Satoru Iwata warnte Nintendo schon 2006 vor zu vielen Super Mario- und The Legend of Zelda-Fortsetzungen
Nintendo sollte niemals nur alte Erfolge wiederholen. Eine fast 20 Jahre alte Aussage von Satoru Iwata klingt heute erstaunlich aktuell.
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Markus Bauer Markus spielt Videospiele, seit er denken kann, und schreibt seit über 25 Jahren über Gaming. Am PC liebt er Ego-Shooter und Echtzeit-Strategie, auf Konsolen vor allem Action-Adventures und Rennspiele. Mit seinen Kindern zockt er auch gerne Minecraft und Rocket League. Seit Jahrzehnten baut Markus seine PCs selbst – immer mit Blick auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Sein aktueller PC: ein Big Tower, damit auch moderne Grafikkarten bequem Platz finden.
Super Mario und The Legend of Zelda gehören zu den wertvollsten Marken von Nintendo. Neue Spiele könnten wahrscheinlich allein wegen ihrer Namen Millionen Exemplare verkaufen. Der frühere Nintendo-Präsident Satoru Iwata wollte sich auf genau diesen Erfolg allerdings niemals verlassen.
Bereits 2006 erklärte Iwata, dass Nintendo für ihn nicht zu einem Unternehmen werden dürfe, das einfach immer weitere Fortsetzungen produziert und ansonsten nichts Neues wagt. Seine Aussage ist fast 20 Jahre alt. Gerade mit Blick auf die heutige Größe von Mario und Zelda wirkt sie aber überraschend aktuell.
Iwata sprach damals mit dem heutigen Bloomberg-Journalisten Stephen Totilo für MTV News (von Nintendo Life dokumentiert).
Iwata wollte Nintendo nicht zur Fortsetzungsmaschine machen
Iwata wusste natürlich, dass Millionen Fans weitere Mario-, Zelda- und andere Nintendo-Spiele erwarteten. Neue Teile bekannter Reihen gehörten für ihn deshalb weiterhin zum Geschäft. Entscheidend war aber, dass Nintendo dabei nicht einfach dasselbe Spiel immer wieder verkaufen sollte. Er erklärte, Nintendo müsse bei Fortsetzungen immer versuchen, innerhalb der jeweiligen Serie neue Ideen zu finden. Würde das Unternehmen dagegen ausschließlich Sequels produzieren und nichts Neues versuchen, würde Nintendo irgendwann als konservativ und innovationsunwillig wahrgenommen.
Genau das sei weder die Art von Person, die er selbst sein wollte, noch „die Art von Unternehmen“, die Nintendo seiner Vorstellung nach sein sollte.
Der Zeitpunkt war dabei besonders interessant. Nintendo stand kurz vor der Veröffentlichung der Wii-Konsole, die damals noch unter dem Projektnamen „Revolution“ entwickelt worden war. Gleichzeitig war der Nintendo DS bereits auf dem Markt.
Wii und Nintendo DS zeigten anschließend genau diese Philosophie
Statt einfach technisch stärkere Varianten bestehender Konsolen zu entwickeln, versuchte Nintendo damals etwas völlig anderes. Der DS bekam zwei Bildschirme und Touch-Steuerung. Die Wii setzte auf Bewegungssteuerung und sollte ausdrücklich Menschen erreichen, die vorher kaum Videospiele gespielt hatten. Iwata erklärte im selben Zusammenhang, dass Nintendo weiterhin klassische Erfahrungen für Mario- und Zelda-Fans anbieten werde. Gleichzeitig wollte das Unternehmen aber Menschen erreichen, die vielleicht nur wenige Minuten am Tag spielten oder bisher überhaupt keinen Kontakt mit Videospielen hatten.
Das führte zu Spielen wie Wii Sports, Nintendogs, Brain Training und später Wii Fit. Sie passten teilweise überhaupt nicht zu dem, was klassische Nintendo-Fans damals vom Unternehmen erwartet hatten. Ausgerechnet diese Strategie half Nintendo anschließend dabei, ein völlig neues Publikum zu erreichen. Mit einer Fernbedienung als Controller konnte halt damals jeder etwas anfangen.

Wii Sports ist eines der erfolgreichsten Nintendo-Spiele aller Zeiten. Erwartet hat es damals nur niemand. – Bild: Nintendo
Auch Zelda musste sich irgendwann komplett verändern
Iwatas Gedanke lässt sich auch bei Nintendos größten Marken erkennen. Nintendo hat Mario und Zelda natürlich nie aufgegeben. Beide Reihen wurden aber immer wieder grundlegend verändert. Super Mario Odyssey spielte beispielsweise deutlich anders als die klassischen 2D-Abenteuer. Noch drastischer fiel die Veränderung bei The Legend of Zelda: Breath of the Wild aus. Nintendo löste viele jahrzehntelang etablierte Zelda-Strukturen auf und setzte stattdessen auf eine weitgehend frei erkundbare Welt.
Das bedeutet nicht, dass jede Nintendo-Entscheidung seit 2006 unmittelbar auf Iwatas damalige Philosophie zurückgeht. Er starb 2015. Seine grundsätzliche Vorstellung, bekannte Marken nicht einfach unverändert weiterzuführen, lässt sich in vielen späteren Nintendo-Spielen allerdings wiedererkennen.

The Legend of Zelda: Breath of the Wild stellte die Reihe auf den Kopf. Plötzlich war es ein Open World mit vielen Möglichkeiten das Spiel zu beenden. – Bild: Nintendo
Nintendo spricht 2026 wieder davon, mehr als Mario und Zelda zu brauchen
Besonders interessant wird die alte Aussage durch Nintendos aktuelle Strategie. Shigeru Miyamoto erklärte erst in diesem Jahr, dass Nintendo langfristig weitere Figuren und Marken weltweit etablieren möchte. Dabei geht es inzwischen nicht mehr nur um Videospiele. Nintendo baut seine Marken über Filme, Themenparks, Merchandise und andere Unterhaltungsangebote aus. Und auch dort sollen langfristig nicht ausschließlich Mario, Luigi, Link, Zelda und Co dominieren.
Damit klingt Iwatas fast 20 Jahre alte Aussage plötzlich erstaunlich modern. Natürlich wird Nintendo weiterhin Super Mario, The Legend of Zelda und andere erfolgreiche Reihen fortsetzen. Alles andere wäre wirtschaftlich kaum nachvollziehbar.
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Die interessantere Frage ist, was zwischen diesen sicheren Erfolgen entsteht. Genau davor warnte Iwata bereits 2006: Wenn Nintendo nur noch das produziert, von dem es ohnehin weiß, dass Fans es kaufen werden, verliert das Unternehmen irgendwann genau jene Eigenschaft, mit der es sich jahrzehntelang von seinen Konkurrenten unterschieden hat.
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