◷ 9 Min.
Artikel von Eva Krumm +
★DailyGame bei Google merken

Werbung

Fire Emblem: Fortune’s Weave erweitert die bekannte Taktik-JRPG-Reihe von Nintendo um vier miteinander verknüpfte Handlungsstränge, die uns in das Kaiserreich Dagda führen. Im Mittelpunkt stehen die Heroenspiele, bei denen vier unterschiedliche Figuren ihre eigenen Ziele verfolgen, während sich im Hintergrund eine weitaus größere Bedrohung zusammenbraut.

Die Welt steht vor dem Untergang, denn der wiedererweckte Dämonengott Balor droht, alles in Finsternis zu hüllen. Eine von der Göttin Sothis entsandte Seele soll das verhindern und erhält dabei Unterstützung von Fortuna, einer Göttin, die die Zeit manipulieren kann. Gemeinsam mit ihr reisen wir fünf Jahre in die Vergangenheit, um die vier sogenannten Flammenfürsten ausfindig zu machen und ihre Schicksale zu verändern. Dabei lernen wir Cai, Dietrich, Theodora und Leda kennen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen an den Heroenspielen teilnehmen. Jeder von ihnen verfolgt eigene Ziele, doch ihre Geschichten hängen enger zusammen, als es zunächst den Anschein hat.

Vier Geschichten, ein großes Abenteuer

Die größte Besonderheit von Fire Emblem: Fortune’s Weave ist der Aufbau seiner Geschichte. Statt einer einzelnen Handlung folgen wir vier unterschiedlichen Figuren, deren Wege sich immer wieder kreuzen. Dafür wählen wir zu Beginn einen der Flammenfürsten aus und erleben zunächst dessen Perspektive. Später können wir die anderen Handlungsstränge ebenfalls verfolgen und so weitere Zusammenhänge entdecken.

Werbung

Das sorgt für eine interessante Erzählstruktur, verlangt uns aber auch einiges an Aufmerksamkeit ab. Gerade zu Beginn werden wir mit zahlreichen Namen, historischen Ereignissen und Beziehungen konfrontiert. Wer nicht genau aufpasst, verliert schnell den Überblick darüber, welcher Charakter mit wem verbunden ist und warum bestimmte Ereignisse überhaupt wichtig sind. Die Charakterprofile helfen dabei, die wichtigsten Informationen einzuordnen. Trotzdem dauert es eine Weile, bis sich die einzelnen Puzzleteile zu einem verständlichen Gesamtbild zusammensetzen.

Fire Emblem: Fortune’s Weave (c) Nintendo

Fire Emblem: Fortune’s Weave (c) Nintendo

Die vier Perspektiven ergänzen sich dabei sinnvoll. Wenn wir ein Ereignis zunächst aus Cais Sicht erleben und später mit Leda einen anderen Blickwinkel kennenlernen, verstehen wir bestimmte Entscheidungen und Beweggründe besser. Gleichzeitig wiederholen sich dadurch einige Gespräche und Zwischensequenzen. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, da wir neue Informationen erhalten, kann sich bei bekannten Ereignissen aber durchaus ziehen.

Werbung

Hinzu kommt, dass die Heroenspiele nur einen Teil der Handlung ausmachen. Nach diesem Abschnitt geht die Geschichte weiter und rückt die Bedrohung durch Balor stärker in den Mittelpunkt. Die Aufteilung bleibt zunächst bestehen, wodurch sich manche Ereignisse aus den vier Perspektiven sehr ähnlich entwickeln. Hier hätte ich mir etwas weniger Wiederholung gewünscht. Im späteren Verlauf finden die Handlungsstränge jedoch besser zusammen und sorgen dafür, dass die vielen zuvor gesammelten Informationen ihren Platz bekommen.

Wer sich auf die Geschichte einlassen möchte, sollte entsprechend Zeit mitbringen. Allein die einzelnen Pfade sind umfangreich, und wer sämtliche Zusammenhänge verstehen will, kommt kaum darum herum, mehrere davon zu spielen.

Taktische Kämpfe mit neuen Möglichkeiten

Beim Gameplay bleibt Fire Emblem: Fortune’s Weave seinen Wurzeln treu. Wir bewegen unsere Einheiten über schachbrettartige Schlachtfelder, greifen Gegner an, setzen Spezialfähigkeiten ein und müssen unsere Truppen geschickt positionieren. Neu ist vor allem, wie viele Möglichkeiten uns das Spiel bei der Zusammenstellung und Entwicklung unserer Einheiten bietet.

Werbung

Das bekannte Waffendreieck gehört nicht mehr zum Kampfsystem. Stattdessen haben die verschiedenen Waffentypen eigene Vor- und Nachteile, die wir bei unseren Entscheidungen berücksichtigen müssen. Schwerter eignen sich beispielsweise für zusätzliche Folgeangriffe, Lanzen sind gegen berittene Einheiten hilfreich und Bögen spielen ihre Stärken gegen fliegende Gegner aus. Auch Äxte und Faustwaffen haben eigene Eigenschaften. Wir müssen also nicht nur auf die Werte unserer Einheiten achten, sondern auch darauf, welche Ausrüstung zur jeweiligen Situation passt.

Fire Emblem: Fortune’s Weave (c) Nintendo

Fire Emblem: Fortune’s Weave (c) Nintendo

Dazu kommen Waffenfähigkeiten, unterschiedliche Klassen und weitere Fertigkeiten, die wir freischalten und individuell ausrüsten können. Die Entwicklung unserer Truppen ist dadurch umfangreich, ohne dass wir uns ausschließlich auf höhere Statuswerte verlassen müssen. Gerade wenn wir verschiedene Kombinationen ausprobieren, ergeben sich zusätzliche taktische Möglichkeiten.

Werbung

Eine der wichtigsten Neuerungen sind die Brandtechniken der vier Flammenfürsten. Diese mächtigen Spezialangriffe können großen Schaden verursachen, mehrere Gegner treffen oder unsere Verbündeten stärken. Allerdings sind sie nicht kostenlos. Durch ihren Einsatz füllt sich eine Leiste, und wer sie zu weit aufbaut, riskiert gesundheitliche Nachteile. Im richtigen Moment eingesetzt, können die Techniken einen Kampf entscheidend beeinflussen. Gleichzeitig passen sie zu den jeweiligen Figuren und geben ihnen zusätzliche spielerische Eigenheiten.

Auch die Schlachtfelder selbst sorgen für Abwechslung. Neben den üblichen Gefechten, bei denen wir gegnerische Anführer besiegen müssen, gibt es andere Siegbedingungen und Umgebungen, die wir in unsere Planung einbeziehen sollten. Hindernisse, besondere Felder und veränderte Geländebedingungen beeinflussen, wie wir unsere Einheiten einsetzen. Im späteren Spielverlauf kommen zudem mehr gegnerische Verstärkungen hinzu. Das erhöht zwar den Druck, kann einzelne Schlachten aber auch unnötig in die Länge ziehen.

Insgesamt gefällt mir, wie Fortune’s Weave das vertraute Kampfsystem erweitert. Die zusätzlichen Mechaniken bieten genügend Möglichkeiten, um auch nach vielen Stunden noch unterschiedliche Strategien auszuprobieren.

Werbung

Erkundung, Verliese und Schnellkämpfe

Zwischen den großen Schlachten verbringen wir viel Zeit in Dagda und seiner Hauptstadt Dagsion. Hier können wir Händler besuchen, Quests annehmen, unsere Ausrüstung verbessern und an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen. Da uns für jedes Kapitel nur eine begrenzte Anzahl an Zeiteinheiten zur Verfügung steht, müssen wir entscheiden, welche Aufgaben wir zuerst erledigen. Reisen, Training und andere Aktivitäten kosten Zeit, weshalb wir nicht alles beliebig hintereinander erledigen können.

Auch außerhalb der Hauptstadt gibt es einiges zu entdecken. Die Weltkarte führt uns zu Städten, Sammelstellen und Verliesen, in denen wir Materialien und Ausrüstung finden. Besonders die Verliese sind eine sinnvolle Ergänzung, da sie neben der Erkundung auch eigene Kämpfe bieten. Statt der gewohnten taktischen Schlachtfelder wechseln wir hier in einen klassischen rundenbasierten Kampf. Unsere Gruppe und die Gegner verfügen jeweils über einen gemeinsamen Lebenspunktepool. Wir wählen passende Aktionen aus und können durch gemeinsame Angriffe zusätzliche Vorteile erhalten, müssen dabei aber unsere begrenzten Verbindungspunkte im Auge behalten.

Fire Emblem: Fortune’s Weave (c) Nintendo

Fire Emblem: Fortune’s Weave (c) Nintendo

Werbung

Diese kleineren Gefechte sind deutlich überschaubarer als die großen Schlachten und lockern den Spielfluss auf. Auch die Erkundung selbst ist eine willkommene Ergänzung, weil sie uns weitere Möglichkeiten zur Charakterentwicklung eröffnet.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass sich die vier Hauptfiguren nicht nur in ihren Geschichten unterscheiden. Sie bringen auch eigene Aktivitäten mit. Cai kann beispielsweise Materialien anbauen und Tiere fangen, während Dietrich gezielt starke Gegner aufspürt. Theodora verfügt über zusätzliche Möglichkeiten bei der Erkundung, und Leda kann durch ihre Tänze ihren Ruf verbessern. Dadurch fühlt sich nicht jeder Handlungsstrang gleich an.

Allerdings gibt es auch hier ein Problem: Mit der Zeit wiederholen sich manche Aufgaben. Vor allem das Anwerben neuer Charaktere kann zur Fleißarbeit werden. Dafür müssen wir unseren Ruf verbessern und Beziehungen durch Geschenke oder gemeinsame Mahlzeiten stärken. Da wir diese Voraussetzungen in mehreren Pfaden erneut erfüllen müssen, verliert das System bei längerer Spielzeit an Reiz. Wer möglichst viele Figuren rekrutieren möchte, muss sich entsprechend mit den wiederkehrenden Aufgaben beschäftigen.

Werbung

Fire Emblem: Fortune’s Weave (c) Nintendo

Fire Emblem: Fortune’s Weave (c) Nintendo

Ein umfangreiches Spiel mit kleinen Schwächen

Fire Emblem: Fortune’s Weave ist ein ausgesprochen umfangreiches JRPG. Die einzelnen Handlungsstränge, die Erkundung und die taktischen Kämpfe sorgen dafür, dass wir sehr lange beschäftigt sind. Das ist eine Stärke, kann sich aber auch als Nachteil erweisen. Nicht jede Aktivität ist gleichermaßen spannend, und manche Abschnitte hätten von einer kompakteren Erzählweise profitiert.

Auch optisch macht das Spiel einen guten Eindruck. Die Charaktermodelle sind detailliert gestaltet, die Zwischensequenzen ansprechend inszeniert und die Umgebungen deutlich weitläufiger als in früheren Serienteilen. Die Gestaltung orientiert sich an einem antik anmutenden Kaiserreich, was sich in Architektur, Farbgebung und Kleidung widerspiegelt. Nicht jedes Charakterdesign bleibt gleichermaßen im Gedächtnis, insgesamt ergibt sich aber ein stimmiges Gesamtbild.

Werbung

Besonders die Vertonung trägt dazu bei, dass die vielen Dialoge nicht monoton wirken. Gespräche sind größtenteils vollständig vertont und werden dadurch lebendiger. Da die Handlung einen großen Teil des Spielerlebnisses ausmacht, ist das ein wichtiger Pluspunkt.

Dennoch muss uns bewusst sein, worauf wir uns einlassen. Fortune’s Weave verlangt viel Zeit und Aufmerksamkeit. Wer alle vier Pfade spielen und sämtliche Zusammenhänge verstehen möchte, bekommt ein gewaltiges Abenteuer, muss aber auch Wiederholungen in Kauf nehmen. Dafür bietet das Kampfsystem genügend Tiefe, um uns über einen langen Zeitraum zu beschäftigen.

Fire Emblem: Fortune’s Weave (c) Nintendo

Fire Emblem: Fortune’s Weave (c) Nintendo

Werbung

Fazit zu Fire Emblem: Fortune’s Weave

Fire Emblem: Fortune’s Weave von Nintendo und Intelligent Systems überzeugt mit einer umfangreichen Geschichte, vier unterschiedlichen Hauptfiguren und einem taktischen Kampfsystem, das durch die Brandtechniken sinnvoll erweitert wird. Auch die Erkundung, die Verliese und die individuellen Aktivitäten der Flammenfürsten sorgen dafür, dass sich die einzelnen Handlungsstränge spielerisch voneinander unterscheiden. Besonders die abwechslungsreichen Schlachtfelder und die zahlreichen Möglichkeiten zur Entwicklung unserer Einheiten halten das Gameplay interessant.

Die große Geschichte steht sich stellenweise selbst im Weg. Wiederholte Szenen, eine hohe Informationsdichte und das erneute Erledigen bestimmter Aufgaben können den Spielfluss bremsen. Wer ein kurzes Abenteuer sucht, ist hier falsch. Wer sich hingegen auf ein langes Taktik-JRPG mit vielen miteinander verknüpften Geschichten einlassen möchte, bekommt einen überzeugenden Serienteil, der seine umfangreichen Spielsysteme größtenteils sinnvoll miteinander verbindet.

Hast du einen Fehler entdeckt oder weitere Infos zu diesem Artikel? Dann schick uns gerne dein !

Test-System: Nintendo Switch 2

Bewertung von Eva Krumm
Legendär
9

Fire Emblem: Fortune’s Weave überzeugt mit starken Taktik-Kämpfen und enormem Umfang, kämpft aber mit Längen im Gameplay.

  • Grafik
    10
  • Sound
    10
  • Gameplay
    9
  • Story
    9
  • Motivation
    8
  • Steuerung
    10

Kategorie(n)

Mehr entdecken

Weiterlesen