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Für Sammler und Puristen könnte der Traum von einer echten GTA 6-Disc doch wieder ausgeträumt sein. Rockstars nächstes Open-World-Spiel sorgte zuletzt nicht nur mit seinem Preis von 80 Euro für Aufsehen, beziehungsweise 100 Euro für die Ultimate Edition. Auch die sogenannte physische Fassung wurde schnell zum Streitthema.

Der Grund: Nach aktuellem Stand enthalten die Box-Versionen von Grand Theft Auto VI offenbar keine Disc, sondern nur einen Download-Code. Für viele Spieler ist das ein entscheidender Unterschied. Eine Hülle im Regal sieht zwar nach Retail aus, fühlt sich ohne Datenträger aber nicht wie eine echte physische Version an.

Zwischenzeitlich gab es Hoffnung. Eine angebliche Antwort des Rockstar-Kundendienstes ließ vermuten, dass eine echte physische Version nach „einigen Monaten“ doch noch erscheinen könnte. Auch ein Bericht der polnischen Seite PPE.pl deutete an, dass die erste Verkaufswelle nur aus Code-in-Box-Versionen bestehen könnte, später aber eine Disc-Fassung folgen soll. Genau diese Hoffnung bekommt nun allerdings einen deutlichen Dämpfer.

Neue Quellen sprechen gegen eine spätere Disc-Version

Nach Recherchen von The Hollywood Reporter soll es sich bei der viel diskutierten Support-Mail um ein Missverständnis gehandelt haben. Demnach sei die Formulierung „Physical Copy“ nicht als Hinweis auf eine echte Disc-Version zu verstehen, sondern lediglich auf die bereits bekannte Box-Version mit Download-Code. Besonders brisant: Laut dem Bericht gibt es nach aktuellem Stand keine Pläne, Discs von GTA 6 zu produzieren. Nicht zum Launch und auch nicht einige Monate danach. Sollte diese Information stimmen, wäre GTA 6 eines der deutlichsten Signale bisher, dass selbst die größten Spiele der Welt nicht mehr zwingend auf klassische Datenträger setzen.

Offiziell hat Rockstar diese neue Einordnung bislang nicht in Form einer klaren öffentlichen Stellungnahme bestätigt. Trotzdem wiegt der Bericht schwer, weil er sich auf Quellen beruft, die mit den Plänen vertraut sein sollen. Für Fans bedeutet das: Die Hoffnung auf eine spätere Disc-Version ist aktuell deutlich kleiner geworden.

Screenshot aus Grand Theft Auto VI (GTA 6). - Bild: Rockstar Games

Screenshot aus Grand Theft Auto VI (GTA 6). – Bild: Rockstar Games

Warum eine Box ohne Disc viele Spieler stört

Auf dem Papier klingt der Unterschied klein. Wer GTA 6 kauft, bekommt schließlich trotzdem Zugriff auf das Spiel. In der Praxis geht es aber um mehr als nur den Start des Downloads. Eine Disc steht für Besitzgefühl. Man kann sie ins Regal stellen, weiterverkaufen, verleihen oder Jahre später wieder einlegen. Bei einem Download-Code ist das anders. Der Code wird eingelöst und an ein Konto gebunden. Danach ist das Spiel nicht mehr wirklich weiterverkaufbar. Auch das Verleihen an Freunde oder der klassische Gebrauchtmarkt fallen weg. Für viele Spieler ist genau das der eigentliche Verlust.

Gerade bei Grand Theft Auto VI fällt diese Entwicklung besonders auf. Es handelt sich nicht um ein kleines Digitalprojekt, sondern um eines der größten Spiele der kommenden Jahre. Wenn ausgerechnet Rockstar Games bei einem Titel dieser Größenordnung auf eine echte Disc verzichtet, könnten andere Publisher daraus ein starkes Signal lesen.

GTA 6 könnte zum Wendepunkt für physische Spiele werden

Bei der neuen "PS5 Slim" (ab Nov. 2023 in den USA) wird man ein Laufwerk bei der digitalen Edition nachrüsten können. - (C) SIE

Bei der „PS5 Slim“ muss man ein Laufwerk bei der digitalen Edition nachrüsten müssen – (C) SIE

Physische Spiele sind schon lange unter Druck. Digitale Verkäufe wachsen, Konsolen erscheinen teilweise ohne Laufwerk und viele Publisher setzen stärker auf eigene Stores, Konten, Abos und Ingame-Ökosysteme. Trotzdem hatten große Retail-Versionen bisher noch eine gewisse Symbolkraft. GTA 6 könnte genau diese Grenze verschieben. Wenn ein Spiel mit dieser enormen Nachfrage ohne echte Disc erscheint und trotzdem Verkaufsrekorde bricht, wird sich die Branche die Frage stellen: Warum sollten andere große Publisher weiterhin Datenträger produzieren?

Für Sammler wäre das ein schlechtes Zeichen. Für Händler ebenfalls. Denn Code-in-Box-Versionen sehen zwar nach klassischem Handel aus, nehmen dem Retail-Markt aber einen wichtigen Teil seines bisherigen Werts. Gebrauchtspiele, Verleih, Sammlungen und langfristige Archivierung werden dadurch weiter geschwächt.

Die Kritik an digitalen Spielen wird lauter

Die Debatte kommt nicht aus dem Nichts. Digitale Spiele sind bequem, aber sie hängen stark an Servern, Konten und Plattformregeln. Wenn ein Store Inhalte entfernt, Server abgeschaltet werden oder Lizenzen verschwinden, haben Käufer oft weniger Kontrolle als bei klassischen Datenträgern. Genau deshalb wird die Kritik an rein digitalen Games lauter. Die Initiative „Stop Killing Games“ fand in Europa bereits breite Unterstützung. Sie fordert, dass gekaufte Spiele langfristig nutzbar bleiben sollen, auch wenn Publisher Server oder Dienste abschalten.

Auch Nintendo bekam zuletzt Kritik für seine Game Key-Cards auf der Switch 2. Diese enthalten ebenfalls nicht das vollständige Spiel auf dem Modul, sondern dienen in vielen Fällen nur als Zugang zum Download. Einige Fans sehen darin denselben Trend: Verpackung ja, echtes physisches Spiel nein.

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