Onboard-Sound, Soundkarte oder DAC? Welche Audiolösung passt zu euch?
Die Unterschiede zwischen Onboard-Sound, Gaming-Soundkarten und externen DACs und wann sich ein Upgrade wirklich lohnt.
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René Nikel Seit Dino Wars oder North & South am Amiga hat sich in der Spieleindustrie so einiges verändert, meine Leidenschaft für Videospiele allerdings nicht. Bereits mit fünf Jahren hatte ich zum ersten Mal einen Joystick in der Hand und seit diesem Moment war die virtuelle Welt wie ein zweites Zuhause für mich. Ich finde so ziemlich jedes Genre interessant, selbst wenn es sich nur um einen kleinen Indie Titel handelt. Die aktuellste Nintendo Konsole und ein leistungsstarker PC gehören bei mir zur Grundausstattung. Seit mittlerweile fast zehn Jahren verbinde ich meine Begeisterung für Videospiele außerdem mit dem Gaming Journalismus.
Onboard-Sound, Soundkarte oder lieber gleich einen DAC mit integriertem Kopfhörerverstärker? Viele von euch haben sich diese Frage sicher schon einmal gestellt. Ich möchte euch in diesem kleinen Artikel die Unterschiede etwas näherbringen, damit ihr wisst, was für euch die beste Lösung darstellt.
DAC
Der DAC, also Digital Analog Converter, ist die Komponente, die digitale Audiodaten in ein analoges Signal umwandelt. Dieses Signal wird dann über eure Kopfhörer oder Lautsprecher wiedergegeben. Bei vielen externen DACs ist zusätzlich ein Kopfhörerverstärker integriert. Dieser sorgt dafür, dass auch hochohmige oder leistungshungrige Kopfhörer mit ausreichend Leistung versorgt werden.
Der DAC ist zwar ein wichtiger Bestandteil der Audiowiedergabe, für die Klangqualität sind aber auch die analoge Ausgangsstufe und der Kopfhörerverstärker entscheidend. Ein DAC ist also grundsätzlich immer notwendig. Die eigentliche Frage ist vielmehr, ob euch der im Mainboard integrierte DAC ausreicht oder ihr von einer hochwertigeren Lösung profitiert.
Onboard-Sound
Oft wird gesagt, dass die integrierten Audiochips bei Mainboards nicht die beste Qualität oder Verstärkung mitbringen. Das stimmt aber nur zum Teil.
In Mainboards der Einsteigerklasse ist meistens der Realtek ALC897 zu finden. Mittelklasse-Mainboards setzen häufig auf den Realtek ALC1200. Höherwertige Modelle verfügen oftmals über den Realtek ALC1220. Dieser kann je nach Mainboard sogar Kopfhörer mit höherer Impedanz ordentlich antreiben.
Seid ihr mit dem Sound eures Gaming-Headsets zufrieden, ist beispielsweise eine Sound Blaster G6 meist nicht notwendig.
Warum euch eine G6 aber trotzdem einige Vorteile bringen kann, darauf gehen wir im nächsten Punkt detaillierter ein. Im Grunde lässt sich sagen, dass die Realtek Audiochips nicht schlecht sind und sich in den letzten Jahren drastisch weiterentwickelt haben. Trotzdem kommen sie von der Qualität nicht ganz an hochwertige DACs heran. Externe DACs profitieren unter anderem davon, dass sie außerhalb des PC Gehäuses arbeiten und dadurch weniger anfällig für elektrische Störungen anderer Komponenten sind.

Der Onboard-Sound moderner Mainboards bietet für Gaming-Headsets und viele Kopfhörer bereits eine solide Audioqualität. Bild: René Nikel
Soundkarte
Der mit Abstand bekannteste Soundkartenhersteller für den PC ist Creative. Auf die Sound Blaster Produktreihe greifen Gamer schon seit Jahren zurück und diese ist nicht nur vom Klang sehr gut, sondern kann auch mit einigen Features speziell für Gamer aufwarten. Sound Blaster setzt bei den Audiochips auf Cirrus Logic und ESS. In einer Sound Blaster G6 werkelt beispielsweise ein Cirrus Logic CS43131, der rein vom Datenblatt zwar auch einem Realtek ALC1220 überlegen ist. Im Blindtest würden die meisten von euch aber wahrscheinlich keinen großen klanglichen Unterschied feststellen können. Trotzdem profitiert ihr von einem besseren Kopfhörerverstärker, einer etwas saubereren Wiedergabe bei höherer Lautstärke und natürlich durch die zusätzlichen Gaming Features. Darunter zählen der Scout Mode, die SBX Acoustic Engine, ein Equalizer sowie CrystalVoice und der Direct Mode.
Wer hauptsächlich spielt und Funktionen wie Scout Mode oder virtuelle Surround Effekte nutzt, erhält mit einer Soundkarte daher oftmals mehr Zusatzfunktionen als mit einem klassischen HiFi DAC.
Anders sieht es bei der AE-5 bis AE-9 aus. In der AE-9 ist ein Audiochip der Oberklasse verbaut, nämlich der ESS SABRE ES9038. Ein möglicher Nachteil interner Soundkarten ist jedoch, dass es bei einigen Modellen und Windows Versionen immer wieder zu Treiberproblemen kommen kann. Deshalb bevorzugen immer mehr Leute externe Lösungen.
Externer DAC mit Kopfhörerverstärker
Wer auf die Gaming Features verzichten kann und einen hochwertigen Studiokopfhörer verwendet, dem lege ich meistens einen externen DAC mit integriertem Kopfhörerverstärker nahe. Das hat einfach den Grund, dass diese meist das beste Klangverhalten sowie zahlreiche Anschlussmöglichkeiten bieten. Hersteller wie Topping, FiiO, iFi oder SABAJ sind hoch angesehen und bieten auch ein gutes Preis Leistungs Verhältnis. Im Gegensatz zu klassischen Gaming Soundkarten verzichten sie meist auf Funktionen wie virtuellen Surround oder Scout Mode und konzentrieren sich stattdessen auf eine möglichst unverfälschte Audiowiedergabe.
In solchen Geräten werdet ihr meistens nur Audiochips von ESS oder AKM finden. Beide haben DACs in den verschiedensten Preisklassen, aber selbst in der Oberklasse gibt es keinen klaren Sieger. ESS DACs werden oft als neutraler und analytischer beschrieben. Es gibt sogar ein paar Leute, die der Meinung sind, den ESS Chips fehle ein wenig die Seele der Musik. Die AKM DACs hingegen werden meist als wärmer, etwas basslastiger und musikalischer beschrieben. Aber auch hier gibt es wieder ein paar Leute, denen diese Abstimmung nicht gefällt und die Neutralität vermissen. Die Unterschiede bewegen sich allerdings auf einem sehr hohen Niveau und fallen deutlich kleiner aus als beispielsweise der Wechsel auf einen anderen Kopfhörer. Egal ob in der Einsteigerklasse oder der Oberklasse, ob euch AKM oder ESS besser gefällt, bleibt eindeutig Geschmackssache.
Auch ich persönlich könnte hier keinen klaren Gewinner nennen. Ich finde die Neutralität eines hochwertigen ESS Chips wie dem ES9038PRO sehr gelungen. Er bietet einen hochauflösenden, detailreichen Klang mit einer breiten Bühne. Trotzdem würde ich meine Dual Chip Lösung mit dem AK4499EX plus AK4191 nicht gegen einen ESS tauschen wollen. Das liegt aber auch daran, dass der AKM Chip die sehr brillanten Höhen meines DT1990 Pro gut ausgleicht. Mit einem anderen Kopfhörer würde ich vielleicht einen Audiochip von ESS bevorzugen. Das ist allerdings mein persönlicher Eindruck und kann je nach Kopfhörer und Hörgeschmack völlig anders ausfallen.
Der Kopfhörer
Jetzt habe ich euch schon sehr viel über die verschiedenen Audiolösungen und DACs erzählt. Jetzt kommt aber noch ein sehr wichtiger Faktor hinzu, und zwar der Kopfhörer. Solltet ihr ein Gaming Headset haben, ist dieses meistens niederohmig und ihr könnt es problemlos mit einem Onboard Realtek Chip betreiben. Aber selbst bei einem Realtek ALC1220 werdet ihr im direkten Vergleich zu einer Sound Blaster G6 einen etwas kräftigeren Bass beziehungsweise Grundton bemerken. Von der Audioqualität an sich finde ich aber, dass sich die beiden kaum unterscheiden. Natürlich liefert euch eine G6 aber auch mehr Leistung und die Maximallautstärke erhöht sich deutlich.
Eine Soundkarte ist also selbst bei einem Gaming Headset, wie beispielsweise dem MMX300 oder MMX330, durchaus sinnvoll, aber nicht notwendig.
Habt ihr einen Studiokopfhörer und könnt direkt nebeneinander einen Realtek ALC1220, eine Sound Blaster G6 und beispielsweise den SABAJ A20d 2023 vergleichen, dann sieht die Sache aber schon wieder anders aus. Mit meinem DT1990 Pro ist der Unterschied von einem ALC1220 zu einer G6 hörbar. Von der G6 zu der Dual Chip Lösung mit dem AK4499EX plus AK4191, die im SABAJ A20d 2023 werkeln, ist der Unterschied aber nochmal deutlicher.
Wenn ich denselben Vergleich mit meinem MMX300 mache, fällt der Unterschied von der G6 zu dem SABAJ allerdings deutlich kleiner aus.
Der Klangunterschied
Egal, welchen DAC ihr bei euren Kopfhörern verwendet, erwartet keine Revolution, sondern eher eine Evolution. Euer Kopfhörer hat eine Grundabstimmung und es bleibt derselbe Kopfhörer. Je hochwertiger der Kopfhörer ist, umso eher werdet ihr Unterschiede wahrnehmen. Den Unterschied von einem Realtek zu einem guten ESS oder AKM DAC können viele Hörer, insbesondere mit hochwertigen Kopfhörern, durchaus wahrnehmen. Von einem guten Mittelklasse DAC wie einer Sound Blaster X5 zu einem Oberklasse DAC werden die Unterschiede hingegen deutlich kleiner. Diese kleinen Unterschiede werden, je höher der Preis wird, immer geringer und viele würden einen DAC um 260 Euro mit einem Modell um 1000 Euro im Blindtest wahrscheinlich gar nicht auseinanderhalten.
Besonders gut nachvollziehen lassen sich diese Unterschiede in Spielen mit einer aufwendigen Klangkulisse. Titel wie Escape from Tarkov, Hunt: Showdown, Counter-Strike 2, Hell Let Loose oder Ready or Not bieten eine hervorragende räumliche Audiokulisse. Mit einem hochwertigen Kopfhörer und einem guten DAC können feine Details wie entfernte Schritte, das Nachhallen von Schüssen oder die Position von Gegnern teilweise klarer und präziser wahrgenommen werden. Die größten Unterschiede macht dabei allerdings nach wie vor der Kopfhörer selbst.
Seid ihr keine Audiophilen und nur auf der Suche nach einem guten DAC, der das Beste aus euren Kopfhörern herausholt, seid ihr je nach Kopfhörer im Preisbereich von etwa 120 bis 300 Euro bereits sehr gut aufgehoben.
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Solltet ihr über die Anschaffung einer besseren Audiolösung nachdenken, behaltet immer im Hinterkopf, dass ein guter DAC den Klang verfeinern kann. Die wichtigste Investition für guten Klang bleibt aber immer der Kopfhörer.
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