Sterben die „AA Games“ aus wie die Dinosaurier? – „The Last of Us“-Designer warnt eindringlich davor
Del Walker, Designer von The Last of Us Part 2, warnt vor dem Aussterben der AA Games. Steht die Mitte der Gaming-Branche vor dem Kollaps?
Markus Bauer Markus spielt Videospiele, seit er denken kann, und schreibt seit über 25 Jahren über Gaming. Am PC liebt er Ego-Shooter und Echtzeit-Strategie, auf Konsolen vor allem Action-Adventures und Rennspiele. Mit seinen Kindern zockt er auch gerne Minecraft und Rocket League. Seit Jahrzehnten baut Markus seine PCs selbst – immer mit Blick auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Sein aktueller PC: ein Big Tower, damit auch moderne Grafikkarten bequem Platz finden.
AAA boomt, Indie glänzt, aber wer rettet die Mitte? Verschwindet das Herzstück der Spieleindustrie gerade tatsächlich? Während AAA-Blockbuster immer teurer werden und Indie-Hits regelmäßig für Überraschungen sorgen, geraten die sogenannten „AA Games“ zunehmend unter Druck. Genau davor warnt nun Del Walker, der als Künstler unter anderem an The Last of Us Part 2 und Star Wars Jedi: Survivor mitgewirkt hat. Seine Botschaft ist klar: Die Branche droht ihre kreative Mitte zu verlieren.
Walker argumentiert, dass Investitionen in Spiele zwar weiterhin vorhanden sind, die Einstiegssumme jedoch explodiert ist. Während ein Titel wie GTA 3 einst rund fünf Millionen US-Dollar kostete, gelten heute selbst 100 Millionen US-Dollar kaum noch als ausreichend für ein modernes AAA-Projekt. Das kommende GTA 6 soll angeblich fast 2 Milliarden US-Dollar bisher verschlungen haben, alleine 300 Millionen US-Dollar für Wasser-Effekte. Absurde Zahlen. Zwar nicht bestätigt, aber sie geben zu denken! Sie wirken plausibel. Aber was ist mit alles dazwischen? Zwischen Indie- und AAA(AA)-Titel? Publisher seien immer weniger bereit, solche Summen in Spiele zu stecken, die keine realistische Chance hätten, als „gigantische Live-Service-Maschine“ zu funktionieren.
Weniger Risiko, weniger neue Ideen?
Was bedeutet das für uns Spieler? Walker zeichnet ein düsteres Bild in seinem X.com-Beitrag: Weniger Rennspiele, weniger Extremsporttitel, weniger experimentelle Konzepte. Stattdessen dominieren Sequels, etablierte Marken und auf Langzeitbindung ausgelegte Service-Games mit Skins, Seasons und Battle Pass. Kreative, leidenschaftliche Zwei- oder Drei-Jahres-Projekte kleinerer bis mittlerer Teams könnten es künftig deutlich schwerer haben, Finanzierung zu bekommen.
Seine Einschätzung: „Oben wird alles größer und aufgeblähter, unten ist es chaotisch und laut und die Mitte stirbt.“ Tatsächlich lässt sich dieser Trend beobachten. Große AAA-Reihen wie Assassin’s Creed oder Final Fantasy (oder das angesprochene GTA 6) dominieren Marketing und Schlagzeilen. Gleichzeitig feiern Indie-Spiele auf Events wie den The Game Awards enorme Erfolge und gewinnen Millionen Fans. Dazwischen bleibt für mittelgroße Produktionen oft wenig Raum zur Sichtbarkeit.
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Eine große offene Welt fast in Echtzeit und Realität. Grand Theft Auto 6 (GTA 6) wird wohl das Maß aller Dinge, aber wie viele Games wird es davon geben? – Bild: Rockstar Games
Gibt es noch Hoffnung für die Mitte, die „AA Games“?
Ganz so hoffnungslos ist die Lage allerdings nicht. Titel wie Clair Obscur: Expedition 33 oder der kommende Gothic Remake zeigen, dass es weiterhin ambitionierte Projekte mit mittlerem Budget gibt. Diese Spiele setzen nicht auf Milliardenbudgets, sondern auf klare Visionen und fokussierte Entwicklung. Doch die entscheidende Frage bleibt: Reicht das langfristig? Die Entwicklungskosten steigen weiter. Technische Erwartungen wachsen. Spieler fordern viele Frames pro Sekunde, Raytracing und riesige Open Worlds. Gleichzeitig wollen Publisher Sicherheit und planbare Einnahmen. In diesem Spannungsfeld haben riskantere AA-Projekte einen schweren Stand.
Vielleicht erleben wir keinen kompletten Tod des AA-Segments, sondern eine Transformation. Mittelgroße Studios könnten stärker auf digitale Vertriebsmodelle, flexible Entwicklungszyklen und klar definierte Zielgruppen setzen. Auch Kooperationen mit Plattformbetreibern oder Abo-Diensten könnten neue Wege eröffnen. Doch Walkers Warnung sollte man ernst nehmen. Wenn kreative Experimente nur noch im Indie-Bereich stattfinden und AAA-Games immer risikoscheuer werden, droht eine Verengung der Vielfalt.
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