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Artikel von Markus Bauer +
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Xbox Game Studios sollte einmal das große gemeinsame Dach für Microsofts eigene Entwickler sein. Rare, Obsidian, Ninja Theory, Playground Games, Turn 10, 343 Industries, später Halo Studios, oder Double Fine standen nebeneinander und sollten gemeinsam dafür sorgen, dass Xbox endlich wieder genügend eigene Spiele bekommt. Microsoft kaufte Studios, gründete neue Teams und investierte Milliarden. Die Botschaft damals war ziemlich eindeutig: Xbox braucht mehr First-Party-Entwickler.

Fünf Jahre später passiert fast das Gegenteil.

2021 gehörten noch 14 einzelne Entwicklerteams zu Xbox Game Studios. Nach Schließungen, Verkäufen, Zusammenschlüssen und dem aktuellen Xbox Reset bleiben nach der bisherigen organisatorischen Einteilung im Kern nur noch The Coalition, inXile Entertainment und Playground Games. Dazu kommt weiterhin Xbox Game Studios Publishing.

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Das muss man sich kurz auf der Zunge zergehen lassen: Microsoft besitzt heute mehr Entwickler und große Gaming-Marken als jemals zuvor. Trotzdem wird ausgerechnet die Organisation, die jahrelang das Herz der eigenen Xbox-Spiele darstellen sollte, immer kleiner.

Microsoft verkleinert nicht Xbox, sondern verteilt die „Macht“ neu

Der erste Gedanke könnte sein, Microsoft würde Xbox Game Studios einfach Stück für Stück zerlegen. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Viele Teams verschwinden nicht aus dem Konzern. Sie bekommen lediglich einen neuen Platz innerhalb dieses riesigen Microsoft-Gaming-Konstrukts.

Rare und World’s Edge landen beispielsweise unter Activision. Das allein wäre vor wenigen Jahren wahrscheinlich noch als ziemlich wildes Gerücht durchgegangen. Der Call of Duty-Publisher soll künftig also nicht nur über Call of Duty wachen, sondern auch über Sea of Thieves und Age of Empires. Zusätzlich bekommt Activision die Verantwortung für die Entwicklung des nächsten Halo.

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Beim bisherigen Halo Studios bleibt dagegen nur noch ein kleines Team zurück, das bestehende Spiele und die Community betreuen soll. Angeblich könnten dort inzwischen nur noch rund 20 Personen beschäftigt sein.

Auch Obsidian bekommt eine neue Heimat. Das RPG-Studio wechselt unter Bethesda und arbeitet gemeinsam mit Bethesda Game Studios bereits an einem neuen Fallout-Projekt. King übernimmt Microsoft Casual Games. Turn 10 wird mit Playground Games zusammengeführt und verliert damit seine bisherige Eigenständigkeit. Mojang wurde bereits im Juli aus der normalen Xbox-Game-Studios-Struktur herausgehoben und berichtet inzwischen direkt an die Xbox-Führung.

Wenn man all diese Verschiebungen nebeneinanderlegt, erkennt man langsam ein Muster. Microsoft möchte offenbar weniger kleine Einheiten verwalten und dafür einige große Blöcke schaffen.

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Das Unternehmen sagt es im offiziellen Xbox Wire sogar ziemlich offen: Xbox soll künftig mit weniger Geschäftseinheiten arbeiten. Teams, die ohnehin eng miteinander verbunden sind, sollen organisatorisch näher zusammenrücken.

Auf dem Papier klingt das nach effizienterer Verwaltung. In der Praxis entsteht gerade allerdings ein Xbox, bei dem Activision, Bethesda, King und Mojang immer mächtiger werden, während Xbox Game Studios selbst schrumpft.

Selbst große "Microsoft-Marken" wie Age of Empires übergab man an Activision. - Bild: Xbox Game Studios

Selbst große „Microsoft-Marken“ wie Age of Empires übergab man an Activision. – Bild: Xbox Game Studios

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Microsoft kaufte jahrelang Studios und sortiert sie jetzt wieder aus

Genau hier wird die Geschichte besonders kurios. Denn ab 2018 erzählte Microsoft praktisch das Gegenteil.

Damals begann die große Einkaufstour. Obsidian, inXile, Ninja Theory, Playground Games, Compulsion Games und Undead Labs wurden übernommen. Double Fine folgte 2019. Mit The Initiative gründete Microsoft sogar ein komplett neues Studio, das einmal zu den großen Prestige-Entwicklern von Xbox gehören sollte.

Microsoft wollte wachsen. Mehr Studios, mehr Spiele, mehr exklusive Marken. Phil Spencer stand auf Bühnen und kündigte einen Studiokauf nach dem anderen an. Für Xbox-Fans war das damals fast schon ein Running Gag: Welches Studio kauft Microsoft als Nächstes?

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Heute lautet die Frage eher: Welches Studio bleibt eigentlich noch dort, wo Microsoft es ursprünglich eingeordnet hat?

Double Fine und Compulsion Games sind inzwischen wieder unabhängig. Auch Undead Labs hat Microsoft verlassen. The Initiative wurde 2025 geschlossen, ohne jemals ein eigenes Spiel veröffentlicht zu haben. Bei Ninja Theory steht inzwischen sogar eine mögliche Schließung im Raum.

Die Fortsetzung von Senua's Saga: Hellblade 2 steht an der Kippe. Wie geht es mit Entwickler Ninja Theory weiter?- Bild: Ninja Theory

Die Fortsetzung von Senua’s Saga: Hellblade 2 steht an der Kippe. Wie geht es mit Entwickler Ninja Theory weiter?- Bild: Ninja Theory

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Bei anderen Studios wird nicht geschlossen, sondern neu sortiert. Das Ergebnis ist am Ende aber ähnlich: Von jener Xbox-Game-Studios-Landschaft, die Microsoft vor wenigen Jahren mit viel Aufwand aufgebaut hat, bleibt strukturell immer weniger übrig.

Das ist deshalb mehr als die nächste Sparrunde. Microsoft korrigiert gerade sichtbar einen Teil seiner eigenen Strategie aus den vergangenen Jahren.

Xbox Game Studios verschwindet nicht, seine alte Bedeutung aber schon

Ganz verschwunden ist Xbox Game Studios natürlich nicht. Microsoft hat auch nirgendwo angekündigt, die Marke abzuschaffen.

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The Coalition arbeitet weiterhin an Gears of War: E-Day, das bereits in wenigen Tagen erscheint. inXile Entertainment entwickelt Clockwork Revolution. Playground Games ist künftig gleich für zwei der wichtigsten Xbox-Marken verantwortlich und kümmert sich um Forza sowie Fable. Dazu kommt Xbox Game Studios Publishing, das weiterhin externe Projekte betreut.

Clockwork Revolution wird nicht für PlayStation 5 erscheinen. Xbox möchte wieder mehr exklusive Konsolenspiele bringen. - Bild: inXile Entertainment, Xbox Game Studios

Clockwork Revolution wird nicht für PlayStation 5 erscheinen. Xbox möchte wieder mehr exklusive Konsolenspiele bringen. – Bild: inXile Entertainment, Xbox Game Studios

Aber die Rolle verändert sich.

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Xbox Game Studios war einmal der zentrale Ort, an dem Microsoft seine wichtigsten eigenen Entwickler versammelte. Genau diese Funktion verteilt sich jetzt zunehmend auf andere Bereiche. Activision kümmert sich plötzlich um Halo und Rare. Bethesda bekommt Obsidian. Mojang steht organisatorisch für sich selbst. Andere Teams werden verkauft, zusammengelegt oder geschlossen.

Und genau darin steckt der vielleicht interessanteste Widerspruch des gesamten Xbox Resets: Microsofts Gaming-Sparte ist größer als jemals zuvor, aber Xbox Game Studios selbst wird immer kleiner.

Microsoft sagt, dass ungefähr drei Viertel der geplanten Umstrukturierung abgeschlossen sind. Es kann sich also noch einiges verändern.

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Vielleicht bleiben Xbox Game Studios am Ende tatsächlich einfach The Coalition, inXile, Playground und Publishing. Vielleicht wandern noch weitere Bereiche ab. Noch wissen wir es nicht. Irgendwie bleibt bei der Gaming-Sparte von Microsoft derzeit kein Stein auf den anderen.

Klar ist aber bereits jetzt: Microsoft baut nicht einfach nur Personal ab und verschiebt ein paar Kästchen im Organigramm. Das Xbox, das Microsoft zwischen 2018 und 2021 aufgebaut hat, wird gerade wieder auseinandergebaut und nach völlig anderen Regeln zusammengesetzt. Zusätzlich kümmert man sich noch um Hideo Kojima. Ob dadurch alles „besser wird“? Wir werden sehen.

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