X wurde Sonys Ankündigung mittlerweile über 130 Millionen Mal angesehen. Damit liegt der Beitrag nicht nur vor dem ersten GTA-6-Trailer, sondern erreicht sogar mehr Aufrufe als Japan Einwohner hat oder es monatlich aktive PlayStation-Spieler gibt. Allein das zeigt für mich schon ziemlich deutlich, wie emotional dieses Thema inzwischen geworden ist.

Händler und Historiker melden sich deutlich zu Wort

Wie IGN berichtet, kommt der Gegenwind inzwischen längst nicht mehr nur aus der Community. Auch Spielehändler, Historiker und Sammler zeigen sich alles andere als begeistert.

In einem gemeinsamen Statement schreiben mehrere sogar „We are deeply saddened“, also „Wir sind zutiefst traurig“. Vor allem Historiker befürchten, dass Videospiele in Zukunft deutlich schwieriger archiviert und langfristig erhalten werden können. Händler wiederum sehen einen wichtigen Teil ihres Geschäftsmodells gefährdet und könnten zukünftig so wie viele andere Branchen um ihr Überleben kämpfen.

Eine Disc ist für viele eben mehr als nur ein Datenträger. Sie landet im Regal, erinnert an schöne Gaming-Momente oder wird irgendwann noch einmal hervorgeholt. Genau dieses Gefühl verschwindet langsam, wenn irgendwann alles ausschließlich digital angeboten wird. Und das wäre ein Punkt, der mir persönlich das nostalgische Feeling komplett entreißen würde.

Ich möchte aber die Vorteile digitaler Games auch gar nicht kleinreden. Downloads sind bequem, ein Disc-Wechsel entfällt und oft geht es sogar schneller. Trotzdem ersetzt das für viele von euch eben keine Sammlung, die man auch Jahre später noch anschauen kann.

Jetzt wird sogar über das Banner von Naughty Dog spekuliert

Fast schon schmunzeln musste ich, als plötzlich sogar Naughty Dog Teil der Diskussion wurde.

Mehrere bemerkten, dass das Studio auf X weiterhin ein Banner mit zahlreichen PlayStation-Discs verwendet. Sofort wurde darüber spekuliert, ob Naughty Dog Sony damit vielleicht indirekt etwas sagen möchte.

Ob das tatsächlich so gemeint ist? Ehrlich gesagt glaube ich das nicht. Ich bezweifle auch, dass wir darauf so schnell eine Antwort bekommen werden. Trotzdem zeigt diese kleine Geschichte ziemlich gut, wie aufmerksam in der momentanen Situation jedes noch so kleinste Detail beobachtet wird. So wie es aussieht, reicht schon ein einziges Bannerbild aus, um eine neue Diskussion zu entfachen.

Jetzt geht es plötzlich um digitales Eigentum

Während sich anfangs fast alles um das Ende der Disc drehte, beschäftigen sich viele unter euch inzwischen mit einem ganz anderen Thema.

Auf Social Media wird derzeit häufig ein Auszug aus den offiziellen PlayStation-Nutzungsbedingungen geteilt. Darin heißt es, dass Sony euer PlayStation-Konto nach 36 Monaten schließen kann, wenn es nicht genutzt wird. Bevor das passiert, erhaltet ihr aber zumindest eine Benachrichtigung von Sony per E-Mail, dass ihr sechs Monate Zeit habt, um euch erneut anzumelden.

Wem gehören digitale Spiele?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich bei diesem Abschnitt selbst kurz gestutzt habe. Im ersten Moment könnte man nämlich glauben, Sony löscht PlayStation-Konten nach drei Jahren einfach automatisch. Ganz so steht es in den Nutzungsbedingungen aber nicht. Trotzdem überrascht es mich ehrlich gesagt überhaupt nicht, dass genau darüber derzeit so heiß diskutiert wird.

Denn eines steht fest. Sollte ein Konto tatsächlich geschlossen werden, verliert der Besitzer laut den Nutzungsbedingungen auch den Zugriff auf die damit verbundenen digitalen Inhalte. Und genau das ist wahrscheinlich der Punkt, der vielen momentan die größten Sorgen bereitet.

Die Emotionen der User kochen über

Ich glaube ehrlich gesagt, dass genau hier der eigentliche Kern der ganzen Diskussion liegt.

Solange Games auf Disc erscheinen, haben viele zumindest noch etwas in der Hand. Man kann die Hülle ins Regal stellen, das Spiel verleihen oder Jahre später noch einmal hervorholen.

Bei einer rein digitalen Bibliothek sieht das anders aus. Dort hängt praktisch alles am jeweiligen Benutzerkonto.

Sicher wird wohl kaum jemand seinen PlayStation-Account einfach drei Jahre lang komplett vergessen. Trotzdem zeigt die aktuelle Debatte, dass sich die meisten unter euch erstmals ernsthaft mit der Frage beschäftigen, was digitales Eigentum eigentlich bedeutet.

Und genau diese Diskussion finde ich sogar spannender als die eigentliche Frage, ob Spiele künftig noch auf Disc erscheinen oder nicht.

Abschließende Gedanken

Ich kann beide Seiten durchaus verstehen.

Digitale Spiele sind bequem und aus meinem Alltag längst nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig würde ich es aber schade finden, wenn physische Spiele irgendwann komplett verschwinden würden. Für mich mit meinen 40 Jahren gehört das einfach zur Geschichte der Spielebranche mit dazu. Dass der Fortschritt nicht stehen bleibt, ist auch ein guter Einwand, aber ganz ehrlich, gehört eine Spielhülle im Regal nicht einfach zum Gaming dazu? Vielleicht bin ich damit etwas altmodisch, aber ich glaube, ich bin damit längst nicht allein!

Auch wenn es seitens Nintendo noch keine offizielle Bestätigung gibt und Microsoft erst mit dem Release einer physischen DISC zu dem Halo: Campaign Evolved, gezeigt hat, dass längst nicht alle großen Hersteller Sonys Weg folgen. Bleibt im Endeffekt abzuwarten, wie sich die ganze Lage in den kommenden Monaten oder Jahren noch entwickeln wird. Persönlich finde ich es aber einen perfekten Schachzug von Microsoft und Nintendo, sich hier etwas im Hintergrund zu halten und die hitzigen Diskussionen Sony alleine ausfechten zu lassen.

Was mich an der ganzen Geschichte am meisten überrascht, ist allerdings etwas anderes. Sony hat mit einer einzigen Ankündigung eine Diskussion ausgelöst, die inzwischen weit über das Thema Disc oder Download hinausgeht. Heute wird viel über Archivierung, digitales Eigentum, Nutzungsbedingungen und darüber gesprochen, wem gekaufte Games eigentlich wirklich gehören.

Und genau deshalb glaube ich, dass uns dieses Thema noch lange begleiten wird. Nicht nur bis 2028, sondern wahrscheinlich noch viele Jahre darüber hinaus!

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