JOKER – Filmkritik

JOKER sorgte für Gesprächsstoff, für jede Menge Staunen und Schlagzeilen von Menschen die das Kino verließen.

Artikel von
JOKER Movie (c) Warner Bros. Pictures

Derzeit auf Amazon Prime Video günstig auszuleihen oder zu kaufen, steht ein Film den man (meiner Meinung nach) gesehen haben muss. Als JOKER angekündigt wurde und mit nur ganz wenigen Bildern und Sounds die Fans neugierig machte, war es bereits klar, dass dieser Film auf meiner MUST SEE Liste landet. Aber dies mit einer gesunden Skepsis und natürlich schwang sofort ein bitterer Beigeschmack mit. Denn man ist verwöhnt von der Performance des verstorbenen Heath Ledger oder auch des legendären Jack Nicholson. Was also war zu erwarten von diesem Film mit Joaquin Phoenix? Bitte nicht noch ein Jared Leto… der erste Gedanke.

JOKER auf Amazon Prime Video (c) Amazon

JOKER auf Amazon Prime Video (c) Amazon

Die Handlung von JOKER ganz grob

Willkommen in Gotham City. Während uns zahlreiche Filme bereits in diese Stadt entführt haben, so ist es dieses Mal anders. Wir hatten Gotham im Comic-Tim-Burton Stil, wir hatten das moderne Gotham City bei Christopher Nolan (mit Smartphones und High Tech) und nun? Dieses Gotham spielt zu Beginn der 1980er Jahre. Unser Protagonist, Arthur Fleck, wird zum Dreh und Angelpunkt der Geschichte. Wir sehen einen Mann der vom Leben gebeutelt wird. Der einem Job nachgeht der ihn nicht nur nicht erfüllt, sondern bei welchem er all seine Ziele und Wünsche ablegt. Nur um einen Lohn ausbezahlt zu bekommen, mit welchem er sich und seine Mutter am Leben halten kann. Wir sehen ihn träumen, von einem Leben dass er wohl nie erreichen wird. Als Star im Fernsehen der Millionen unterhält. Das wahre Leben jedoch, schmettert ihn immer wieder nieder. Entweder weil er gerade von einer Bande Jugendlicher überfallen und grundlos verprügelt wird. Oder ob er sich mit sich selbst plagen muss, denn er leidet an einer Krankheit, die durch chronisches und schmerzhaftes Lachen, seinen Alltag erschwert.

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In JOKER ist nicht nur das Setting 1980er

Die Kameraführung ist anders und schon von Anfang an ist nicht nur ein Retro-Setting zu sehen sondern auch die Bild-Einstellungen fühlen sich irgendwie Retro an. Später fand ich heraus dass dies tatsächlich an einer besonderen Kameratechnik lag. Die Schnitte sind länger und lassen Szenen viel intensiver auf den Zuschauer wirken. Wir sind es ja aus Comic-Filmen aber auch allerlei anderen Blockbustern gewöhnt, dass relativ schnelle Schnittfolgen uns von einem Moment in den Nächsten tragen. Hier lässt man sich Zeit. Zeit die auch wirklich notwendig ist, um in dem was gerade geschieht auch einzutauchen. Es wäre fast schon “unhöflich” Arthur Fleck zu unterbrechen, wenn er uns gerade wieder zeigt, dass er einen weiteren Schritt in den Wahnsinn gerutscht ist.

Oscar (c) Pixaby

Oscar Symbolbild (c) Pixabay

Warum Joaquin Phoenix für JOKER den Oscar erhalten und verdient hat

Auf die Story und eventuelle Überraschungen möchte ich nicht zu weit eingehen. Auch wenn der Film nun schon eine Weile auf dem Markt ist, gibt es vielleicht noch jene unter euch, die ihn noch nicht gesehen haben. Ich halte meine Kritiken so Spoilerfrei wie möglich. Darum nun ein etwas genauerer Blick auf die Leistung des Hauptdarstellers. Wenn man bedenkt, wie viel Zeit des Filmes und wie viele Szenen ausschließlich von Arthur Fleck getragen werden. Momente und ganze Abschnitte die nur von seiner Mimik und Gestik getragen werden. So ist die Nominierung für den Oscar für Joaquin Phoenix absolut absehbar gewesen. Gewonnen hat er ihn aber wesentlich subtiler. Achtet man in dem Film darauf wie sich Arthur in ganz einfachen Momenten verändert, so wird klar wie viel Feinheit in die Rolle geflossen ist. Ist man aufmerksam genug, stellt man auch fest dass Phoenix seinem Charakter verschiedene Formen des Lachens gab. Für jede Situation eine eigene “Lache”.

Das ehrliche begeisterte Lachen. Das gespielte Lachen wenn Arthur wusste, hier war jetzt etwas lustig, alle lachen, also muss ich auch. Er aber den Witz nicht verstand. Dann das gänzlich krampfhafte welches ihm sichtbare Schmerzen bereitete aufgrund seiner Krankheit. Und gegen Ende, je näher man dem Emporstieg des JOKER kam. Da schlich sich noch ein viertes Lachen ein. Ein fast schon erhabenes oder berechnendes Lachen. Man wusste, dass es da in ihm brodelte, aber nicht was dieses Lachen zu bedeuten hatte.

Joaquin Phoenix - in JOKER

Joaquin Phoenix – in JOKER – (C) Warner Bros. Pictures

Nicht der JOKER den wir kennen, nicht was ich erwartet habe

Ich habe selten das Vergnügen im Kino von solcher Gewalt bewegt, mitgerissen und gefesselt zu werden. Aber nicht die Gewalt des manisch depressiven Jokers, welcher für Angst und Schrecken sorgt. Sondern die Gewalt der Botschaft HINTER der Persona. Wie es kommen kann, dass ein Mensch zu einem solch Anarchie getriebenen und unberechenbaren Abbild seiner Selbst wird.

Wer sich in JOKER eine Boom Boom, Action Comic Verfilmung mit Stunts und Special Effekts erwartet…. ist hier völlig Falsch.

Näher an der Realität war noch kein einziger Comic Film… näher an dem, was einen menschlichen Geist zermürbt und vernichtet. Ich hatte in großen Teilen das Gefühl, hier würde jemand unserer Gesellschaft einen Spiegel herhalten und sagen; “Sieh her… sieh selbst was alles jeden Tag auf unseren Straßen schief läuft. Und wir alle sehen weg!!” Schon im Trailer fällt eine der tiefgründigsten Aussagen des Films. Wenn er seiner eigentlichen Therapeutin und Vertrauensperson sagt… “Sie hören nie zu oder?”

Ein wahres Highlight dieser Film und Joaquin Phoenix… *steht auf und applaudiert* AB…SO…LU…TER….HAMMER! Meine Empfehlung; dringend auf Englisch ansehen um auch wirklich seine Emotionen zu spüren. Und wer aus diesem Film raus geht und nicht mindestens die nächste Stunde lang Gesprächsstoff hat… oder sogar noch länger sich mit gesellschaftskritischen Punkten den Kopf zermartert, hat meiner Meinung nach in dem Film nicht aufgepasst oder ihn schlichtweg nicht verstanden.

JOKER könnt ihr im Juni 2021 auf Netflix anschauen.

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