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Artikel von Markus Bauer +
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Kann ein Meisterwerk zu billig sein? Genau diese Frage beschäftigt gerade die Indie-Szene. Denn mit dem Release von Hollow Knight: Silksong überraschte Entwickler Team Cherry die Community mit einem Preis von unter 20 Euro. Spielerinnen und Spieler weltweit feiern diesen Schritt als fanfreundlich, doch viele Indie-Entwickler sehen das kritisch.

Der Grund: Silksong könnte neue, unrealistische Erwartungen setzen. Wenn ein riesiges Metroidvania-Epos für 19,50 Euro zu haben ist, wie sollen kleinere Studios ihre eigenen Titel noch fair bepreisen?

Hollow Knight: Silksong – Warum der Preis so polarisiert

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Geschenk: Ein hochgelobtes Spiel, das nach jahrelanger Entwicklung endlich erscheint, kostet weniger als die Hälfte vieler Indie-Hits und ein Bruchteil aktueller AAA-Titel. Während großangekündigte Marketing-Blockbuster inzwischen für 70 bis 80 Euro angeboten werden, liegt Silksong weit darunter.

Doch dieser „fanfreundliche“ Preis ist nicht ohne Nebenwirkungen. In den sozialen Meiden erklärten mehrere Entwickler, dass Team Cherry in einer einzigartigen Position sei. Das Studio konnte Silksong ohne klassisches Produktionsbudget entwickeln, da die Entwickler über Jahre hinweg unabhängig an ihrem Spiel arbeiteten. Für viele andere Studios, die Gehälter zahlen und Investoren bedienen müssen, wäre ein solcher Preispunkt schlicht nicht machbar.

Sogar „Software-Piraten“ kaufen Silksong

Eine besondere Wendung zeigt sich sogar in der Piraterie-Szene. Obwohl Silksong bereits raubkopiert wurde, vermutlich wegen des fehlenden DRM auf dem PC, sprachen sich viele Mitglieder des Subreddits r/Piracy dafür aus, das Spiel legal zu kaufen.

In einem viel beachteten Beitrag erklärten Nutzer:

  • „Das erste Spiel, das ich seit langem gekauft habe.“
  • „Team Cherry hat sich so gut geschlagen, dass sogar r/Piracy-Mitglieder ihr Spiel kaufen.“

Als Hauptgründe nannten die Spieler den niedrigen Preis und das Vertrauen in das kleine Entwicklerteam. Besonders hervorgehoben wurde, dass Team Cherry seine Fans respektiert: Die PC-Version ist DRM-frei, das Studio besteht nur aus wenigen Entwicklern, und Unterstützer des ersten Teils erhielten Silksong kostenlos auf ihrer Wunschplattform.

„Es ist ein drei- bis vierköpfiges Team, das seinen Fans in jeder Hinsicht gerecht wird. Wenn wir es uns leisten können, sollten wir sie unterstützen“, lautete ein Kommentar.

Stimmen aus der Indie-Szene

Die Diskussion begann mit einem Beitrag von RJ Lake, dem Regisseur des Rhythmusspiels Unbeatable. Lake sagte klar: „Silksong sollte 40 Dollar kosten und ich meine das nicht als Scherz.“ Er erklärte via Bluesky (Danke an IGN.com), dass Team Cherry zwar das Recht habe, seinen Preis frei festzulegen, die Signalwirkung auf den Markt jedoch problematisch sei. „Wenn genug Spieler denken, ein Spiel wie Silksong ist nur 20 Dollar wert, werden andere Indie-Spiele mit realen Budgets verdrängt,“ so Lake.

Andere Entwickler schlossen sich an:

  • Basti Games (Entwickler von Lone Fungus) fragte auf X.com (vormals Twitter), ob er sein Spiel günstiger anbieten müsse, da es kürzer als Silksong sei. Die Fans bestärkten ihn jedoch: „Dude, bleib bei 20 Dollar, du verdienst es.“
  • Zwi Zausch von Toukana Interactive (Macher von Dorfromantik) erklärte, dass auch ihr neues Projekt Star Birds vom Silksong-Preis beeinflusst werde. „Wir versuchen, nicht zu nah an Silksong zu liegen, weder beim Release noch beim Preis.“
Hollow Knight: Silksong ist schneller, härter und sieht noch besser aus, als sein Vorgänger. - Bild: Team Cherry

Hollow Knight: Silksong ist schneller, härter und sieht noch besser aus, als sein Vorgänger. – Bild: Team Cherry

Ein altes Problem, neu entfacht

Die Frage nach der richtigen Preisgestaltung begleitet die Indie-Szene schon seit Jahren. Kleine Studios stehen unter Druck, einen fairen Mittelweg zu finden: Einerseits müssen sie ihre Kosten decken, andererseits wollen sie konkurrenzfähig bleiben.

Viele Entwickler kalkulieren mit Preisen zwischen 15 und 30 Euro. Doch durch den Erfolg von Silksong könnte der Eindruck entstehen, dass ein „großes“ Indie-Spiel immer nur 19,50 Euro wert sei. Das erhöht den Druck auf kleinere Produktionen, die womöglich weniger Spielzeit, aber denselben Aufwand bei Entwicklung und Marketing haben.

Ein wesentlicher Punkt bei der Diskussion: Team Cherry ist eine Ausnahme. Das Studio konnte jahrelang unabhängig arbeiten und hatte durch den Erfolg des ersten Hollow Knight bereits eine solide Fanbasis. Andere Indies müssen oft von Anfang an Investorengelder einsetzen, Mitarbeiter bezahlen und Marketingkampagnen finanzieren. Und auch dann ist es nicht gewiss, dass sie den Erfolg von Cherry einfahren.

Mike Rose von No More Robots bringt es auf den Punkt: „Die Leute kaufen heute weniger Spiele. Wenn du teurer bist, ist es schwer, die Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber wenn du zu billig bist, gehst du pleite.“

Hollow Knight: Silksong für 19,50 Euro

Spielerinnen und Spieler feiern die Entwickler von Hollow Knight: Silksong natürlich, vor allem für seinen niedrigen Preis. Viele argumentieren, dass Team Cherry bewusst ein Signal an die Community setzen wolle: Spiele sollen zugänglich bleiben, nicht Luxusprodukte werden. Andere sehen darin eine Art Dankeschön an die Fans, die seit Jahren auf Silksong gewartet haben.

Der Hollow Knight: Silksong Preis ist ein zweischneidiges Schwert. Für Spieler ist er ein Traum, ein riesiges, liebevoll entwickeltes Spiel zum kleinen Preis. Für viele Indie-Studios dagegen ist er ein Albtraum, weil er die Erwartungshaltung verändern könnte. Ob Silksong damit zum Vorbild oder zur Bürde für die Indie-Szene wird, bleibt offen. Klar ist nur: Die Diskussion über faire Preise ist durch diesen Release aktueller denn je.

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