Resident Evil Requiem wäre fast ein Online-Spiel geworden: Capcom erklärt, warum es scheiterte
Requiem wurde tatsächlich als Online-Spiel entwickelt. Interne Untersuchungen überzeugten Capcom nicht, deshalb rückte Horror wieder ins Zentrum.
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Markus Bauer Markus spielt Videospiele, seit er denken kann, und schreibt seit über 25 Jahren über Gaming. Am PC liebt er Ego-Shooter und Echtzeit-Strategie, auf Konsolen vor allem Action-Adventures und Rennspiele. Mit seinen Kindern zockt er auch gerne Minecraft und Rocket League. Seit Jahrzehnten baut Markus seine PCs selbst – immer mit Blick auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Sein aktueller PC: ein Big Tower, damit auch moderne Grafikkarten bequem Platz finden.
Resident Evil Requiem wurde während seiner Entwicklung tatsächlich als Online-Spiel aufgebaut, bevor Capcom den Ansatz wieder verwarf. Produzent Masachika Kawata erklärt in einem neuen Interview, dass Director Koshi Nakanishi mit der Online-Version bereits über reine Konzeptideen hinausgegangen war. Erst Untersuchungen während der Entwicklung hätten gezeigt, dass dieser Weg nicht überzeugte. Capcom entschied sich daraufhin, den Horror wieder klar in den Mittelpunkt zu stellen.
Die neuen Aussagen stammen aus dem Biohazard 30th Special Mook, einem japanischen Sondermagazin zum 30. Geburtstag der Reihe. Eine englische Fan-Übersetzung der Aussagen wurde unter anderem von Vice.com aufgegriffen. Kawata beschreibt die Entwicklung von Spielen darin als ständigen Prozess aus Versuchen und Veränderungen. Bei Requiem habe Nakanishi das Projekt zunächst sogar als Online-Spiel entwickelt. Die Ergebnisse der späteren Untersuchungen seien allerdings nicht zufriedenstellend gewesen.
Ganz neu ist die grundsätzliche Online-Vergangenheit allerdings nicht. Bereits früher hatte Capcom öffentlich eingeräumt, während der frühen Entwicklung mit Online- und Open-World-Ideen experimentiert zu haben. Damals zeigte das Studio sogar kurze Aufnahmen einer verworfenen Version. Neu ist jetzt vor allem, wie weit dieser Ansatz offenbar tatsächlich ging und warum Capcom ihn schließlich fallen ließ.
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Capcom entschied sich bewusst gegen die Online-Version
Der entscheidende Punkt ist deshalb weniger, dass irgendwann einmal Multiplayer-Ideen auf einem Whiteboard standen. Requiem wurde laut Kawata weit genug in diese Richtung entwickelt, dass Capcom die Ergebnisse bewerten konnte. Danach fiel die Entscheidung, die Online-Ausrichtung nicht weiterzuverfolgen und wieder stärker auf das zu setzen, was Resident Evil traditionell ausmacht: Isolation, begrenzte Ressourcen und Horror.
Damit bekommen auch ältere Insider-Berichte zumindest teilweise nachträglich mehr Gewicht. Der bekannte RE-Insider „Dusk Golem“ hatte bereits vor dem Release behauptet, dass ein früheres Resident Evil 9 deutlich stärker auf Multiplayer und eine offene Spielwelt ausgelegt gewesen sei. Bestätigt ist davon weiterhin nur der Online-Ansatz. Behauptungen über eine große Multiplayer-Welt, Jill Valentine, eine Insel als Schauplatz oder andere Details hat Capcom mit der neuen Aussage nicht bestätigt.
Das ist eine wichtige Trennung. Aus Kawatas Aussage lässt sich nicht automatisch ableiten, dass Requiem einmal ein klassisches „Live-Service-Spiel“ mit Battle Pass, PvP oder dauerhaftem Koop werden sollte. Wir wissen lediglich, dass eine Online-Version entwickelt wurde und Capcom nach eigenen Untersuchungen damit nicht zufrieden war.
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Auch Leon war für Capcom plötzlich ein Horror-Problem
Das Interview verrät gleichzeitig, warum die fertige Version zwischen zwei sehr unterschiedlichen Hauptfiguren wechselt. Leon S. Kennedy war zunächst der erste festgelegte Protagonist. Capcom kam während der Entwicklung allerdings zu dem Schluss, dass Horror mit Leon allein nur schwer funktionieren würde. Nach zahlreichen Einsätzen gegen Zombies, Parasiten und Biowaffen ist er schlicht zu kampferfahren.
Deshalb kam Grace Ashcroft hinzu. Sie gibt Requiem jene verletzlichere Seite, die Capcom mit Leon nicht mehr glaubwürdig erzeugen konnte. Im fertigen Spiel merkt man diesen Unterschied sofort. Grace besitzt deutlich weniger Möglichkeiten, Gegner einfach aus dem Weg zu räumen, während Leons Abschnitte wesentlich stärker auf Action setzen. Genau diese Mischung haben wir auch in unserem Test von Resident Evil Requiem als einen der auffälligsten Unterschiede zwischen den beiden Figuren beschrieben.
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Damit erklärt das neue Interview im Nachhinein ziemlich gut, warum Requiem teilweise wie zwei unterschiedliche „Resident Evil“-Spiele wirkt. Grace trägt den klassischen Survival-Horror, Leon liefert die deutlich offensivere Seite. Capcom versuchte also nicht mehr, einen einzigen Spielstil für beide Extreme passend zu machen.

Was stimmt nicht mit dir Leon? Resident Evil Requiem zeigte uns einen „anderen Leon“, als wir ihn bisher kannten. – Bild: Capcom
Die Entwicklung von Requiem wurde offenbar mehrfach umgebaut
Die Online-Version war nicht die einzige Idee, die während der langen Entwicklung verschwunden ist. Nach dem Release tauchten durch Datamining weitere Hinweise auf Systeme auf, die es nicht ins fertige Spiel geschafft hatten. Dazu gehörten unter anderem umfangreichere Ermittlungen, zusätzliche Interaktionen zwischen Leon und Grace sowie ein Karten-System, das beide Figuren gleichzeitig anzeigen sollte. Einen Überblick dazu findest du in unserem Artikel über die gestrichenen Inhalte von Resident Evil Requiem.
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Dass während einer jahrelangen Entwicklung Ideen ausprobiert und wieder verworfen werden, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Bei Requiem ist der Unterschied nur besonders groß. Aus einem Projekt mit Online- und Open-World-Experimenten wurde am Ende ein klar auf Einzelspieler ausgelegtes Resident Evil, das bewusst zwischen Survival-Horror und Action wechselt.
Die Entscheidung hat dem Spiel wirtschaftlich zumindest nicht geschadet. Resident Evil Requiem entwickelte sich nach seinem Release am 27. Februar 2026 zu einem der erfolgreichsten neuen Teile der Reihe und wurde auch von Kritikern stark aufgenommen. Zum Start erreichte Requiem einen Metascore von 88 Punkten.
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Im Rückblick ist deshalb weniger überraschend, dass Capcom während der Entwicklung mit Online-Funktionen experimentierte. Interessanter ist, dass das Studio sie nach eigenen Tests bewusst wieder entfernte. Das heutige Resident Evil Requiem ist nicht trotz dieser verworfenen Version entstanden, sondern offenbar gerade deshalb.
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