Sony wollte Kojimas neues „Metal Gear“-Spiel stoppen – jetzt wissen wir warum
PHYSINT wechselte überraschend von PlayStation zu Xbox. Ein neuer Bericht nennt hohe Kosten, verpasste Termine und enttäuschende Death-Stranding-Umsätze.
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Markus Bauer Markus spielt Videospiele, seit er denken kann, und schreibt seit über 25 Jahren über Gaming. Am PC liebt er Ego-Shooter und Echtzeit-Strategie, auf Konsolen vor allem Action-Adventures und Rennspiele. Mit seinen Kindern zockt er auch gerne Minecraft und Rocket League. Seit Jahrzehnten baut Markus seine PCs selbst – immer mit Blick auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Sein aktueller PC: ein Big Tower, damit auch moderne Grafikkarten bequem Platz finden.
Der geistige „Metal Gear“-Nachfolger PHYSINT sollte eines der großen gemeinsamen Projekte von Hideo Kojima und PlayStation werden. Im Juni zog Sony allerdings überraschend den Stecker. Kojima Productions wollte das Spiel trotzdem nicht aufgeben und suchte drei Monate lang nach einem neuen Partner. Den hat das Studio jetzt gefunden: Xbox übernimmt PHYSINT.
Kojima schilderte den ungewöhnlichen Wechsel selbst. Mitte Juni habe sein Entwicklerstudio unerwartet die Mitteilung von PlayStation Studios erhalten, dass das laufende PHYSINT-Projekt beendet werde. Weil das Spiel für ihn und sein Studio wichtig sei, habe man anschließend intensiv nach einer neuen Lösung gesucht. Die fand Kojima bei Microsoft. In einer offiziellen Mitteilung von Kojima Productions bestätigt das Studio nun, dass die Entwicklung gemeinsam mit Xbox weitergeht.
- Das erwartet dich:
- Sony beschreibt die Trennung etwas anders
- Warum Sony bei PHYSINT tatsächlich ausgestiegen sein soll
- Auch Death Stranding soll Sony nicht überzeugt haben
- Sony setzt wieder stärker auf echte PlayStation-Exklusivität
- Xbox bekommt mit PHYSINT mehr als nur ein neues Spiel
- PHYSINT wurde ursprünglich als PlayStation-Projekt angekündigt
Sony beschreibt die Trennung etwas anders
PlayStation selbst wählt deutlich vorsichtigere Worte. Der offizielle X.com-Account von PlayStation schreibt dazu:
Nach sorgfältiger Abwägung haben wir die schwierige Entscheidung getroffen, die Zusammenarbeit mit KOJIMA PRODUCTIONS an seinem Projekt PHYSINT einzustellen. Wir hegen weiterhin große Bewunderung für Hideo Kojimas Vision für das Spiel. Unsere Beziehung bleibt stark nach drei Jahrzehnten wegweisender, genreprägender kreativer Zusammenarbeit, und wir freuen uns auf eine fortgesetzte enge Kooperation mit Hideo Kojima und seinem preisgekrönten unabhängigen Studio in der Zukunft.
Xbox-Chefin Asha Sharma bestätigt auf Xbox Wire, dass Microsoft PHYSINT nun gemeinsam mit Kojima Productions weiterentwickeln und veröffentlichen wird:
Kreative haben die Wahl, wo und wie sie ihre Ideen verwirklichen. Wir fühlen uns geehrt, dass Herr Kojima sich für XBOX entschieden hat, um gemeinsam mit KOJIMA PRODUCTIONS an PHYSINT zu arbeiten . Sein Bestreben, Konventionen in Frage zu stellen, spiegelt genau die Art von Kreativität wider, die wir bei XBOX fördern möchten.
Damit arbeitet Kojima inzwischen an gleich zwei Projekten mit Xbox. Neben PHYSINT entsteht weiterhin das Horrorspiel OD.
Spieleentwickler und Gründer von Kojima Productions, Hideo Kojima, sagte über den Plattform-Wechsel:
Dies erweitert unsere Beziehung zu XBOX über OD hinaus. Während wir die Entwicklung von PHYSINT vorantreiben , bleiben wir unserem Ziel treu, das Action-Spionage-Genre für Spieler auf der ganzen Welt neu zu definieren.
Warum Sony bei PHYSINT tatsächlich ausgestiegen sein soll
Update vom 11. September 2026:
Einen Tag nach der überraschenden Trennung gibt es nun deutlich mehr Informationen darüber, weshalb Sony PHYSINT offenbar nicht weiter finanzieren wollte. Laut einem neuen Bericht von Bloomberg spielten gleich mehrere wirtschaftliche Faktoren eine Rolle: das steigende Budget, Zweifel an der Rentabilität und die Frage, ob Sony für ein Spiel bezahlen möchte, das langfristig nicht exklusiv auf PlayStation bleibt.
Dem Bericht zufolge soll PHYSINT bereits mehrere interne Entwicklungsfristen verpasst haben. Gleichzeitig sei das Projekt auf dem Weg gewesen, das ursprünglich vorgesehene Budget deutlich zu überschreiten, obwohl die Veröffentlichung noch mehrere Jahre entfernt ist. Sony hätte damit möglicherweise weitere Hunderte Millionen Dollar investieren müssen, ohne eine dauerhafte Exklusivität für die eigene Plattform zu erhalten.
Auch Death Stranding soll Sony nicht überzeugt haben
Besonders interessant ist ein weiterer Punkt aus dem Bericht. Laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen hätten sowohl Death Stranding als auch Death Stranding 2 die Umsatzerwartungen von PlayStation nicht erfüllt. Konkrete interne Zielwerte nennt Bloomberg nicht. Beide Spiele erschienen zunächst zeitlich exklusiv für PlayStation, wurden später aber auf weitere Plattformen gebracht. Die Markenrechte verblieben bei Kojima Productions und nicht bei Sony. Für PlayStation bedeutete das: Sony beteiligte sich an Finanzierung und Vermarktung, konnte die Spiele langfristig aber nicht dauerhaft an die eigene Hardware binden.
Bei PHYSINT hätte sich dieses Modell offenbar wiederholt. Genau das soll bei Sony inzwischen deutlich kritischer gesehen werden.
Sony setzt wieder stärker auf echte PlayStation-Exklusivität
Die Entscheidung passt auch zu Sonys neuer Software-Strategie. PlayStation-Studios-Chef Hermen Hulst bestätigte 2026 intern, dass die großen narrativen Singleplayer-Spiele der eigenen Studios künftig wieder PlayStation-exklusiv bleiben sollen. Sony zieht sich damit von der bisherigen Strategie zurück, Spiele wie God of War, Horizon oder Spider-Man Jahre später auch für PC zu veröffentlichen.
Multiplayer- und Live-Service-Spiele sind davon nicht grundsätzlich betroffen. Bei großen Singleplayer-Produktionen möchte Sony den Wert der eigenen Konsolen offenbar wieder stärker durch exklusive Spiele absichern.
PHYSINT hätte nicht vollständig in dieses Modell gepasst. Kojima Productions ist ein unabhängiges Studio und besitzt seine eigenen Marken. Sony hätte also ein möglicherweise sehr teures AAA-Projekt finanziert, ohne sicherstellen zu können, dass das Spiel dauerhaft ausschließlich auf PlayStation erhältlich bleibt.
Xbox bekommt mit PHYSINT mehr als nur ein neues Spiel
Microsoft scheint dieses Problem anders zu bewerten. Xbox veröffentlicht seine eigenen Spiele ohnehin auch für PC und kann dadurch von Beginn an mit einem größeren Markt kalkulieren. Mit PHYSINT erweitert Microsoft außerdem eine bereits bestehende Zusammenarbeit mit Kojima, denn auch das Horrorspiel OD entsteht gemeinsam mit Xbox.
Die Partnerschaft geht sogar über Videospiele hinaus. Xbox bestätigte offiziell, dass Microsoft und Kojima Productions künftig auch bei Film- und Fernsehprojekten zusammenarbeiten wollen. Welche konkreten Produktionen daraus entstehen, wurde bislang allerdings nicht bekannt gegeben.
PHYSINT wurde ursprünglich als PlayStation-Projekt angekündigt
Genau das macht den Wechsel so ungewöhnlich. PHYSINT wurde Anfang 2024 während einer State of Play als neue Zusammenarbeit zwischen Kojima Productions und Sony Interactive Entertainment angekündigt. Kojima beschreibt das Spiel als neue Action-Espionage-Marke. Für viele Fans gilt es deshalb als geistiger Nachfolger von Metal Gear Solid, auch wenn PHYSINT natürlich keine Konami-Marke verwendet.
2025 zeigte Kojima Productions erste Artworks und bestätigte mit Charlee Fraser, Ma Dong-Seok und Minami Hamabe bereits drei Schauspieler für das Projekt. Die Entwicklung befindet sich weiterhin in einem frühen Stadium.
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Ursprünglich erschien dieser Artikel gestern. Nach dem Bloomberg-Bericht haben wir ihn inhaltlich erweitert.
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