Ein Versprechen an die Fans! The Last of Us: Episode 1 – Serien-Kritik

Kann das HBO-Werk mehr sein, als nur eine Videospieladaption? Die Antwort erfahrt ihr in der Serien-Kritik zur ersten The Last of Us-Folge.

Review von
The Last of Us kann auf Sky X / Sky Atlantic (Österreich und Deutschland) bzw. WOW (nur DE) gesehen werden. - (C) HBO

Ich habe The Last of Us auf der Playstation 3 gespielt, als es 2013 herauskam. Ich habe mir nur ein Jahr später bereits das Remaster für die PS4 gekauft, ohne mit der Wimper zu zucken. Und als 2022 mit The Last of Us: Part 1 ein generalsaniertes PS5-Remake des selben Spiels erschien, hat es zu meinen am meisten erwarteten Spielen des Jahres gehört. Natürlich war das Spiel immer noch das selbe. Samt Leveldesign, Zwischensequenzen und Dialogen. Aber was bereits perfekt ist, kann nur schwer verbessert werden, oder?

Das Ende der schlechten Videospieladaptionen

Man müsste jetzt annehmen, dass meine Vorfreude auf “noch mehr The Last of Us” in Form einer Serienadaption mehr als nur gegeben war. Immerhin habe ich auch trotz der perfekt abgeschlossenen Geschichte des ersten Teils mit The Last of Us: Part 2 (PS4, 2020) mit offenen Armen begrüßt. Und trotz der Ablehnung einiger Spieler, ist Teil 2 nicht nur meines Erachtens nach das bessere Spiel, sondern auch eine der mutigsten und konsequentesten Spielefortsetzungen des 21. Jahrhunderts.

WERBUNG

“Come at me!” Und dennoch; die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass Videospieladaptionen – wie Cordyceps-Infizierte – auf Abstand gehalten werden müssen. Man denke nur an Assassin’s Creed, die direkt nach dem Start wieder abgesetzte “Resident Evil”-Serie, oder alles, was Uwe Boll jemals angefasst hat. Videospieladaptionen hatten ein schlechtes Image. Nicht nur dank Super Mario Bros.

Was könnte eine Serie besser machen, das das Remake von 2022 nicht schon geschafft hat? The Last of Us™ Part I (c) Naughty Dog, Sony Interactive Entertainment

Was könnte eine Serie besser machen, das das Remake von 2022 nicht schon geschafft hat? The Last of Us Part I – (C) Naughty Dog, Sony Interactive Entertainment

Selbst die Entwickler hinter The Last of Us lieferten mit der Adaption ihres Aushängeschilds Uncharted im vorigen Jahr ein kaum bemerkenswertes CGI-Fest, das trotz Stars wie Tom Holland, hinter den Erwartungen zurückblieb. Mit Arcane und Cyberpunk: Edgerunners geriet der Fluch der Videospieladaptionen zwar ins Straucheln. Deren Erfolg lässt sich aber nicht so leicht auf die düstere Welt von Ellie und Joel ummünzen. Denn immerhin liefert das Ursprungsspiel, mit seiner dichten Erzählstruktur und den kineastischen Zwischensequenzen, sowieso schon ein filmreifes Erlebnis, dem durch das Wegfallen seiner interaktiven Mittäterschaft etwas genommen werden würde. Doch ich lag falsch!

The Last of Us in der Serien-Kritik: verbessert das Spiel an den richtigen Orten

Am 16. Jänner feierte die Serie nun mit ihrer ersten Folge Premiere (hierzulande über den Bezahlservice Sky). Als HBO-Produktion (Game of Thrones, Sopranos etc.) unter der Regie von Craig Mazin (Tschernobyl) und einem Drehbuch von Mazin und dem Autor des Ursprungsspiels, Neil Druckmann. Bereits in den ersten Minuten ist klar, dass wir es hier nicht mit einer reinen Adaption des Spiels zu tun haben. Die Serie beginnt in den 1960er-Jahren und einer Gesprächsrunde zweier Wissenschaftler, die sich über einen neuartigen Pilz unterhalten. Der von John Hannah (Die Mumie) gespielte Wissenschaftler wird dabei nicht müde zu betonen, dass, sollte es jemals zu einem Ausbruch kommen, das Ende gekommen sei.

Während jene düstere Prognose in den 1960ern noch im luftleeren Raum existiert, wird sie 2003, wenn die Handlung des Spiels einsetzt, zur bitteren Realität. Was folgt ist ein erweiterter Prolog, den Spieler von The Last of Us mittlerweile trotz der wenigen Spielminuten auswendig kennen. Um den Schicksalsschlag noch eindrücklicher zu gestalten – immerhin entspringt Joels gesamter Charakter-Arc daraus – widmen ihm Druckmann und Mazin hingegen noch mehr Zeit. Wir erleben aus dem POV von Joels Tochter Sarah (Nico Parker), wie die ersten Stunden des Weltuntergangs abliefen.

Ergänzung, aber mit Kanon

Dabei schaffen es die beiden Drehbuchautoren Dialoge teilweise zur Gänze aus dem Spiel zu heben, ohne dass sie wie bei anderen Adaptionen aufgesetzt wirken. Während ich wie das “Leonardo DiCaprio”-Meme aus Once Upon in Hollywood immer dann auf den Bildschirm zeigte, wenn ich Easter Eggs oder Ähnlichkeiten erkannte, konzentriert sich die Serie aber nicht auf Fanservice. The Last of Us ist vorrangig eine alleinstehende Adaption, die nicht nur Gamer zufriedenstellen möchte, sondern auch das Prestige-TV-Publikum unterhalten will. Durch den straffen Rahmen, den das Spiel vorgegeben hat, kommt es jedoch unweigerlich zur Übernahme ganzer Sequenzen. Mazin und Druckmann verfügen aber über das Talent, jene Moment neu zu kontextualisieren, um ihnen noch mehr Schwere zu verleihen.

Das beste Beispiel hierbei ist, wie oben genannt, die erweiterte Rolle von Joels Tochter. Auch wenn es bereits das Spiel geschafft, hat sie in wenigen Minuten zum Sympathieträger zu machen, wandelte die Serie sie zum tatsächlichen Charakter. Sie bekommt genug zu tun, um sie nicht auf ihre Funktion als Trauma-Auslöserin zu reduzieren, sondern sie viel eher zur dreidimensionalen Figur zu erheben. Wenn es kommt, wie es nun mal kommt, trifft uns ihr Schicksal und seine Folgen nur noch mehr. Ähnliches gilt auch für andere Figuren wie Marleen (Merle Dandridge) oder Tess (Anna Torv), die hier nicht nur Handlungsträgerinnen in Joels Ein-Mann-Show sind. Pedro Pascals Performance als Joel Miller ist indes reduziert und zurückhaltend. In der ersten Episode haben wir es mit einem hartgesottenen, desillusionierten Mann zu tun, der schmuggelt um am Leben zu bleiben, auch wenn er weiß, dass sein Leben es nicht unbedingt wert wäre.

The Last of Us in der Serien-Kritik: die perfekte Besetzung?!

Der Serien-Joel ist tough und emotionslos, außer wenn seine eigene Zurückhaltung in aufbrausende Wut umschlägt und er einem Fedra-Soldaten schon mal das Gesicht mit den Fäusten einschlägt. Pascals Verkörperung der Figur ist dabei gestochen scharf und bereits in der ersten Folge der perfekte Nährboden für die Emotions- und Gewaltexzesse, die unweigerlich folgen müssen.

Mit Bella Ramsey hat die Serie genau so die perfekte Ellie gefunden. Nach einer anfänglichen Eingewöhnung – immerhin ist die Synchronsprecherin und Schauspielerin Ashley Johnsons für die Darstellung der Videospielfigur mitverantwortlich – verfügt Ramsey über den selben jugendlichen Charme und die aufmüpfige Gewaltbereitschaft wie ihr Videospielpendant. Sie wirkt in gleichen Teilen verletzlich, wie auch kampfbereit. Und ist der mittelweiche Kern, zu Joels hartem Äußeren.

The Last of Us ist in seiner ersten Episode bereits mehr als nur eine Serie. Es ist ein Versprechen. Die Folge verspricht, dass sich die Adaption zwar an die Vorläge hält, aber dort mehr oder weniger hinzufügt, wo es nötig ist. Sie zeigt die selbe skrupellose Welt, die wir bereits als Joel schleichend und schießend durchwandern mussten. Sie liefert erste Hinweise auf eine Beziehung zwischen einem verhärteten Vater und einer Tochter, die im Laufe von neun Folgen zur herzzerreißenden Geschichte von Verlust und wiederentdeckter Freude führt. Auch wenn die satte Länge von 1:17 Stunden vielleicht etwas langatmig wirken kann, macht sie dennoch Lust auf was noch kommt. Und wenn die erste Episode ein Versprechen dafür ist, wie treu und dynamisch sie die vorhandene Geschichte erzählt, dann könnte was noch kommt nicht weniger als eine der besten Serie des Jahres sein.

ReviewWertung

9SCORE

The Last of Us ist in seiner ersten Episode bereits mehr als nur eine Serie. Es ist ein Versprechen.

8SCORE

Zweite Meinung von Markus

"Das bessere The Walking Dead", würde ich meinen. Die HBO-Serie versucht nicht, das bereits cineastische Spiel neu zu erfinden, sondern schafft es in der ersten Episode genau dort zu erweitern, wo es Sinn macht. Vielleicht hätte man sogar mehr machen sollen, so hätte ich gerne mehr erfahren, was 2003 weiter passiert ist. Die Bruder-Geschichte zwischen Joel und Tommy hätte nach dem tragischen Verlust noch mehr Potenzial gehabt. Daraus hätte man in der TV-Serie sicherlich mehr machen können und erst am Ende der ersten Folge den Zeitsprung zu machen. Die erste Folge war für meinen Geschmack vielleicht ein wenig zu lang, aber jetzt geht die Reise erst so richtig los. Ich bin schon gespannt wie es weiter geht.

Mehr zum Thema

mehrgaming news