Warum Entwickler Spiele jahrelang im Early Access belassen: Ein Blick hinter die Kulissen

"Early Access": Hinter diesem Begriff versteckt sich mehr, als man zu Beginn erahnen dürfte. Warum Entwickler es immer häufiger verwenden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Finanzielle Unterstützung: Einnahmen aus Early Access decken Entwicklerkosten
  • Wertvolles Feedback: Spielermeinungen formen das Spiel positiv
  • Community-Interaktion: Entwickler binden Fans aktiv in den Prozess ein

Die Welt der Videospiele ist dynamisch, faszinierend und ständig im Wandel. In den letzten Jahren hat sich eine interessante Entwicklung herauskristallisiert, bei der immer mehr Spieleentwickler ihre Projekte für längere Zeit im Early Access belassen. Aber warum tun sie das? Was sind die Gründe, und welche Auswirkungen hat dies auf die Spieleindustrie? In diesem Artikel werden wir tief in die Welt des Early Access eintauchen, die Vor- und Nachteile dieser Strategie beleuchten und versuchen, die Beweggründe der Entwickler zu verstehen.

Was bedeutet “Early Access” überhaupt? – Early Access (dt.: “Frühzugang” oder “Vorabzugang”) ist ein Entwicklungsmodell, bei dem Spiele in einem unfertigen Zustand veröffentlicht werden. Spieler können das Spiel kaufen und spielen, während die Entwickler kontinuierlich daran arbeiten, neue Funktionen hinzufügen und bestehende verbessern. Im Wesentlichen ermöglicht Early Access eine Art Partnerschaft zwischen Entwicklern und Spielern, bei der Feedback und Finanzierung eine entscheidende Rolle spielen.

Welche bekannten Early Access-Spiele kennt man?

Nun, da gibt es große Namen, die in jüngster Zeit aufgetaucht sind. Zum einen wäre hier Baldur’s Gate 3. Das Dungeons & Dragons-Rollenspiel startete im “Vorabzugang” am 6. Oktober 2020. Der eigentliche Release war am 3. August 2023 auf Steam. Also satte 646 Tage später.

Baldur's Gate 3 - (C) Larian Studios

Die Entwicklung von Baldur’s Gate 3 hat dank “Early Access” stark profitiert. – (C) Larian Studios

Was passierte dazwischen? Während dieser Phase erhielten die Spieler Zugang zu einem Teil des Spiels, konnten aber auch dazu beitragen, Fehler zu melden und Feedback zu geben. Damit ist man quasi auch irgendwo Beta-Tester für das Spiel. Im Laufe des Early Access wurden regelmäßige Aktualisierungen mit neuen Inhalten, Verbesserungen und Bugfixes veröffentlicht. Die Entwickler, Larian Studios, nutzten diese Phase, um das Spiel zu polieren und auf die Rückmeldungen der Community zu reagieren. Early Access bot den Spielern die Möglichkeit, die Entwicklung von Baldur’s Gate 3 aktiv mitzugestalten und vorzeitig in die Welt des Spiels einzutauchen.

Wie die Geschichte weiter ging, wissen wir aus den letzten Monaten. Baldur’s Gate 3 wurde ein großer Erfolg auf Steam, PS5 und später auch auf Xbox Series X/S.

Werbung

Ein anderes, populäres Beispiel, ist Rust von Facepunch Studios. Das Spiel blieb mehrere Jahre im Early Access, wurde jedoch kontinuierlich verbessert und erweitert. Die langfristige Unterstützung zahlreicher Spieler führte zu einem enormen Erfolg. Bis heute eines der beliebtesten Survival-Spiele aller Zeiten.

Finanzierung: Nicht jeder Entwickler hat Millionen gebunkert

Ein Grund, warum Entwickler Spiele im Early Access belassen, ist die finanzielle Unterstützung. Durch den Verkauf von Spielen im unfertigen Zustand können Entwickler Einnahmen erzielen, um die laufenden Kosten zu decken. Dies ist besonders wichtig für unabhängige Entwickler, die möglicherweise nicht über die Ressourcen großer Studios verfügen, wie aktuell der Palworld-Entwickler. Early Access bietet auch die Möglichkeit, das Interesse der Spieler zu wecken und eine engagierte Community aufzubauen, die das Spiel aktiv mitgestaltet.

Palworld - (C) Pocketpair

Palworld ist nicht das einzige Spiel des Entwicklers, dass derzeit im Early Access ist! – (C) Pocketpair

Ein weiterer Vorteil ist das wertvolle Feedback der Spieler. Durch den frühen Zugang können Entwickler Schwachstellen erkennen, Anregungen der Community aufgreifen und das Spielerlebnis entsprechend verbessern. Dieser iterative Prozess führt zu einem optimierten Spiel, das besser auf die Bedürfnisse und Wünsche der Spieler zugeschnitten ist. Die Spieler sind quasi die erweiterten Beta-Tester.

Early Access: Zeit, Erwartungen und Risiken

Trotz der Vorteile bringt Early Access auch Herausforderungen mit sich. Einer der Hauptkritikpunkte ist die Zeit, die Spiele im Early Access verbringen. Einige Titel bleiben jahrelang in diesem Stadium, was bei den Spielern zu Unmut führen kann. Die Balance zwischen der Bereitstellung eines qualitativ hochwertigen Spiels und der Zeit, die es dauert, um dieses Ziel zu erreichen, ist entscheidend.

Die Erwartungen der Spieler sind eine weitere Hürde. Manchmal können übertriebene Erwartungen dazu führen, dass Entwickler den Druck verspüren, schnell Ergebnisse zu liefern. Dies kann zu Kompromissen bei der Qualität führen. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass Spieler das Interesse verlieren, wenn ein Spiel zu lange im Early Access verweilt.

Die Zukunft von Early Access: Eine “nachhaltige” Entwicklung

Die Zukunft von Early Access sieht vielversprechend aus, da Entwickler und Spieler gleichermaßen von diesem Modell profitieren können. Es bietet eine Möglichkeit, Spiele zu finanzieren, während gleichzeitig die Qualität durch kontinuierliches Feedback verbessert wird. Um jedoch die Akzeptanz zu fördern und mögliche Probleme zu minimieren, müssen Entwickler transparent kommunizieren und realistische Erwartungen setzen. Das ermöglicht auch kleinen Entwicklern größere Spiele fertigzustellen.

Insgesamt bietet Early Access eine Win-Win-Situation für Entwickler und Spieler – wenn es richtig gemacht wird. Es ermöglicht den Entwicklern, ihre Vision zu verwirklichen, finanzielle Unterstützung zu erhalten und die Spielequalität zu steigern. Gleichzeitig erhalten die Spieler frühzeitig Zugang zu neuen Inhalten und können aktiv zur Entwicklung beitragen. Eine sorgfältige Balance zwischen Zeit, Erwartungen und Risiken ist jedoch entscheidend, um sicherzustellen, dass Early Access seine positive Rolle in der Spieleindustrie beibehält.

Fakten
Mehr zum Thema