GTA 6-Leaks eskalieren: Take-Two geht jetzt einen entscheidenden Schritt
Immer mehr vermeintliches Gameplay landet im Internet. Jetzt versucht der Rockstar-Mutterkonzern herauszufinden, wer wirklich dahintersteckt.
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Klaus Kainz Ein freiberuflicher Schreiber für Chronik-Themen, manchmal auch Kultur. Vor allem aber ist er faszinierter Zocker seit mehreren Jahrzehnten. Denn Resident Evil ist intensiver als jeder Horrorfilm, Bloodborne oder Metroid Prime immersiver als jeder Fantasy-Roman - und Dampf ablassen geht kaum besser als mit Streets of Rage oder Ninja Gaiden.
Die Situation rund um die GTA 6-Leaks wird immer ernster. Inzwischen kursieren mehrere bislang unbekannte Gameplay-Clips im Internet, während Rockstar Games selbst nur wenige Tage vor seiner großen Präsentation weiterhin schweigt.
Take-Two reagierte zunächst mit Copyright-Meldungen und ließ verschiedene Videos entfernen. Doch offenbar reicht dem Rockstar-Mutterkonzern das nicht mehr. Jetzt soll geklärt werden, wer das Material überhaupt veröffentlicht und verbreitet hat. Dafür geht Take-Two erstmals einen deutlich größeren Schritt.
Take-Two fordert Daten von Microsoft und Discord
Am 20. August 2026 beantragte Take-Two beim US-Bundesgericht im Southern District of New York mehrere sogenannte DMCA Subpoenas. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, über die Kotaku berichtet. Die Anfragen richten sich unter anderem an Microsoft und Discord. Take-Two möchte Daten zu verschiedenen Accounts erhalten, die mit der Veröffentlichung oder Verbreitung des geleakten GTA 6-Materials in Verbindung stehen könnten.
Besonders umfangreich fällt die Anfrage an Microsoft aus. Take-Two verlangt interne Unterlagen zu einer Microsoft-Untersuchung des Namens Cyberleek. Diese sollen dabei helfen, die Person oder Gruppe hinter dem Alias zu identifizieren.
Dabei geht es um deutlich mehr als einen Benutzernamen.
Microsoft soll unter anderem Account-IDs, registrierte E-Mail-Adressen, IP-Adressen bei Registrierung und letztem Login, Telefonnummern, verknüpfte Xbox- oder Google-Konten und Gerätekennungen herausgeben. Auch Inhalte aus verbundenen OneDrive-Konten werden genannt, sofern diese mit GTA, Rockstar oder Cyberleek zusammenhängen.

Grand Theft Auto VI (GTA 6) durchlebt gerade massive Leaks in den sozialen Netzwerken. – Bild: Rockstar Games
Auch zahlreiche Discord-Nutzer könnten betroffen sein
Die Anfrage an Discord geht ebenfalls ziemlich weit.
Take-Two verlangt Informationen zu Accounts, die seit dem 1. Juni 2026 auf bestimmten Servern aktiv waren oder dort miteinander kommunizierten. In den Unterlagen tauchen Namen wie Cyberleek, CinematicRockstar und Surfer24k sowie mehrere Discord-Communities auf.
Dazu gehört sogar ein Server, der in Verbindung mit dem bekannten GTA-Creator DarkViperAU genannt wird.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass DarkViperAU selbst hinter den Leaks steckt oder von Take-Two entsprechend beschuldigt wird. Matthew Judge, wie der Streamer mit bürgerlichem Namen heißt, reagierte selbst überrascht auf die Gerichtsunterlagen und erklärte, nichts über die Identität der Verantwortlichen zu wissen.
Microsoft und Discord sollen die angeforderten Daten laut den Unterlagen bis zum 04. September 2026 bereitstellen.
Was steckt hinter den GTA 6-Leaks?
Unter dem Namen Cyberleek wurden innerhalb weniger Tage mehrere vermeintliche GTA 6-Videos veröffentlicht.
Zu sehen sind unter anderem neue Bereiche der offenen Spielwelt, Fahrzeuge, Kämpfe und verschiedene Gameplay-Mechaniken. In einem Clip spielt Jason sogar eine bisher nicht offiziell vorgestellte Freizeitaktivität, die offenbar Auswirkungen auf einen Charakterwert hat. Darüber haben wir bereits in unserem Artikel zum geleakten GTA 6-Gameplay mit Jason berichtet.
Ein anderes Video sorgte besonders für Aufmerksamkeit. Darin schießt der Spieler das Wort „LEEK“ beziehungsweise eine ähnliche Botschaft in eine Wand. Das nährte Spekulationen, dass die Verantwortlichen nicht lediglich vorproduzierte Videos besitzen, sondern möglicherweise Zugriff auf eine spielbare Version haben.
Bestätigt ist das nicht. Rockstar hat die Echtheit des Materials bislang nicht öffentlich kommentiert. VGC berichtet allerdings ebenfalls, dass verschiedene Videos nach Copyright-Beschwerden wieder aus dem Netz verschwanden.
Cyberleek will offenbar eine Botschaft senden
Hinter den Veröffentlichungen steckt nach eigener Darstellung mehr als der Wunsch, GTA 6 möglichst früh zu zeigen.
Auf einer mit Cyberleek verbundenen Webseite wurde ein Manifest veröffentlicht. Darin kritisieren die Verantwortlichen unter anderem digitale Vorbestellungen, hinter DLC versteckte Inhalte und den Umgang mit nicht mehr unterstützten Videospielen.
Passend dazu richtet sich ein Teil der Kritik gegen die Entscheidung, GTA 6 zunächst digital zu veröffentlichen. Take-Two-Chef Strauss Zelnick hatte die zunehmende Bedeutung digitaler Verkäufe erst kürzlich verteidigt.
Ganz so idealistisch wirkt die Aktion allerdings nicht. Rund um die Leaks wurde gleichzeitig eine eigene Kryptowährung beziehungsweise ein Meme-Coin beworben, von dessen Erfolg die Verantwortlichen profitieren könnten.
Auch die Initiative Stop Killing Games distanzierte sich von den Aktionen. Das ist wichtig, weil Cyberleek teilweise Forderungen aufgreift, die ähnlich klingen wie jene der Verbraucherinitiative.
Ausgerechnet jetzt wollte Rockstar GTA 6 selbst zeigen
Das Timing könnte für Rockstar kaum schlechter sein. Am 27. August 2026 findet „Grand Theft Auto VI: An Extended Look“ statt. Die Präsentation startet zunächst exklusiv auf Netflix und erscheint sechs Stunden später über die offiziellen Rockstar-Kanäle.
Eigentlich sollte Rockstar damit selbst erstmals einen deutlich ausführlicheren Blick auf GTA 6 ermöglichen. Stattdessen diskutieren Spieler bereits Tage vorher über Basketball, Fahrzeuge, neue Bereiche der Spielwelt und andere Mechaniken aus vermeintlich geleaktem Gameplay.
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Take-Two versucht deshalb inzwischen offensichtlich nicht mehr nur, die Videos aus dem Internet zu entfernen. Der Konzern will wissen, wer sie dort veröffentlicht. Und genau das könnte für Cyberleek zum wesentlich größeren Problem werden.
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