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Artikel von Klaus Kainz +
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Es ist schon eine Weile her, dass ein richtig großes Vampir-Rollenspiel erschienen ist. Genau hier setzt The Blood of Dawnwalker an. Das neue RPG von Rebel Wolves kommt nicht von irgendeinem Studio, sondern von ehemaligen Entwicklern, die früher maßgeblich an The Witcher 3 beteiligt waren.

Wir durften The Blood of Dawnwalker bereits anspielen und mit Ariana Siarkiewicz sprechen, Autorin bei Rebel Wolves. Auf den ersten Blick erinnert das düstere Rollenspiel natürlich an The Witcher. Große Welt, schwere Entscheidungen, Monster, Dialoge und ein Held, der zwischen verschiedenen Seiten steht. Doch spielerisch will The Blood of Dawnwalker einen eigenen Weg gehen.

Im Mittelpunkt steht Coen, ein Halbvampir, der nur 30 Tage Zeit hat, um seine Familie vor Untoten zu retten. Genau dieser Zeitdruck ist eines der wichtigsten Elemente des Spiels.

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Die erste Idee war, dass wir ein Gefühl der Dringlichkeit schaffen wollten, das uns in einigen anderen Spielen gefehlt hat. Wir wollen, dass man das Gefühl hat, die Welt wartet nicht auf einen. Darauf bauen wir dann alles auf – sowohl die Gestaltung der Quests als auch das Gameplay“, erklärt Siarkiewicz im Interview.

The Blood of Dawnwalker will Druck machen, aber keinen Stress

Das klingt im ersten Moment nach Stress. 30 Tage, eine Familie in Gefahr, Vampire im Nacken. Aber The Blood of Dawnwalker soll kein Spiel werden, bei dem permanent eine Uhr im Kopf tickt. Einen klassischen Timer gibt es nicht.

Ein Tag besteht aus acht Zeiteinheiten. Bestimmte Quests verbrauchen eine oder mehrere dieser Einheiten. Dadurch entsteht Druck, aber kein hektisches Wettrennen gegen die Zeit. Spieler sollen selbst entscheiden können, welche Aufgaben wichtig sind, welche sie ignorieren und welchen Weg sie durch diese düstere Welt nehmen.

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The Blood of Dawnwalker, Screenshot © Bandai Namco

The Blood of Dawnwalker, Screenshot © Bandai Namco

Du spielst das Spiel nach deinen eigenen Regeln. Du erschaffst deine eigenen Geschichten, du wählst aus, welche Quests du absolvieren möchtest und welche dich nicht interessieren – oder schlägst dann einen anderen Weg ein. Du kannst auch alles ignorieren und gehst direkt zum Ende.

Genau das macht das Konzept spannend. The Blood of Dawnwalker will nicht, dass du eine Checkliste abarbeitest. Es will, dass du Entscheidungen triffst und mit den Folgen lebst.

Du wirst nicht alles sehen können

Perfektionisten müssen jetzt stark sein. Wer in einem Durchgang alles sehen will, könnte mit The Blood of Dawnwalker an seine Grenzen stoßen. Das ist aber Absicht.

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In Rollenspielen mit Verzweigungen – bei Quests, bei Dialogen –, wird man nie alles sehen. Es sei denn, man speichert und lädt den Spielstand neu. Das ist auch in Blood of Dawnwalker möglich. Außerdem hoffen wir, dass das Eintauchen in die Story durch dieses System – bei dem sich die Welt aktiv mit einem mitbewegt –, das Gefühl, etwas zu verpassen, ausgleicht.

Das bedeutet auch: Es gibt mehrere Enden. Je nachdem, wie du Coens 30 Tage nutzt, verändert sich der Verlauf der Geschichte. Wer nicht sofort zum Finale rast, soll für einen Durchgang ungefähr 50 Stunden einplanen können.

The Blood of Dawnwalker, Lore © Bandai Namco

The Blood of Dawnwalker, Lore © Bandai Namco

Siarkiewicz vergleicht dieses Gefühl mit The Elder Scrolls IV: Oblivion. Dort habe die Hauptquest für sie im Grunde gar nicht existiert, weil sie sich lieber in der Welt verloren habe.

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Ich hatte kein Interesse daran und hatte trotzdem unglaublich viel Spaß.

Genau dieses Gefühl soll The Blood of Dawnwalker ebenfalls erzeugen: nicht einfach nur einer Hauptgeschichte folgen, sondern eigene Prioritäten setzen.

Coen ist kein leerer Charakter

Trotz aller Freiheit ist Coen kein komplett frei formbarer Held. Er ist eine feste Figur mit eigener Geschichte. Deshalb kann er nicht einfach zu allem werden, was der Spieler gerade möchte.

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Er kann nicht plötzlich zum mörderischen Psychopathen werden“, sagt Siarkiewicz. Trotzdem soll man ihn sehr unterschiedlich spielen können.

Wichtig ist dabei: Rebel Wolves will kein System einbauen, das Spieler hart bestraft, weil sie zuvor bestimmte Entscheidungen getroffen haben. Wer einen dunkleren Weg geht, soll später trotzdem eine andere Richtung einschlagen können.

Wir haben kein System eingeführt, das Wahlmöglichkeiten versperrt, weil du etwa 20 Leute gefressen hast und nun nicht mehr mit ihnen reden kannst. Nein. Wenn du eine Geschichte der Läuterung spielen möchtest, dann stell dir das so vor. Wir möchten, dass die Spieler das Gefühl haben, Coen zu sein.

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Das klingt nach einem guten Mittelweg. Coen ist kein komplett leerer Avatar, aber auch kein starrer Held, der immer nur eine Richtung zulässt.

Die Welt von The Blood of Dawnwalker bleibt düster

Die Geschichte spielt in einer fiktiven Version der Karpaten. Neben Vampiren tauchen dort auch andere Kreaturen auf, darunter riesige Ziegenmenschen. Das klingt im ersten Moment wild, soll aber nicht einfach zufällig zusammengeworfen sein.

Es ist ein großes, altes Durcheinander aus Ideen und gemischten Konzepten“, sagt Siarkiewicz. Gleichzeitig betont sie, dass die Kreaturen und Ideen nicht aus dem Nichts kommen. Viele hätten Wurzeln in der Folklore. Auch historische Bezüge, etwa zur Pest, spielen eine Rolle.

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Es gibt auch Schriften oder Geschichten über einige der Figuren, die mit realen Ereignissen und realen Personen in Verbindung stehen.

The Blood of Dawnwalker will also keine reine Fantasy-Welt bauen, sondern Horror, Geschichte, Folklore und Rollenspiel miteinander verbinden.

The Blood of Dawnwalker, Bild © Bandai Namco

The Blood of Dawnwalker, Bild © Bandai Namco

Vampire sollen wieder gefährlich wirken

Besonders interessant ist der Umgang mit Vampiren. In vielen modernen Geschichten sind Vampire romantische Figuren, tragische Antihelden oder elegante Unsterbliche. Rebel Wolves will wieder stärker zurück zu einer älteren, bedrohlicheren Darstellung.

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Wir wollten wieder stärker auf die Nosferatu-Regeln zurückkommen, bei denen die Vampire irgendwie furchteinflößend sind. Obwohl man mit ihnen sprechen kann – was sie menschlicher macht als rein monströse Vampire –, wollten wir doch wieder zu den Zeiten zurückkehren, als es eher ein Horror-Genre war.

Ganz zum Horrorspiel soll The Blood of Dawnwalker aber nicht werden. Es bleibt ein Rollenspiel mit düsterer Stimmung, aber kein reines Schockerlebnis.

Obwohl das Spiel im Horror-Genre angesiedelt ist, wird es aber nicht allzu sehr erschrecken.

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Das klingt nach einer guten Entscheidung. The Blood of Dawnwalker muss nicht permanent erschrecken. Es muss eine Welt bauen, in der Vampire wieder gefährlich, fremd und unberechenbar wirken.

Unser Eindruck: Das könnte mehr werden als ein Witcher-Ersatz

Natürlich wird The Blood of Dawnwalker ständig mit The Witcher 3 verglichen werden. Das lässt sich bei diesem Team kaum vermeiden. Aber nach dem Anspielen und dem Gespräch mit Ariana Siarkiewicz wirkt das Spiel nicht wie ein einfacher Versuch, den Hexer mit Vampiren zu kopieren.

Das 30-Tage-System, die Zeiteinheiten, die narrative Sandbox und der Fokus auf Konsequenzen könnten The Blood of Dawnwalker eine eigene Identität geben. Besonders spannend wird sein, ob Rebel Wolves die Balance hält: genug Druck, damit Entscheidungen wichtig wirken, aber nicht so viel Druck, dass Spieler nur noch effizient planen.

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Wenn das gelingt, könnte The Blood of Dawnwalker eines der spannendsten Rollenspiele für alle werden, die wieder Lust auf düstere Fantasy, starke Entscheidungen und gefährliche Vampire haben.

The Blood of Dawnwalker erscheint am 3. September für PS5, Xbox Series X/S und PC.

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