7 Min. lesen
Artikel von Markus Bauer +
DailyGame bei Google merken

Bei Xbox ist der befürchtete Kahlschlag jetzt offiziell. Nachdem zunächst GameFile über massive Einschnitte berichtet hatte, bestätigt Microsoft den Umbau nun selbst auf Xbox Wire. In einer internen Nachricht an alle Xbox-Mitarbeiter spricht Xbox-Chefin Asha vom größten Umbau in der Geschichte von Xbox.

Konkret sollen im Geschäftsjahr 2027 rund 3.200 Stellen wegfallen. Etwa 1.600 Jobs werden sofort gestrichen, weitere Kürzungen folgen im Laufe des Jahres. Damit ist der aktuelle Xbox-Umbau kein einzelner Schnitt, sondern ein längerer Reset über mehrere Monate.

Auch Jason Schreier hatte heute auf Bluesky darauf hingewiesen, dass bei Xbox größere Einschnitte vorbereitet werden und Microsoft bereits Verträge sowie externe Dienstleister kürzt. Jetzt ist aus der Vorwarnung eine offizielle Xbox-Strategie geworden.

So radikal wird der Xbox-Umbau wirklich

Microsoft spricht im offiziellen Schreiben offen davon, dass sich Xbox neu aufstellen muss. Besonders auffällig ist ein Satz aus der Nachricht: „Our business today is not healthy“. Xbox arbeite laut Microsoft mit Margen, die drei- bis zehnmal niedriger seien als bei vergleichbaren Plattform- und Publishing-Unternehmen. Gleichzeitig sei man mit einer kleineren Installationsbasis und einer höheren Kostenstruktur in diese Konsolengeneration gestartet.

Das ist ungewöhnlich direkt. Microsoft sagt damit im Grunde selbst, dass die Xbox-Strategie der letzten Jahre nicht schnell genug funktioniert hat. Game Pass, Multiplattform, Cloud Gaming und ein breiteres Spieleportfolio hätten zwar Wert geschaffen, seien aber nicht in dem Tempo gewachsen, das Xbox erwartet hatte.

Für Xbox ist das ein klares Signal. Microsoft will weniger verstreute Strukturen, weniger Reibung und mehr Kontrolle über die wichtigsten Geschäftsbereiche. Nach den großen Übernahmen von Bethesda und Activision Blizzard ist die Gaming-Sparte riesig geworden. Genau diese Größe scheint jetzt zum Problem geworden zu sein.

Vier Studios verlassen Xbox

Besonders brisant ist der Teil über die Studios. Microsoft bestätigt offiziell, dass vier Studios Xbox verlassen und zu neuer Führung beziehungsweise neuem Besitz wechseln. Damit ist der Reset deutlich größer als eine reine Entlassungswelle.

Compulsion Games und Double Fine Productions sollen wieder unabhängige Studios werden. Laut Xbox nehmen beide ihre IPs, Kataloge und eine finanzielle Übergangsphase für kommende Spiele mit. Ninja Theory und Undead Labs sollen unter neuer Eigentümerschaft weitergeführt werden. Microsoft will dabei Finanzierung bereitstellen, um Senua und State of Decay 3 fertigzustellen beziehungsweise weiter auszubauen.

Das ist zumindest eine Teil-Entwarnung für Fans. State of Decay 3 soll nicht einfach verschwinden. Auch das Hellblade-Universum bleibt offenbar nicht sofort liegen. Trotzdem ist der Einschnitt gewaltig. Microsoft trennt sich ausgerechnet von Studios, die einst als kreative Zukunft der Xbox Game Studios präsentiert wurden.

Double Fine steht für kreative Spiele wie Psychonauts. Ninja Theory ist eng mit Hellblade verbunden, die gerade erst ein neues Spiel aus dem Franchise angekündigt haben. Undead Labs arbeitet an State of Decay 3, das ebenfalls kürzlich bei der Xbox-Show ein Lebenszeichen gegeben hat. Compulsion Games ist für We Happy Few und South of Midnight bekannt.

Das sind keine kleinen Namen aus der zweiten Reihe. Es sind Studios, die Microsoft einst gezielt aufgebaut oder übernommen hat. Dass sie Xbox nun wieder verlassen, zeigt, wie stark sich Microsofts Prioritäten verschoben haben.

Erst kürzlich wurde Gameplay-Material von State of Decay 3 gezeigt. Wird es doch kein reines Xbox-Spiel mehr werden? - Bild: Undead Labs, Xbox Game Studios

Erst kürzlich wurde Gameplay-Material von State of Decay 3 gezeigt. Wird es doch kein reines Xbox-Spiel mehr werden? – Bild: Undead Labs, Xbox Game Studios

Arkane steht ebenfalls auf dem Prüfstand

Bei Arkane ist die Lage noch nicht endgültig entschieden. Microsoft schreibt, dass das Management in Frankreich nun die gesetzlich vorgeschriebene Beratung mit dem Betriebsrat beginnt, um mögliche strategische Optionen zu prüfen. Das klingt nicht nach einer sofortigen Schließung, aber sehr wohl nach einem klaren Warnsignal.

Gerade wegen Marvel’s Blade ist das brisant. Arkane Lyon arbeitet an einem der spannendsten angekündigten Xbox-Projekte. Gleichzeitig passt die Formulierung im Xbox-Schreiben zu den jüngsten Berichten, wonach Microsoft mehrere Studios und Projekte wirtschaftlich neu bewertet.

Offiziell sagt Microsoft aber auch: Keine öffentlich angekündigten First-Party-Spiele oder Projekte werden im Zuge dieser Kürzungen gestrichen. Das ist wichtig. Es bedeutet jedoch nicht, dass intern alles unverändert bleibt. Nicht angekündigte Projekte, Prototypen oder langfristige Ideen dürften deutlich stärker betroffen sein.

Der Game-Pass-Traum wird nüchterner

Der große Kontext dahinter ist klar: Xbox hat in den letzten Jahren massiv investiert. Bethesda, Activision Blizzard, neue Studios, Game Pass, Cloud Gaming, PC, Konsole und Multiplattform-Strategie. Das klang lange nach einem aggressiven Zukunftsplan. Jetzt wirkt es eher wie eine Rechnung, die neu geschrieben werden muss.

Der Game Pass sollte Xbox unabhängiger vom klassischen Konsolenverkauf machen. Doch Abo-Modelle sind teuer. Neue Spiele am ersten Tag im Abo kosten Geld. Große Studios kosten Geld. Und wenn Hardware-Verkäufe schwächeln, Spielebudgets steigen und Abos nicht schnell genug wachsen, wird der Druck größer.

Genau deshalb fühlt sich dieser Reset wie ein Wendepunkt an. Xbox wirkt nicht mehr wie eine Sparte, die einfach nur expandiert. Xbox wirkt wie eine Sparte, die Microsoft jetzt stärker auf Profitabilität trimmen will.

South of Midnight war ein gutes Spiel, erreichte aber nie große Verkaufszahlen. - Bild: Compulsion Games, Xbox

South of Midnight war ein gutes Spiel, erreichte aber nie große Verkaufszahlen. – Bild: Compulsion Games, Xbox

Auch die Xbox-Plattform wird verschlankt

Microsoft baut nicht nur Studios um. Auch die interne Plattformstruktur wird massiv vereinfacht. Laut Xbox Wire laufen Entscheidungen in manchen Bereichen derzeit durch bis zu 14 Management-Ebenen. Künftig sollen es maximal fünf sein, wo möglich sogar nur drei.

Außerdem seien die Plattform-Teams seit Beginn dieser Konsolengeneration um 40 Prozent gewachsen, obwohl Spielerbasis und Spielzeit zurückgegangen seien. Microsoft will deshalb flachere Strukturen, klarere Verantwortlichkeiten und die Ausgaben für externe Dienstleister um 50 Prozent reduzieren.

Das klingt trocken, ist aber zentral. Xbox will nicht nur weniger ausgeben. Xbox will schneller, einfacher und kontrollierter arbeiten. Nach Jahren des Wachstums folgt jetzt Disziplin.

Minecraft und Candy Crush werden noch wichtiger

Interessant ist auch die neue Rolle von Mojang und King, also den Teams hinter Minecraft und Candy Crush. Beide Studios sollen künftig direkt an Xbox-Chefin Asha berichten.

Microsoft begründet das damit, dass Minecraft und King zunehmend selbst zu Plattformen geworden seien und die größten Xbox-Studios nach monatlich aktiven Spielern darstellen. Das zeigt ziemlich deutlich, wohin Xbox stärker denkt: nicht nur Konsolen, nicht nur klassische Blockbuster, sondern riesige, dauerhafte Ökosysteme.

Für Core-Gamer klingt das vielleicht ernüchternd. Aus Microsofts Sicht ergibt es aber Sinn. Minecraft und Candy Crush erreichen Zielgruppen, von denen klassische Xbox-Konsolen nur träumen können.

Was bedeutet das für dich als Xbox-Spieler?

Kurzfristig dürfte sich für Spieler nicht sofort alles ändern. Große Marken wie Call of Duty, Minecraft, Forza, Halo oder Fallout bleiben für Microsoft zentral. Genau auf solche IPs dürfte Xbox künftig noch stärker setzen.

Spannender ist die Frage, was mit kleineren und riskanteren Projekten passiert. Wenn Studios verkauft oder ausgegliedert werden, könnten außergewöhnliche Xbox-Spiele seltener werden. Microsoft wird vermutlich stärker darauf achten, welche Projekte wirklich global skalieren, Game Pass stützen oder sich als Marke weiterverwerten lassen.

Das ist aus Unternehmenssicht nachvollziehbar. Für Spieler ist es aber ein Verlust, wenn Xbox weniger kreative Experimente zulässt. Der härteste Punkt bleibt: Microsoft hat in den letzten Jahren Milliarden in Gaming investiert. Jetzt zeigt sich, dass selbst solche Summen keine Garantie für Stabilität sind.

Xbox wird weiter existieren. Aber die Xbox, die aus diesem Umbau hervorgeht, könnte deutlich anders aussehen als die, die Microsoft jahrelang versprochen hat.

Dieser Artikel wurde inhaltlich erweitert, nachdem Microsoft den „Xbox Reset“ offiziell gemacht hatte.

Hast du einen Fehler entdeckt oder weitere Infos zu diesem Artikel? Dann schick uns gerne dein !

Kategorie(n)

Mehr entdecken

Weiterlesen