EA Sports FC 27 im Test: Auf dem Platz endlich besser, aber der große Wurf fehlt
EA Sports FC 27 verbessert genau die Bereiche, die zuletzt genervt haben. Das neue "The Grounds" will dagegen größer wirken, als es momentan tatsächlich ist.
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Markus Bauer Markus spielt Videospiele, seit er denken kann, und schreibt seit über 25 Jahren über Gaming. Am PC liebt er Ego-Shooter und Echtzeit-Strategie, auf Konsolen vor allem Action-Adventures und Rennspiele. Mit seinen Kindern zockt er auch gerne Minecraft und Rocket League. Seit Jahrzehnten baut Markus seine PCs selbst – immer mit Blick auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Sein aktueller PC: ein Big Tower, damit auch moderne Grafikkarten bequem Platz finden.
- Das Wichtigste in Kürze
- Das Gameplay gibt dir mehr Kontrolle und nimmt der KI vor allem beim Verteidigen bewusst Arbeit ab.
- Der Karriere-Modus profitiert stark vom überarbeiteten Transfermarkt und gehört zu den Gewinnern von FC 27.
- "The Grounds" ist die größte Neuerung, wirkt derzeit aber noch zu leer und zu stark auf langfristigen Live-Service ausgelegt.
Jedes Jahr dieselbe Frage: Wie verkauft man Spielern noch einmal ein Fußballspiel, das zwölf Monate zuvor eigentlich schon ziemlich vollständig war? EA Sports FC 27 versucht es dieses Mal nicht mit einer kompletten Neuerfindung. Stattdessen verändert Electronic Arts viele Dinge, die du während eines Matches tatsächlich bemerkst. Das ist weniger spektakulär als ein völlig neuer Spielmodus, für den Spielspaß aber am Ende wichtiger.
Genau deshalb hinterlässt „FC 27“ einen besseren Eindruck als der erste Blick auf die Feature-Liste vermuten lässt. Laufwege wirken sinnvoller, beim Verteidigen musst du wieder mehr selbst erledigen und der Karrieremodus bekommt endlich Änderungen, die nicht nur aus einer weiteren (sich ständig wiederholenden) Zwischensequenz bestehen. Gleichzeitig schleppt der neue Teil bekannte Probleme mit. Ultimate Team bleibt stark von seiner Monetarisierung geprägt und ausgerechnet „The Grounds“, die größte Neuerung des Jahres (die erstmals eine PEGI 16-Einstufung brachte), braucht noch deutlich mehr Inhalt.
Technisch ist FC 27 gewohnt stark, mit einer wichtigen Ausnahme
Präsentation und Lizenzen bleiben eine der größten Stärken der Reihe. EA spricht von mehr als 21.000 Spielern, über 800 Vereinen und Nationalmannschaften, mehr als 140 Stadien und über 35 Ligen. Wenn du möglichst viel echten Fußball in einem einzigen Spiel haben willst, ist dieses Paket weiterhin schwer zu schlagen.
Auf PS5, Xbox Series X/S und PC ist „FC 27“ technisch dort, wo man es erwartet. Ich habe es auf der PS5 Pro getestet. Die Nintendo Switch-2-Version fällt dagegen weiterhin zurück. Sie bietet zwar die aktuellen Spielmodi inklusive „The Grounds“, läuft aber noch immer mit 30 Bildern pro Sekunde und besitzt weder das komplette Crossplay noch denselben gemeinsamen Ultimate-Team-Transfermarkt wie die anderen aktuellen Plattformen.

An „echten Spielerinnen und Spielern“ mangelt es der Fußball-Simulation von EA nicht. – Bild: Electronic Arts
FC 27 nimmt dir beim Verteidigen die Stützräder weg
Die wichtigste Änderung passiert dort, wo sie passieren sollte: auf dem Rasen. Die Defensive verlässt sich endlich weniger stark auf automatische Eingriffe. Auto-Zweikämpfe wurden entfernt und die KI-Unterstützung zurückgefahren. Wer bislang gerne den Raum zugestellt und darauf gewartet hat, dass ein computergesteuerter Mitspieler den Rest erledigt, muss sich umstellen. Der Fünfer-Ketten-Trick aus FC 26 ist damit passe. Tacklings, Positionsspiel und das richtige Wechseln zwischen deinen Spielern werden wichtiger.
Das kann anfangs durchaus nerven. Vor allem freie Bälle oder Situationen, in denen ein KI-Mitspieler eigentlich nur einen Schritt machen müsste, führen gelegentlich zu Kopfschütteln. Gleichzeitig entsteht dadurch aber ein entscheidender Unterschied: Gute Verteidigung fühlt sich stärker nach deiner eigenen Leistung an.
Auch offensiv hat EA nachgebessert. Mitspieler erkennen Räume besser, Kurvenläufe wirken natürlicher und Überlappungen beziehungsweise Läufe hinter die Abwehr lassen sich jetzt gezielter einsetzen. Dazu kommen überarbeitete Ecken und das neue Dribbling im Stolpern, bei dem technisch starke Spieler nach Körperkontakt nicht sofort jede Ballkontrolle verlieren.
Aber jetzt muss ich dämpfen. EA Sports FC 27 wird dadurch nicht plötzlich zur „kompromisslosen Fußballsimulation“. Vor allem in Ultimate Team kann das Tempo weiterhin hoch sein und Online-Partien entwickeln sich schnell zu offenen Schlagabtauschen. Im authentischen Gameplay der Karriere ist das Spiel dagegen ruhiger und näher an einem klassischen Fußballmatch. Diese Trennung ergibt Sinn, weil nicht jeder Modus dasselbe Publikum bedienen muss.
Der Karrieremodus ist der heimliche Gewinner
Fast interessanter als „The Grounds“ ist deshalb die Managementkarriere. Transfers laufen nicht mehr nur nach dem alten Schema ab. Verhandlungen bestehen nun aus mehreren Phasen, KI-Vereine beobachten mehrere Ziele gleichzeitig und Faktoren wie Leistungen, Vereinsphilosophie und finanzielle Situation beeinflussen stärker, welche Spieler überhaupt interessant werden. Dazu kommen neue Klauseln und realistischere Marktwerte.
Die alten dreidimensionalen Verhandlungsszenen wurden durch eine schnellere 2D-Oberfläche ersetzt. Das klingt zunächst nach einem Rückschritt, macht den Ablauf aber funktionaler. Entscheidend ist ohnehin, was dahinter passiert. Vereine reagieren aktiver auf dem Transfermarkt, Spielerleistungen haben mehr Einfluss und nicht jedes Team wirft sein komplettes Budget automatisch für den nächsten großen Namen aus.
Das löst nicht jedes Problem einer Langzeitkarriere. Irgendwann erkennst du weiterhin Muster und natürlich ist auch „FC 27“ bisher keine vollständige Fußballmanager-Simulation wie z.B. der Football Manager. Aber hier veränderten die Entwickler Systeme, mit denen du über viele Saisons hinweg tatsächlich zu tun hast. Das bringt mehr als eine weitere kosmetische Menüänderung.
„The Grounds“ ist groß, fühlt sich aber noch nicht groß an
Und dann wäre da „The Grounds“. Bis zu 100 Spieler können sich in einer gemeinsamen Fußballwelt bewegen, die aus einem zentralen Bereich und drei Bezirken besteht. Dort gibt es kleinere Matches, Aktivitäten, Clubs, Turniere, Shops und verschiedene Möglichkeiten, deinen eigenen Spieler weiterzuentwickeln. Clubs wurde direkt in diese neue Welt integriert. Auf dem Papier ist das die größte Veränderung von EA Sports FC seit Jahren. In der Praxis merkt man allerdings schnell, dass hier vor allem das Fundament für kommende Saisons gebaut wurde. Viel passiert zum Start hier noch nicht.
Ist alles schlecht? Nein. „The Grounds“ hat Potenzial, bietet aktuell aber noch zu wenig Gründe, dauerhaft dort zu bleiben. Manche Aktivitäten wiederholen sich schnell, die Welt erzeugt noch nicht die Atmosphäre, die ihre Größe verspricht, und der Shop beziehungsweise die Monetarisierung ist ziemlich prominent eingebaut, was mir wiederum nicht gefällt. Das bedeutet nicht, dass der neue Modus gleich wieder gescheitert ist. Im Gegenteil. Als Verbindung aus Clubs, Freizeitfußball und sozialem Treffpunkt kann daraus ein wichtiger Bestandteil der Reihe werden. „FC 27“ fühlt sich hier allerdings eher wie Version 1.0 an. Entscheidend wird sein, was EA mit neuen Saisons, Events und Spielvarianten daraus macht.

EA Sports FC 27: Noch immer ein „Glücksspiel“. Das Ultimate Team setzt wie seine Vorgänger auf starke Monetarisierung. – Bild: EA
Ultimate Team wird besser, bleibt aber Ultimate Team
Football Ultimate Team (oder kurz FUT) bekommt ebenfalls einige sinnvolle Änderungen. Die neue FUT-Galerie merkt sich viele Karten, die irgendwann einmal in deinem Verein waren. Dadurch bekommt das Sammeln endlich einen dauerhafteren Zweck. Du kannst Sets vervollständigen, Belohnungen freischalten und musst besondere Karten nicht ausschließlich danach beurteilen, ob sie noch in deiner aktuellen Startelf stehen. Dazu kommen verzweigte Evolutionspfade und Anpassungen bei SBCs sowie Belohnungen.
Wer ohnehin jedes Jahr FUT spielt, wird sich schnell zurechtfinden. Genau darin liegt aber auch das Problem. „FC 27“ verändert Ultimate Team, ohne das grundsätzliche Modell anzutasten. Packs, FC Points und der stetige Druck, den eigenen Kader weiter zu verbessern, bleiben Teil des Systems. Das eigentliche Teambauen kann nach wie vor enorm motivieren, aber du musst wissen, worauf du dich einlässt. Wer diese Mechaniken bereits in FC 26 nicht mochte, wird durch FC 27 kaum bekehrt.
Lohnt sich der Wechsel von FC 26?
Das hängt stärker als sonst davon ab, wie du spielst. Wer vor allem Karriere spielt, bekommt tatsächlich mehrere Verbesserungen, die einen neuen Spielstand interessanter machen. Wer Ultimate Team ernsthaft verfolgt, wechselt ohnehin mit dem Saisonstart und profitiert zumindest von der Galerie und einigen besseren Fortschrittssystemen.
Schwieriger wird die Entscheidung, wenn du „FC 26“ nur gelegentlich mit Freunden spielst. „FC 27“ spielt sich besser, aber nicht derart anders, dass plötzlich alles davor veraltet wirkt. Auch „The Grounds“ ist derzeit kein Grund, allein deshalb ein neues Spiel zu kaufen. Für Neueinsteiger oder Spieler, die ein paar Jahre ausgesetzt haben, sieht die Sache anders aus. Hier wartet ein riesiges Paket aus Karriere, Ultimate Team, Clubs und zahllosen Wettbewerben. Gerade dann fällt weniger auf, wie viele dieser Bestandteile aus den vergangenen Jahren weitergeführt wurden.
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Fazit zu EA Sports FC 27 im Test
EA Sports FC 27 ist kein Neuanfang. Damit hast du wahrscheinlich auch nicht gerechnet, wenn du es jedes Jahr spielst. Es ist aber einer der sinnvolleren Jahresschritte der vergangenen Jahre. Ausgerechnet die Änderungen, die sich schlecht auf eine Verpackung schreiben lassen, machen den größten Unterschied. Weniger automatische Verteidigung, bessere Laufwege und ein glaubwürdigerer Transfermarkt im Karrieremodus verbessern das Spiel dort, wo du viele Stunden verbringst.
„The Grounds“ ist dagegen noch eine Baustelle. Die Idee funktioniert, der Umfang dahinter muss aber erst mit kommenden Updates wachsen. Ultimate Team bleibt gleichzeitig ein hervorragender Team-Baukasten, der weiterhin eng mit einem Geschäftsmodell verbunden ist, das nicht jedem gefallen wird.
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Am Ende bleibt deshalb ein ungewöhnlich klares Urteil: „FC 27“ ist dann am besten, wenn einfach Fußball gespielt wird. Genau dort hat EA dieses Jahr die richtigen Dinge verändert. Für eine Revolution reicht das nicht. Für ein gutes Fußballspiel aber sehr wohl. Und die Konkurrenz dazu ist bekanntlich sehr dünn. Zumindest auf diesem Niveau.
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Test-System: PlayStation 5
EA Sports FC 27 verbessert den Fußball an den richtigen Stellen und bietet eine überraschend starke Karriere. The Grounds braucht allerdings noch, um sein eigentliches Potenzial auszuspielen.
- Spürbar mehr Kontrolle beim Verteidigen
- Bessere Laufwege und offensives Positionsspiel
- Karrieremodus mit deutlich interessanterem Transfermarkt
- Enormer Umfang und starke Lizenz-Basis
- FUT-Galerie gibt dem Sammeln mehr langfristigen Sinn
- "The Grounds" fehlt derzeit noch Tiefe
- Ultimate Team bleibt (für mich) stark monetarisiert
- Teilweise fragwürdiges KI-Verhalten
- Für "FC 26"-Spieler kein zwingender Generationssprung
- Grafik8Sehr starke Spieler-, Stadion- und TV-Präsentation, aber kein großer visueller Sprung gegenüber FC 26.
- Sound8Authentische Stadionkulisse, gute Kommentierung und gewohnt umfangreiche Präsentation.
- Gameplay8Weniger automatische Defensive, bessere Laufwege und mehr Eigenkontrolle sorgen für den größten Fortschritt.
- Motivation8Karriere, FUT, Clubs und The Grounds bieten enorm viel Beschäftigung. Vor allem langfristig steckt viel drin.
- Steuerung9Direkt und präzise, durch die geringere KI-Unterstützung musst du defensiv allerdings aktiver und sauberer spielen.
- Multiplayer7Sehr umfangreich mit FUT, Clubs und The Grounds. Die Monetarisierung und der noch ausbaufähige neue Social-Modus drücken die Wertung.






