4 Min. lesen
Artikel von Markus Bauer +
DailyGame bei Google merken

Werbung

Die Geschichte rund um die aktuellen GTA 6-Leaks wird immer kurioser. Publisher Take-Two versucht inzwischen über Gerichtsverfahren an Daten zu kommen, mit denen die Personen hinter Cyberleek identifiziert werden könnten. Microsoft und Discord sollen dabei umfangreiche Informationen liefern.

Man könnte deshalb erwarten, dass sich die Verantwortlichen möglichst unsichtbar machen. Stattdessen passiert gerade ziemlich genau das Gegenteil. „Cyberleek“ öffnet einen neuen Kommunikationsweg nach außen und versucht dabei gleichzeitig, mit der enormen Aufmerksamkeit rund um Grand Theft Auto VI richtig viel Geld zu verdienen.

Cyberleek verkauft Werbung in GTA 6-Leaks

Auf der Webseite von Cyberleek ist inzwischen ein neuer Bereich für Werbung und geschäftliche Anfragen aufgetaucht. Dort bietet die Gruppe Unternehmen unter anderem Werbeplätze in zukünftigen geleakten GTA 6-Videos an. Logos oder Marken könnten beispielsweise als Wasserzeichen direkt in den Aufnahmen erscheinen. Außerdem können offenbar speziell für einen Auftraggeber angefertigte Gameplay-Videos angefragt werden.

Cyberleek bezeichnet das selbst als Möglichkeit, über „Community Support“ und strategische Partnerschaften Geld für die eigenen Aktivitäten einzunehmen. Ein klassisches Lösegeld sei das nicht. Take-Two oder Rockstar Games sollen also nicht dafür bezahlen, dass weitere GTA 6-Leaks verhindert werden. Stattdessen möchte Cyberleek mit dem Material selbst Geld verdienen. Und genau hier wird es ziemlich absurd.

Grand Theft Auto VI (GTA 6) durchlebt gerade eine massive Leak-Welle. Nun wird damit versucht Geld zu scheffeln. - Bild: Rockstar Games

Grand Theft Auto VI (GTA 6) durchlebt gerade eine massive Leak-Welle. Nun wird damit versucht Geld zu scheffeln. – Bild: Rockstar Games

165.000 Dollar reichen nicht einmal für eine Werbung

Wer Cyberleek überhaupt kontaktieren möchte, soll zunächst 400 XMR in der Kryptowährung Monero überweisen. Zum Zeitpunkt des Schreibens entsprechen diese 400 XMR ungefähr 144.000 Euro (via PCGamer.com bzw. auf „Coinbase“ umgerechnet). Der genaue Gegenwert schwankt natürlich mit dem Kurs der Kryptowährung.

Doch für diesen Betrag bekommt man noch keine Werbung. Die Zahlung ist laut Cyberleek lediglich eine Kontaktgebühr. Sie garantiert, dass sich jemand von Cyberleek über den verschlüsselten Messenger Session meldet und Verhandlungen beginnen können. Preise für Werbeplätze, individuell angefertigte Gameplay-Clips und andere Leistungen werden erst danach vereinbart.

Mit anderen Worten: Wer rund 144.000 Euro überweist, kauft sich zunächst einmal nur einen Kommunikationskanal. Mehr nicht.

Cyberleek bietet sogar individuelle GTA 6-Videos an

Noch ungewöhnlicher ist die zweite Möglichkeit. Unternehmen sollen offenbar nicht nur Werbung auf bereits geplanten Leaks platzieren können. Cyberleek bietet auch speziell auf eine Marke zugeschnittenes GTA 6-Gameplay an. Selbst Inhalte für Erwachsene werden auf der Webseite ausdrücklich als mögliche Variante erwähnt.

Das ist insofern bemerkenswert, weil es einen weiteren Hinweis darauf liefert, dass Cyberleek möglicherweise tatsächlich Zugriff auf eine spielbare Version von GTA 6 besitzt. Genau bewiesen ist das weiterhin nicht. In einem zuvor veröffentlichten Video schoss Jason allerdings gezielt Buchstaben in eine Wand. Solches Material lässt sich wesentlich schwieriger mit einer Sammlung bereits vorhandener Entwicklerclips erklären.

Auch weitere Veröffentlichungen zeigen längere Gameplay-Sequenzen. Zuletzt tauchte beispielsweise ein rund zweiminütiges Video auf, in dem Jason einen Sportwagen stiehlt und durch die Umgebung von Vice City fährt.

Teure DLCs aus Grand Theft Auto VI (GTA 6) sind angeblich Anlass genug um Leaks im Internet zu verstreuen. - Bild: Rockstar Games

Teure DLCs aus Grand Theft Auto VI (GTA 6) sind angeblich Anlass genug um Leaks im Internet zu verstreuen. – Bild: Rockstar Games

Take-Two sucht Cyberleek bereits

Dass Cyberleek ausgerechnet jetzt einen Kontaktkanal für zahlende Kunden eröffnet, ist zumindest mutig. Take-Two hat bereits gerichtliche Schritte eingeleitet, um die Identität hinter den aktuellen Leaks herauszufinden. Microsoft und Discord sollen Daten herausgeben, die unter anderem mit verschiedenen Accounts und Kommunikationswegen rund um Cyberleek zusammenhängen könnten.

Die neuen Werbeangebote schaffen nun zusätzliche Kontaktpunkte zwischen Cyberleek und anderen Personen. Ob der GTA 6-Publisher oder Ermittlungsbehörden versuchen könnten, genau diesen Weg zur Identifizierung der Verantwortlichen zu nutzen, ist Spekulation. Aus Sicht von Cyberleek bedeutet jeder zusätzliche externe Kontakt allerdings grundsätzlich auch eine weitere mögliche Spur.

Aus dem Protest wird zunehmend ein Geschäft

Besonders interessant ist die Entwicklung auch wegen der ursprünglichen Selbstdarstellung von Cyberleek. Die Gruppe begründet ihre Aktionen mit angeblich „verbraucherfeindlichen Praktiken der Spieleindustrie“. Gefordert werden unter anderem ein Ende digitaler Vorbestellungen, ein besserer Erhalt gekaufter Spiele und weniger Inhalte, die nachträglich als DLC verkauft werden.

Gleichzeitig bewirbt Cyberleek bereits eine eigene Kryptowährung. Nun kommen kostenpflichtige Werbeplätze und individuelle Gameplay-Aufnahmen hinzu. Damit wird die Grenze zwischen angeblichem Verbraucherprotest und kommerziellem Geschäftsmodell immer schwerer zu erkennen.

GTA 6 selbst erscheint am 19. November 2026 für PS5 und Xbox Series X/S. Schon am 27. August möchte Rockstar Games den Sandbox-Titel im großen „Extended Look“ ausführlicher präsentieren.

Umfrage

Hast du GTA 6 vorbestellt?

    Hast du einen Fehler entdeckt oder weitere Infos zu diesem Artikel? Dann schick uns gerne dein !

    Kategorie(n)

    Mehr entdecken

    Weiterlesen