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Artikel von René Nikel +
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Gaming-Headset oder Studio-Kopfhörer? Ich bin mir sicher, dass sich viele von euch genau diese Frage schon einmal gestellt haben. Ich habe im Laufe der Jahre unzählige Gaming-Headsets getestet und auch viele verschiedene Studio-Kopfhörer ausprobiert. Deshalb möchte ich in diesem Artikel gemeinsam mit euch die Unterschiede sowie die Vor- und Nachteile beider Lösungen unter die Lupe nehmen.

Gleich zu Beginn möchte ich sagen, dass ich bei den Studio-Kopfhörern hauptsächlich auf Beyerdynamic eingehe. Das hat einfach den Grund, dass ich seit Jahrzehnten Beyerdynamic Kopfhörer verwende. Natürlich gibt es aber auch hochwertige Studio-Kopfhörer von anderen Herstellern wie AKG, Sennheiser oder Audio-Technica.

Gaming Headset

Die Vorteile von Gaming-Headsets sind einfach, dass sie eine All in One Lösung darstellen. Sie bringen einfach alles Nötige für einen unkomplizierten Gamingspaß gleich mit. Solche Kopfhörer haben ein integriertes Mikrofon und manche verfügen sogar über einen integrierten DAC oder Kopfhörerverstärker sowie eine Mute-Taste und einen Lautstärkeregler. Dazu kommt noch, dass selbst Premium Gaming-Headsets in der Regel deutlich günstiger sind als ein Studio-Kopfhörer mit einem separaten Mikrofon.

Was den Komfort betrifft, kommt es sehr auf das jeweilige Modell an. Laut meiner Erfahrung sind Studio-Kopfhörer jedoch meist angenehmer zu tragen. Für diejenigen unter euch, die Wert auf eine farbenfrohe RGB-Beleuchtung legen. Wie zum Beispiel das Razer Kraken eine hat, führt an einem Gaming-Headset kein Weg vorbei. Wenn es um die klangliche Abstimmung geht, sind Gaming-Headsets meist etwas wärmer abgestimmt und bieten einen kräftigeren Bass.

Insgesamt lässt sich sagen, dass Gaming-Headsets im Allgemeinen unkomplizierter und kostengünstiger sind.

Beyerdynamic MMX 300 Gen 2

Beyerdynamic MMX 300 – Bild: René Nikel

Studio Kopfhörer

Studio-Kopfhörer gibt es bereits ab rund 150 Euro. Nach oben sind bei einigen Sondermodellen preislich aber kaum Grenzen gesetzt. Ich hatte den Beyerdynamic DT 770, den DT 880 Edition, den DT 990, den T90, sowie aktuell den DT 1990 Pro. Somit kann ich die Unterschiede zwischen den verschiedenen Preisklassen von rund 150 bis knapp 550 Euro gut aufzeigen.

Studio-Kopfhörer im Preisbereich bis rund 250 Euro bieten bereits einen sehr guten Klang und eine bessere Detailauflösung als die meisten Gaming-Headsets. Ich schreibe hier absichtlich von den meisten, denn das MMX 300, MMX 330 oder auch das Audeze Maxwell kommen klanglich schon sehr nahe an einen DT 770 oder DT 990 heran. Der große Unterschied, selbst bei einem günstigeren DT 990 oder DT 880, liegt jedoch in der ausgewogeneren Klangabstimmung. Zwar besitzen auch diese den typischen Beyerdynamic Charakter, klingen insgesamt aber neutraler als das MMX 300, MMX 330 oder das Audeze Maxwell. Das macht sich vor allem bei der Detailwiedergabe, der Räumlichkeit und der Ortung bemerkbar. Wobei es hier auch darauf ankommt, ob es sich um einen offenen oder geschlossenen Kopfhörer handelt.

Das soll natürlich nicht bedeuten, dass beispielsweise ein SteelSeries Arctis, ein Astro A50 oder ein Razer BlackShark schlecht wären, aber klanglich würde ich sie eher unterhalb eines DT 770 oder DT 990 einordnen.

Beyerdynamic DT 880 Edition

Beyerdynamic DT 880 Edition – Bild: René Nikel

Lohnt sich ein teurer Studio-Kopfhörer?

Was unterscheidet jetzt einen Studio-Kopfhörer um rund 150 Euro von einem um rund 550 Euro? Aus meiner Erfahrung sind es vor allem die kleinen Details. Schon ein Studio-Kopfhörer für rund 150 Euro klingt hervorragend. Mit steigender Preisklasse werden aber die Detailauflösung, die Räumlichkeit und die Ortung immer besser. Geräusche wirken natürlicher und einzelne Klangquellen lassen sich leichter voneinander unterscheiden. Das ist kein Unterschied, der einem sofort ins Ohr springt. Wer jedoch einmal längere Zeit mit einem hochwertigen Modell wie einem DT 1990 Pro gespielt oder Musik gehört hat, merkt den Unterschied beim Wechsel auf ein günstigeres Modell recht schnell. Ob sich die Mehrkosten hier allerdings auszahlen, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Bei einem DT 770, DT 880 oder DT 990 denke ich mir beim Hören, der Klang ist wirklich ordentlich. Wechsle ich allerdings auf einen T90 oder DT 1990 Pro, gibt es im ersten Moment mit einem guten DAC schon einen kleinen WOW-Effekt. Wobei das nicht nur vom Preis, sondern auch von der Abstimmung abhängt. Mir persönlich gefällt die Abstimmung des T1 zum Beispiel überhaupt nicht und ich würde jederzeit einen T90 oder DT 1990 bevorzugen. Also ja, ein teurer Studio-Kopfhörer mit einem hochwertigen DAC lohnt sich definitiv und der Unterschied ist auch hörbar. Meiner Meinung nach ist der gravierende Preisunterschied im Vergleich zu einem aktuellen DT 900 Pro X aber nicht gerechtfertigt.

Was lässt sich jetzt daraus schließen? Ganz einfach. Ein Studio-Kopfhörer ist in erster Linie auf Komfort und Klang ausgelegt und verzichtet auf zusätzliche Features, wie sie die meisten Gaming-Headsets mitbringen.

Beyerdynamic DT 1990 Pro

Beyerdynamic DT 1990 – Bild: René Nikel

Langlebigkeit

Bei der Langlebigkeit haben meist die Studio-Kopfhörer die Nase vorn. Das hat nicht nur mit der Verarbeitungsqualität zu tun, sondern auch damit, dass die meisten Hersteller so gut wie jedes einzelne Teil als Ersatz anbieten. Sollte euch bei einem Studio-Kopfhörer einmal etwas kaputtgehen oder einfach verschleißen, könnt ihr euch relativ sicher sein, dass es das entsprechende Ersatzteil zum Nachkaufen gibt.

Bei einigen Gaming-Headsets wie dem MMX gibt es ebenfalls viele Ersatzteile, bei den meisten Modellen ist das allerdings leider nicht der Fall. Außerdem werdet ihr bei Studio-Kopfhörern nur selten Bügel aus Kunststoff finden. Gaming-Headsets hingegen setzen häufig darauf und diese können bei normaler Nutzung mit der Zeit eher brechen als die meist robusteren Bügel bei Studio-Kopfhörer.

Tragekomfort

Der Tragekomfort ist ein Punkt, den viele unterschätzen. Spielt ihr nur eine Stunde am Stück, werdet ihr zwischen den meisten Kopfhörern kaum einen Unterschied merken. Anders sieht es aber aus, wenn ihr mehrere Stunden in Spielen wie Cyberpunk 2077, Kingdom Come Deliverance 2, Baldur’s Gate 3, World of Warcraft oder Diablo verbringt.

Aus meiner Erfahrung sind Studio-Kopfhörer hier meist angenehmer zu tragen. Das liegt zum einen an den häufig verwendeten Velours-Polstern. Zum anderen sitzen viele Studio-Kopfhörer auch nach mehreren Stunden noch einfach sehr bequem auf dem Kopf.

Gaming-Headsets setzen hingegen oft auf Kunstleder. Das hat zwar den Vorteil, dass Außengeräusche besser abgeschirmt werden und der Bass meist etwas kräftiger wirkt, dafür werden die Ohren nach längeren Gaming-Sessions aber häufig schneller warm. Außerdem ist der Anpressdruck bei vielen Gaming-Headsets etwas höher.

Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Am Ende kommt es immer auf das jeweilige Modell und eure persönlichen Vorlieben an.

Ist ein DAC oder Kopfhörerverstärker notwenig?

Die kurze Antwort lautet Nein. Viele Studio-Kopfhörer funktionieren problemlos direkt am PC, Notebook oder Smartphone. Besonders Modelle mit einer niedrigen Impedanz benötigen oft keinen zusätzlichen Kopfhörerverstärker.

Ein DAC (Digital Analog Converter) wandelt das digitale Audiosignal eures PCs oder Smartphones in ein analoges Signal um, das der Kopfhörer wiedergeben kann. Ein Kopfhörerverstärker sorgt anschließend dafür, dass dieses Signal mit ausreichend Leistung an den Kopfhörer weitergegeben wird. Die meisten am Markt erhältlichen Geräte vereinen allerdings beide Funktionen in einem Gehäuse. Deshalb wird häufig einfach nur von einem DAC gesprochen.

Ein hochwertiger DAC kann aber auch bei niederohmigen Studio-Kopfhörern für einen saubereren Klang, mehr Dynamik und eine bessere Detailauflösung sorgen. Kopfhörer mit beispielsweise 600 Ohm profitieren zusätzlich von der höheren Ausgangsleistung. Vereinfacht gesagt können sie dadurch lauter spielen und ihr klangliches Potenzial besser entfalten.

Meine Empfehlung lautet daher: Nutzt ihr einen Studio-Kopfhörer im Bereich von 32 bis 80 Ohm, könnt ihr ihn zunächst problemlos direkt am PC verwenden. Möchtet ihr später noch etwas mehr Klangqualität herausholen oder verwendet ihr hochohmige Kopfhörer, lohnt sich die Anschaffung eines guten DACs auf jeden Fall. Als kleine Orientierung kann ich den FiiO K7 oder den Topping DX3 Pro+ bedenkenlos empfehlen. Natürlich gibt es auch deutlich teurere Geräte, diese beiden bieten aber bereits ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Solltet ihr aber etwas mit Mikrofoneingang und zusätzlichen Gaming-Features suchen, sind die Sound Blaster G6 oder auch die X5 durchaus eine Überlegung wert. Ein reiner DAC bietet zwar meist die bessere Klangqualität, dafür bringen die beiden Modelle einige praktische Gaming-Features mit.

Creative Sound BlasterX G5

Creative Sound BlasterX G5 – Bild: René Nikel

Geschlossener oder offener Kopfhörer?

Hier scheiden sich die Geister. Die einen bevorzugen geschlossene, die anderen offene Kopfhörer. Deshalb werde ich hier nur kurz die Unterschiede aufzeigen, ohne dabei zu sagen, was besser ist. Das ist nämlich individuell und kommt ganz auf euch an.

Geschlossene Kopfhörer schirmen euch von der Außenwelt ab und ihr nehmt eure Umgebung so gut wie nicht mehr wahr. Außerdem haben diese Kopfhörer meist einen druckvolleren Klang und sind oft bassbetonter. Offene Kopfhörer bieten hingegen einen luftigeren Klang, eine breitere Bühne und eine bessere Ortung. Was für manche von euch ebenfalls wichtig sein könnte, bei einem offenen Kopfhörer hören die Leute in eurer Umgebung mit, bei einem geschlossenen hingegen nicht.

Was nun besser ist oder für mehr Immersion sorgt, bleibt dahingestellt. Denn was für mehr Immersion sorgt, hängt ganz davon ab, welche Anforderungen ihr an einen Kopfhörer stellt. Möchtet ihr, dass euch bei Call of Duty oder Battlefield die Kugeln nur so um die Ohren wummern und Granateneinschläge mit einem tiefen Bass spürbar sind, würde ich eher zu einem geschlossenen Kopfhörer tendieren.

Sucht ihr hingegen einen Klang, der groß und offen wirkt und bei dem ihr euch mehrfach fragt, ob das Geräusch gerade aus dem Kopfhörer oder aus eurer Umgebung gekommen ist, dann sind offene Kopfhörer wahrscheinlich die bessere Wahl. Bei Horrorspielen wie Resident Evil, Silent Hill oder Alien Isolation kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass offene Kopfhörer den Gruselfaktor noch einmal deutlich erhöhen. Welcher Typ am Ende besser zu euch passt, hängt aber ganz von eurem persönlichen Geschmack ab.

Ich für meinen Teil mag beide sehr gerne, wobei mir zum Gaming offene Kopfhörer ehrlich gesagt lieber sind.

Beyerdynamic DT 1990 Pro, DT 880 Edition und MMX 300 Gen 2

Beyerdynamic DT 1990, DT 880 und MMX 300 – Bild: René Nikel

 

Welches Mikrofon passt zu einem Studio-Kopfhörer?

Diese Frage habe ich nicht nur einmal beantwortet und meine Antwort darauf ist eigentlich jedes Mal das Antlion ModMic. Ich kenne das ModMic seit der ersten Version und es gibt nur wenige Ansteckmikrofone, die in Bezug auf die Klangqualität mit dem ModMic mithalten können.

Natürlich gibt es Großmembranmikrofone, die eine noch bessere Sprachqualität bieten. Der Nachteil ist allerdings, dass ihr dafür eine möglichst ruhige Umgebung benötigt. Solche Mikrofone nehmen nämlich so gut wie jedes Geräusch im Hintergrund auf. Das ModMic hingegen bietet eine sehr gute Rauschunterdrückung, einen Mute Button und ist in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Es gibt eine kabellose Version, eine USB-Version und eine Variante mit 3,5 mm Klinkenstecker.

RØDE NT1 mit Popschutz – Bild: Nikel René

Was ist die bessere Wahl?

Für diejenigen unter euch, die wirklich bis zum Schluss drangeblieben sind, ist diese Frage natürlich eine der wichtigsten. Da sie euch eine Richtung gibt, was ihr euch als Nächstes kaufen solltet. Ich kann hier aber keine eindeutige Entscheidung abgeben, da es auf mehrere Faktoren ankommt, wie zum Beispiel auf das verfügbare Budget. Denn selbst mit einem günstigeren Studio-Kopfhörer und einem ModMic seid ihr schnell bei rund 300 Euro. Wenn ihr dann noch einen halbwegs guten DAC dazu wollt, kommt ihr schnell auf rund 400 oder 500 Euro. Ein Gaming-Headset ist da schon deutlich günstiger und ihr braucht euch keinen Kopf über ein extra Mikrofon, einen DAC oder sonstiges zu machen.

Ich persönlich würde nicht mehr auf ein Gaming-Headset setzen wollen und wenn ich mir eines zulegen müsste, würde ich mich für das neue MMX 300 Pro oder MMX 330 Pro entscheiden. Da spielen zum einen meine Vorliebe für Beyer Kopfhörer eine Rolle, sowie auch, dass ich hochwertige Studio-Kopfhörer die letzten Jahre einfach gewohnt bin. Von solchen auf ein Gaming-Headset zurückzugehen, fällt sehr schwer. Ich bin mir aber auch sicher, dass vielen von euch der neutralere Klang eines Studio-Kopfhörers gar nicht gefallen wird. Gerade wenn ihr seit Jahren ein Gaming-Headset gewohnt seid. Das soll nicht heißen, dass ein Studio-Kopfhörer keinen Bass mitbringt, denn das tut er eindeutig. Er ist aber eben nicht so präsent und dröhnend abgestimmt wie bei vielen Gaming-Headsets.

Solltet ihr das Budget zur Verfügung haben, geht meine Empfehlung aufgrund meiner Erfahrungen eher in Richtung Studio-Kopfhörer mit einem extra ModMic. Solltet ihr aber einen sehr warmen Klang mit kräftigem Bass suchen, wäre eventuell ein Gaming-Headset die bessere Wahl. Natürlich könnt ihr die Abstimmung mit einem EQ verändern. Aus einem neutral abgestimmten Studio-Kopfhörer wird dadurch aber trotzdem kein bassbetontes Gaming-Headset und umgekehrt.

Meine abschließenden Gedanken

Ich habe versucht, euch die Unterschiede so kurz wie möglich näherzubringen, ohne dabei zu sehr ins technische Detail zu gehen. Leider ist das aber ein sehr umfangreiches Thema, zu dem ich noch mehrere Absätze hinzufügen könnte. Letztendlich gibt es hier aber kein richtig oder falsch. Jeder von uns nimmt Klang ein wenig anders wahr und genau das macht die Wahl des richtigen Kopfhörers so individuell. Am Ende ist es völlig egal, ob Studio-Kopfhörer oder Gaming-Headset. Entscheidend ist nur, welcher Kopfhörer euch jedes Mal aufs Neue ein Grinsen ins Gesicht zaubert, sobald das Spiel startet.

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