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Artikel von Eva Krumm +
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Silent Hill: Townfall soll noch in diesem Monat erscheinen und schlägt dabei für die traditionsreiche Horror-Reihe eine ungewöhnliche Richtung ein. Das Spiel von Screen Burn Interactive wird vollständig aus der Ego-Perspektive gespielt. Damit könnte der neue Ableger ein Erlebnis bieten, das unweigerlich Erinnerungen an Hideo Kojimas legendäres P.T. und das letztlich eingestellte Silent Hills weckt.

Ganz neu ist die Ego-Perspektive für die Reihe zwar nicht. Silent Hill 4: The Room verwendete sie in bestimmten Abschnitten und auch das Spin-off Silent Hill: The Short Message wurde aus der Ich-Perspektive gespielt. Townfall widmet jedoch das gesamte Spielerlebnis diesem Ansatz und unterscheidet sich damit deutlich von den klassischen Hauptteilen der Reihe.

Silent Hill: Townfall setzt vollständig auf First-Person-Horror

Der Wechsel der Perspektive könnte vor allem für die Inszenierung des Horrors entscheidend sein. Während eine Third-Person-Kamera einen gewissen Abstand zwischen Spieler und Spielfigur schafft, zwingt die Ego-Perspektive dazu, die Umgebung unmittelbar durch die Augen des Charakters wahrzunehmen.

Gerade für eine Reihe wie Silent Hill, die stark mit psychologischem Horror, verstörenden Umgebungen und einer bedrückenden Atmosphäre arbeitet, eröffnet das andere Möglichkeiten für die Inszenierung. Screen Burn Interactive kann Bedrohungen dadurch unmittelbar vor dem Spieler platzieren, ohne dass eine sichtbare Spielfigur Distanz zum Geschehen schafft.

Dass dieser Ansatz innerhalb der Reihe funktionieren kann, hat ausgerechnet ein Spiel gezeigt, das nie als vollständiges Silent Hill veröffentlicht wurde.

P.T. zeigte bereits 2014 das Potenzial der Ego-Perspektive

Im Jahr 2014 erschien im PlayStation Store plötzlich ein mysteriöses Horrorspiel namens P.T.. Als Entwickler wurde das bis dahin unbekannte 7780s Studio angegeben. Hinter dem Projekt verbargen sich jedoch Hideo Kojima und sein Team.

Spieler bewegten sich aus der Ego-Perspektive durch einen sich scheinbar endlos wiederholenden Korridor. Verstörende Erscheinungen, ein Fötus in einem Waschbecken und der Geist Lisa machten aus dem vermeintlich kleinen Horrorerlebnis eines der meistdiskutierten Spiele seiner Zeit.

Wer sämtliche Rätsel löste und das Ende erreichte, bekam schließlich den eigentlichen Zweck von P.T. zu sehen. Das Spiel war ein spielbarer Teaser für Silent Hills, ein neues Projekt unter der Leitung von Hideo Kojima.

Für das Spiel war Norman Reedus als Hauptdarsteller vorgesehen. Auch Filmemacher Guillermo del Toro sollte an dem Projekt beteiligt sein. Zur vollständigen Umsetzung kam es allerdings nie. Nach dem Zerwürfnis zwischen Kojima und Konami wurde Silent Hills eingestellt.

Wäre auch Silent Hills ein First-Person-Spiel geworden?

Welche Perspektive das vollständige Silent Hills letztlich verwendet hätte, wurde nie abschließend bestätigt. Aufgrund von P.T. liegt allerdings die Vermutung nahe, dass die Ego-Perspektive zumindest in irgendeiner Form eine Rolle gespielt hätte.

Genau deshalb erinnert die Ausrichtung von Silent Hill: Townfall an Kojimas damaliges Projekt. Mehr als zwölf Jahre nach P.T. bekommt die Reihe nun ein umfangreicheres Spiel, das vollständig auf First-Person-Horror setzt.

Ob sich Townfall tatsächlich von den damaligen Ideen inspirieren lässt, ist nicht bestätigt. Die Parallele zwischen den beiden Projekten ergibt sich in erster Linie aus der gewählten Perspektive und ihrer unmittelbaren Form des Horrors.

Hideo Kojima arbeitet mit OD wieder an First-Person-Horror

Kojima selbst hat sich unterdessen längst einem anderen Horrorprojekt zugewandt. Kojima Productions arbeitet derzeit an OD, das erneut auf eine Ego-Perspektive setzt.

Zum Cast gehören Sophia Lillis und Hunter Schafer. Auch der inzwischen verstorbene Schauspieler Udo Kier sollte ursprünglich Teil der Besetzung sein, verstarb jedoch, bevor die Dreharbeiten beginnen konnten. Darüber hinaus arbeitet Filmemacher Jordan Peele am Drehbuch mit.

Über die eigentliche Handlung und das Gameplay von OD ist bislang nur wenig bekannt. Kojima erklärte jedoch, dass der Name auf der Idee basiert, Spielern eine „Überdosis an Angst“ zu vermitteln. Das Projekt befindet sich weiterhin in Entwicklung und soll für Xbox erscheinen.

Damit verfolgt Kojima weiterhin einen Ansatz, den er bereits mit P.T. erprobt hatte. Wann mehr von OD gezeigt wird, ist bislang offen.

Townfall bricht mit der aktuellen Silent Hill-Formel

Der vollständige Wechsel zur Ego-Perspektive fällt auch deshalb auf, weil die jüngsten großen Veröffentlichungen der Reihe einen anderen Weg eingeschlagen haben. Sowohl das Silent Hill 2-Remake als auch Silent Hill f setzen auf eine Third-Person-Perspektive.

Mit Townfall wird dieser Ansatz nicht einfach fortgeführt. Stattdessen verändert Screen Burn Interactive die Perspektive und damit potenziell auch die Art, wie Spieler die Umgebung und Bedrohungen wahrnehmen.

Ein vergleichbarer Schritt gelang bereits einer anderen großen Horror-Reihe. Capcom wechselte mit Resident Evil 7 von der Third-Person-Perspektive vorheriger Hauptteile zu einer Ego-Ansicht. Auch Resident Evil Village setzte diesen Ansatz anschließend fort.

Der Wechsel veränderte die unmittelbare Wahrnehmung des Horrors, ohne zentrale Bestandteile der Reihe vollständig aufzugeben. Ob Silent Hill: Townfall ein ähnlicher Spagat gelingt, wird sich zeigen.

Auch das erste Silent Hill bekommt ein Remake

Parallel zu den neuen Projekten setzt Konami weiterhin auf die Vergangenheit der Reihe. Das Silent Hill 2-Remake war nicht die letzte Zusammenarbeit mit Bloober Team. Das Studio hinter Cronos: The New Dawn arbeitet bereits an einem Remake des ersten Silent Hill. Auch das letzte Jahr erschienene Silent Hill f, welches von NeoBards Entertainmant entwickelt wurde, konnte durchaus überzeugen.

Ob anschließend auch ein Remake von Silent Hill 3 folgen könnte, ist bislang nicht bekannt. Entsprechende Pläne wurden nicht angekündigt.

Damit verfolgt die Reihe derzeit unterschiedliche Ansätze. Während Bloober Team einen Klassiker neu auflegt, experimentiert Townfall mit einer Perspektive, die bei einem größeren Silent Hill-Erlebnis bislang nicht im Mittelpunkt stand.

Gerade deshalb dürfte Silent Hill: Townfall interessant werden. Statt die Formel von Silent Hill 2 und Silent Hill f einfach fortzuführen, setzt Screen Burn Interactive vollständig auf die Ego-Perspektive. Wie stark sich das auf Atmosphäre und Horror auswirkt und ob dabei tatsächlich Erinnerungen an P.T. aufkommen, zeigt sich noch in diesem Monat. Das Spiel erscheint am 24. September für Playstation 5, sowie auf PC via Steam und Epic Games.

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