4 Min. lesen
Artikel von René Nikel +
DailyGame bei Google merken

Die Entlassungswelle bei Xbox schlägt weiterhin hohe Wellen. Besonders hart getroffen hat es diesmal id Software. Irgendwie hat jeder darauf gewartet, jetzt äußert sich der einstige Studio-Mitbegründer John Carmack erstmals zu den Entlassungen. Man merkt seinen Worten an, dass ihn die Entlassungen nicht kaltlassen.

Als Microsoft id Software übernommen hat, zeigte sich Carmack noch optimistisch. Er war überzeugt, dass der DOOM-Entwickler bei Microsoft in guten Händen wäre. Heute klingen seine Worte allerdings etwas anders als noch vor einigen Jahren.

In einem längeren Beitrag auf X.com spricht er offen über die Entlassungen bei id Software. Er erklärt, warum ihn die Situation traurig macht und blickt kritisch auf seine frühere Einschätzung von Microsoft zurück. Er macht aber trotzdem deutlich, dass man die Entscheidungen nicht vorschnell verurteilen soll. Sein komplettes Statement findet ihr am Ende dieses Artikels in deutscher Übersetzung.

John Carmack stellt in seinem Beitrag mehrere Fragen. Hätte id Software mit einer anderen Preisstrategie mehr Erfolg gehabt? Wäre besseres Marketing eine Lösung gewesen? Oder hätte das Studio seine Games anders gestalten müssen, um noch mehr Spieler zu erreichen? Eine klare Antwort darauf hat aber auch er nicht. Genau das macht seinen Beitrag so interessant. Er behauptet nicht, die Lösung zu kennen, sondern zeigt, wie schwierig die Situation am Videospiele-Markt derzeit tatsächlich ist.

Hoffnung für die DOOM-Macher

Trotz aller Kritik endet Carmack seinen Beitrag mit etwas Hoffnung. Er schreibt, dass die Geschichte von id Software noch nicht vorbei sei und er fest daran glaubt, dass sich das Studio wieder erholen wird. Was mir an Carmacks Beitrag besonders gefällt, ist, wie offen er mit der Situation umgeht. Statt vorschnell jemanden zu beschuldigen, versucht er erst einmal zu verstehen, warum es überhaupt zu den Entlassungen gekommen ist. Genau das macht seinen Beitrag für mich lesenswert.

Auch Jahrzehnte nach der Gründung liegt ihm id Software, die kürzlich die DOOM: The Dark Ages-Erweiterung mit 12 Stunden Spielzeit veröffentlicht haben, noch immer sehr am Herzen. Gerade deshalb gehen ihm die aktuellen Entlassungen so nahe. Hoffen wir, dass das Studio bald wieder positivere Schlagzeilen schreibt.

DOOM erschien erstmals am 10. Dezember 1993 für MS-DOS. Die leitenden Entwickler damals: John Carmack, John Romero und Tom Hall. - Bild: id Software

DOOM erschien erstmals am 10. Dezember 1993 für MS-DOS. Die leitenden Entwickler damals: John Carmack, John Romero und Tom Hall. – Bild: id Software

John Carmacks Statement auf Deutsch

„Ich habe lange überlegt, was ich zu den Entlassungen bei id Software sagen soll.

Wenn ich heute auf meine damalige Aussage zurückblicke, dass Microsoft vermutlich gut mit der Marke umgehen wird, würde ich sie so wohl nicht mehr treffen. Ich bin mir außerdem sicher, dass die Entlassungen auch die Stimmung beim Treffen der Gründer auf der QuakeCon im nächsten Monat drücken werden.

Die Entlassungen machen mich traurig. Wütend oder empört bin ich deshalb aber nicht. Ich kenne die Zahlen von Microsoft nicht. Trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass id Software für den Konzern wirtschaftlich nur eine kleine Rolle gespielt hat. Ich glaube auch den Berichten, dass die Einnahmen von Minecraft mehrere andere Studios mitfinanzieren.

Wenn Spiele auch in Zukunft entwickelt werden sollen, müssen sie erfolgreich sein. Es reicht nicht, wenn sie nur von den Fans geliebt werden.

Spiele kämpfen heute um unsere Freizeit und unser Geld. Und dieser Konkurrenzkampf ist gnadenlos.

Natürlich kann es sein, dass die Verantwortlichen schlechte Entscheidungen getroffen haben. Das sollte aber nicht automatisch unsere erste Vermutung sein. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es einen einfachen Weg gegeben hätte, die Einnahmen von id Software deutlich zu steigern.

Hätte eine andere Preisstrategie geholfen? Hätte das Studio mehr Inhalte entwickeln können, die Fans gerne gekauft hätten? Hätte besseres Marketing mehr Spieler erreicht? Hätte man die Spiele so verändern können, dass noch mehr Menschen Gefallen daran finden, ohne die bisherigen Fans zu verlieren? Oder hätte man die Spiele schneller und günstiger entwickeln können?

Ich weiß es einfach nicht.

Die Geschichte von id Software ist noch nicht vorbei. Ich hoffe, dass sich das Studio wieder fängt.“

Hast du einen Fehler entdeckt oder weitere Infos zu diesem Artikel? Dann schick uns gerne dein !

Kategorie(n)

Mehr entdecken

Weiterlesen