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Artikel von Markus Bauer +
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Die nächste Xbox soll PC- und Konsolenspiele zusammenbringen. Doch genau diese Offenheit könnte für Microsoft zum Problem werden. Jon Kimmich, der 16 Jahre beim Windows-Herausgeber arbeitete und an der Entstehung sowie Einführung der ursprünglichen Xbox beteiligt war, warnt davor, Project Helix zu einer teuren Maschine zu machen, auf der Spieler am Ende hauptsächlich Steam öffnen.

Seine Kritik bringt er in einem ausführlichen Gastbeitrag bei GamesBeat ziemlich prägnant auf den Punkt: Eine Xbox, die im Wesentlichen nur dazu dient, Steam zu starten, würde letztlich Valves Geschäft subventionieren. Für Kimmich liegt die entscheidende Frage deshalb nicht darin, ob Microsoft möglichst viele PC-Stores auf Project Helix zulässt. Microsoft müsse zuerst klären, warum Spieler überhaupt noch Xbox wählen sollen.

Das ist keine Insiderinformation über die endgültige Hardware und auch keine Bestätigung dafür, dass Steam tatsächlich auf Project Helix erscheint. Kimmich beschreibt vielmehr, welchen Weg Microsoft seiner Meinung nach einschlagen sollte. Gerade nach dem massiven Umbau der Xbox-Sparte trifft seine Frage allerdings einen ziemlich empfindlichen Punkt.

„Project Helix“ soll mehr können als eine normale Konsole

Microsoft hat bereits offiziell bestätigt, dass Project Helix sowohl Xbox-Konsolenspiele als auch PC-Spiele ausführen soll. Die neue Hardware entsteht gemeinsam mit AMD und soll gleichzeitig als nächste Generation der klassischen Xbox-Konsole dienen. Dazu passt der bereits veröffentlichte Xbox Mode für Windows 11, der PCs und Handhelds eine stärker auf Controller ausgelegte Konsolenoberfläche gibt. Microsoft beschreibt Helix zudem nicht nur als einzelnes Gerät, sondern zunehmend als Teil einer größeren Gerätefamilie.

Für Kimmich reicht diese technische Offenheit allein aber nicht. Seine Sorge: Wenn Microsoft leistungsfähige Hardware möglicherweise sogar subventioniert, Spieler ihre Spiele anschließend jedoch überwiegend bei Steam kaufen, verdient Valve an den Transaktionen. Microsoft trägt einen Teil der Hardwarekosten, während ein wichtiger Teil des eigentlichen Plattformgeschäfts bei einem Konkurrenten landet.

Das ist eine Xbox: "Full Screen Experience" für Windows 11 - Bildquelle: Xbox.com

Das ist eine Xbox: „Full Screen Experience“ für Windows 11 – Bildquelle: Xbox.com

Microsoft muss entscheiden, was Xbox überhaupt sein soll

Genau hier unterscheidet Kimmich zwischen Microsoft Gaming und der eigentlichen Xbox-Plattform. Microsoft Gaming kann mit Call of Duty, Minecraft, King, Bethesda oder Spielen auf PlayStation sehr erfolgreich sein, selbst wenn weniger Menschen eine Xbox verwenden. Für die Plattform Xbox ist das aber nicht automatisch ein Gewinn.

Seine zentrale These lautet deshalb: Microsoft kann Hardware bauen, Spiele veröffentlichen, Game Pass anbieten, Cloud-Dienste betreiben und ein großer Multiplattform-Publisher sein. Aber nicht alle diese Dinge können gleichzeitig der Mittelpunkt der Xbox-Strategie sein.

Kimmich würde sich klar für die Plattform entscheiden. Die Xbox-Konsole sollte seiner Vorstellung nach das Referenzgerät bleiben. Gleichzeitig könnte die Xbox-Oberfläche langfristig auf Windows-PCs und möglicherweise Hardware anderer Hersteller ausgeweitet werden. Entscheidend wären dann nicht mehr ausschließlich technische Daten, sondern Xbox-Konto, Spielebibliothek, Freunde, Achievements, Cloud-Saves und vor allem der Besitz von Spielen über mehrere Geräte hinweg.

Ein Spiel einmal kaufen und es anschließend auf Xbox und PC besitzen, wäre nach dieser Vorstellung ein wesentlich stärkeres Argument als lediglich zu sagen: „Auf unserer Hardware kannst du auch Steam starten“.

XboxOS klingt logisch, existiert offiziell aber nicht

In seinem Beitrag verwendet Kimmich dafür den Begriff XboxOS. Dabei muss allerdings getrennt werden: Microsoft hat bisher kein Produkt mit diesem Namen angekündigt. Kimmich benutzt „XboxOS“ lediglich als Bezeichnung für die Plattform und Betriebssystemebene, die seiner Meinung nach aus Xbox Mode, Windows und den Xbox-Diensten entstehen könnte.

Xbox Play Anywhere erreichte bereits 1000+ Games! - Bild: Xbox

Xbox Play Anywhere erreichte bereits 1000+ Games! – Bild: Xbox

Einige Bausteine dafür existieren bereits. Xbox Play Anywhere unterstützt inzwischen mehr als 1.500 Spiele. Der Xbox Mode wird auf Windows-Geräte ausgeweitet und Project Helix soll PC- sowie Konsolenspiele verbinden.

Was bislang fehlt, ist die Antwort auf die vielleicht wichtigere Frage: Wo verdient Xbox innerhalb eines offenen Systems eigentlich sein Geld?

Die nächste Xbox braucht einen Grund, warum du sie kaufen sollst

Genau deshalb kommt Kimmichs Kritik zu einem interessanten Zeitpunkt. Microsoft besitzt heute mehr große Gaming-Marken als jemals zuvor. Gleichzeitig wird die klassische Struktur der Xbox Game Studios gerade massiv verkleinert und neu organisiert. Activision bekommt mehr Verantwortung, Bethesda ebenfalls, während Microsoft einzelne Studios verkauft oder ausgliedert.

Project Helix muss deshalb mehr beantworten als die Frage, wie schnell die nächste Xbox wird. Microsoft muss erklären, welchen Vorteil du davon hast, Spiele innerhalb des Xbox-Ökosystems zu kaufen, anstatt dieselbe Hardware hauptsächlich als komfortablen Wohnzimmer-PC für Steam zu verwenden. Den bietet Valve bereits selber an, mit der Steam Machine.

Der interessanteste Punkt an Kimmichs Analyse ist für mich deshalb nicht seine Kritik an Steam. Offenheit wäre für die nächste Xbox wahrscheinlich sogar eine ihrer größten Stärken. Microsoft braucht daneben aber etwas Eigenes, das diese Offenheit zusammenhält. Eine gemeinsame Bibliothek, Cross-Buy, Game Pass, Cloud-Saves und ein wirklich gutes Xbox-Erlebnis über mehrere Geräte könnten genau dieser Grund sein.

Sonst könnte Project Helix zwar die offenste Xbox aller Zeiten werden. Microsoft müsste sich dann allerdings die unangenehme Frage gefallen lassen, warum Spieler dafür überhaupt noch eine Xbox brauchen.

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