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Artikel von Sinan Huemer + unter Mithilfe von KI *.
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ACHTUNG: MASSIVE SPOILERWARNUNG! – Dieser Artikel enthält massive Story-Spoiler zu Assassin’s Creed IV: Black Flag und Assassin’s Creed Black Flag Resynced. Wer die Stede Bonnet Mission noch selbst erleben möchte, sollte hier wirklich NICHT weiterlesen.

Ich meine das ernst.

Nicht weiterlesen.

Spielt die Quest zuerst.

Denn wenn ihr Stede Bonnet auch nur annähernd so sehr ins Herz geschlossen habt wie ich, dann wollt ihr diese Geschichte nicht in einem Artikel erfahren. Ihr wollt sie erleben.

Und vermutlich dabei heulen.

So wie ich.

Assassin’s Creed war immer dann am besten, wenn es menschlich wurde

Assassin’s Creed begleitet uns mittlerweile seit verdammt vielen Jahren. Wir sind mit Altaïr durch Jerusalem geklettert, haben mit Ezio seine Familie verloren, mit Connor eine Revolution erlebt, mit Bayek getrauert und mit Edward Kenway die Karibik unsicher gemacht.

Dabei waren es meiner Meinung nach nie die riesigen Karten, die hunderten Symbole, die Aussichtspunkte oder irgendein neues Loot-System, die Assassin’s Creed wirklich unvergesslich gemacht haben.

Es waren die Menschen. Die kleinen Geschichten zwischen all den Templern, Assassinen, Verschwörungen und historischen Ereignissen.

Und kaum ein Assassin’s Creed zeigt das besser als Black Flag. Genau deshalb wird es oft als der Höhepunkt von Ubisoft gesehen.

Edward Kenway beginnt seine Reise als egoistischer Bastard, der vor allem eines will: Geld. Gold. Erfolg. Freiheit. Er will reich werden und interessiert sich dabei erstaunlich wenig dafür, welche Menschen er auf seinem Weg verletzt oder verliert.

Bis irgendwann kaum noch jemand da ist. Black Flag erzählt unter all seinen Piratenschlachten nämlich eine erstaunlich traurige Geschichte über Freundschaft, Gier und Verlust.

Und mittendrin befindet sich ein Mann, der eigentlich überhaupt nicht in diese Welt passt.

Stede Bonnet.

Alte Freunde in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame

Alte Freunde in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame

Der wahrscheinlich liebenswerteste Pirat der Karibik

Stede Bonnet ist kein typischer Pirat.

Nicht einmal annähernd.

Schon der echte historische Stede Bonnet war eine ziemlich kuriose Figur. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie auf Barbados, besaß Land und hatte praktisch keinerlei Erfahrung als Seemann, als er 1717 plötzlich beschloss, Pirat zu werden. Statt wie andere Piraten einfach ein Schiff zu kapern, ließ er sich eines bauen, bezahlte seine Mannschaft und nannte das Schiff Revenge. Seine Karriere dauerte nicht besonders lange. Am 10. Dezember 1718 wurde der als „Gentleman Pirate“ bekannte Bonnet in Charles Town gehängt.

Ubisoft machte daraus für Assassin’s Creed IV: Black Flag eine der sympathischsten Figuren des gesamten Spiels.

Als Edward Stede zum ersten Mal trifft, könnte der Unterschied zwischen den beiden kaum größer sein. Edward ist abgebrüht, selbstbewusst und ständig auf der Suche nach seinem nächsten großen Fang.

Stede betrachtet diese gefährliche Welt mit beinahe kindlicher Begeisterung. Piraten! Schiffe! Abenteuer! Für ihn ist das alles irgendwie großartig.

Natürlich wissen wir als Spieler bereits, dass diese Welt ganz und gar nicht großartig ist. Menschen werden erschossen, erstochen, ertränkt, verraten und gehängt. Aber Stede besitzt diese wunderbar naive Begeisterung, die ihn sofort sympathisch macht. Und Edward hilft ihm. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege.

Stede begegnet Blackbeard, landet auf dessen Schiff und bekommt schließlich sogar sein Schiff. Die Revenge. Er will es tatsächlich versuchen. Der Gentleman will Pirat sein.

Dann kommt dieser Abschied. Eine Szene, die bereits 2013 hängen geblieben ist. Stede bedankt sich bei Edward und sagt:

„Your constant friendship has been my most treasured find on these seas. Well above gold and silver and rum.“

Seine Freundschaft mit Edward sei also der größte Schatz gewesen, den er auf diesen Meeren gefunden habe. Wertvoller als Gold, Silber oder Rum.

Dann verabschieden sich die beiden. Stede segelt davon. Und verschwindet aus Edwards Leben.

Im Original erfuhren wir Stedes Schicksal beinahe nebenbei

Wer das ursprüngliche Assassin’s Creed IV: Black Flag gespielt hat, kann Stedes Tod sogar ziemlich leicht verpassen. Spät im Spiel befindet sich Edward im Gefängnis von Kingston. Während man sich dort bewegt, kann man zwei britische Soldaten belauschen. Sie sprechen über Gefangene. Irgendwann fällt der Name Stede Bonnet.

Einer der Männer glaubt zunächst, Bonnet könnte wegen seines Geldes davongekommen sein. Doch nein. Sie haben ihn gehängt.

Der andere Soldat erzählt daraufhin ziemlich genüsslich, wie Stede am Galgen zusammengebrochen sei. Weinend, jammernd und völlig verängstigt. Danach kommt nur ein verächtliches „Serves the bastard right.“ Und ich weiß nicht, wie es euch damals ging… Aber für mich gab es danach in diesem Gefängnis plötzlich eine erstaunlich hohe Zahl britischer Soldaten, die aus völlig unerklärlichen Gründen nicht mehr lebten.

Reiner Zufall natürlich.

Stede wird gerächt. Alle sterben. Problem gelöst.

Wir verabschieden uns von diesem unglaublich sympathischen Charakter, hören Stunden später zufällig zwei Wachen über seinen grausamen Tod lachen und Edward reagiert nicht einmal wirklich darauf. Also musste ich als Spieler was tun. Ich unterstelle hier Ubisoft eine gewisse Absicht in uns diese Wut zu triggern und ab da auf Schleichen zu verzichten.

Das war das Ende unseres lieben Freundes Stede.

Bis jetzt.

Black Flag Resynced gibt Stede endlich seinen Abschied

Ubisoft hat Assassin’s Creed Black Flag Resynced nicht einfach nur hübscher gemacht.

Das Remake enthält neue Missionen, zusätzliche Geschichten und Szenen. Und Ubisoft erklärte bereits vor dem Release ziemlich deutlich, warum man Stede noch einmal Aufmerksamkeit schenken wollte. Man wollte seiner Geschichte einen befriedigenderen Abschluss geben. Einen richtigen Epilog für den Gentleman Pirate.

Genau das bekommt er. Und Scheiße… diese Quest hat mich erwischt wie seit RDR 2 und Arthur Morgan kein Game mehr.

Nach einer bestimmten Stelle der Hauptgeschichte findet Edward in seinem Anwesen auf Great Inagua einen Brief von Stede. Damit beginnt eine komplett neue Nebenquest.

Stede bittet Edward darin, nach seiner Revenge und seiner Crew zu sehen. Also setzen wir die Segel. Natürlich. Es ist Stede.

Für diesen Mann würde ich wahrscheinlich persönlich durch die halbe Karibik schwimmen.

Auf Mystery Island findet Edward schließlich die Revenge. Oder zumindest das, was davon übrig ist. Das Schiff liegt zerstört an der Küste. Von Stede fehlt jede Spur.

Dafür trifft Edward auf Mitglieder seiner Mannschaft und erfährt, was nach Stedes Gefangennahme passiert ist. Teile der Crew haben gemeutert. Wir helfen den verbliebenen loyalen Männern, kümmern uns um die Meuterer und kurz darauf auch um britische Soldaten, die an der Küste auftauchen.

Bis hierhin ist es eine nette Nebenquest. Nicht schlecht. Nicht außergewöhnlich. Ein bisschen kämpfen, ein bisschen suchen, etwas Geschichte.

Dann betreten wir Stedes Kajüte. Und plötzlich verändert sich alles.

Ein Tribut an Stede in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame

Ein Tribut an Stede in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame

Eine leere Kajüte erzählt mehr als manche komplette Hauptquest

Stedes Kammer befindet sich in der zerstörten Revenge. Und Ubisoft macht hier etwas, das ich in modernen Spielen viel zu selten sehe. Das Spiel ist „Still“.

Keine riesige Actionsequenz. Kein gigantischer Boss. Keine Explosion. Keine fünf Questmarker.

Nur Edward. Eine leere Kajüte. Und die Überreste eines Lebens.

Man findet dort Dinge, die an Stedes Vergangenheit erinnern. Zucker, den man damals für Stede getragen hat. Sein Tagebuch. Dokumente. Erinnerungen an den Mann, der einmal ein vollkommen anderes Leben geführt hat und irgendwann beschlossen hatte, alles hinter sich zu lassen.

Und dann liegt dort dieser Brief. Festgehalten von Stedes Dolch. Ein letzter Brief genau an Edward. Stede weiß, dass er sterben wird. Er weiß, dass man ihn hängen wird. Und er verabschiedet sich von seinem Freund.

Er schreibt über seine Angst und seine Traurigkeit. Über sein Leben. Über die Entscheidungen, die ihn an diesen Punkt gebracht haben. Aber vor allem schreibt er über die Hoffnung, dass irgendwann vielleicht jemand seine Geschichte erzählen wird. Dass jemand davon erzählen wird, dass Stede Bonnet existiert hat. Dass er dieses vollkommen verrückte Leben geführt hat.

Denn wenn seine Geschichte weitererzählt wird… dann hat er vielleicht tatsächlich so gelebt, wie er es sich erhofft hatte.

Fuck.

Und dann beginnt seine Crew zu singen

Edward nimmt Stedes Dolch an sich. Nicht als irgendeine neue Superwaffe mit 15 Prozent mehr Schaden. Es ist ein Erinnerungsstück. Er nimmt außerdem ein edles Portrait seines Freundes mit.

Draußen übergibt Edward die Revenge schließlich offiziell an Stedes ersten Maat. Und dann hört man die Männer. Sie singen.

„The Last Voyage of Stede Bonnet“.

Ein Lied für ihren Captain.

Ein Lied für diesen vollkommen ungeeigneten, naiven, mutigen und liebenswerten Gentleman, der irgendwann beschlossen hatte, dass ihm sein vorherbestimmtes Leben nicht reicht.

Und genau hier war es bei mir vorbei.

Da stehen einem nicht mehr nur ein bisschen die Tränen in den Augen.

Da laufen sie.

Weil diese ganze Szene eben nicht versucht, einem mit Gewalt zu sagen:

JETZT BITTE TRAURIG SEIN!

Sie funktioniert durch die Geschichte, die wir mit diesem Charakter bereits erlebt haben. Wir kennen Stede. Wir wissen noch, wie begeistert er damals von dieser Welt war. Wir erinnern uns daran, wie unsicher er war. Wie stolz er schließlich auf sein eigenes Schiff gewesen ist.

Und wir erinnern uns an seinen letzten Satz zu Edward.

Freundschaft. Wertvoller als Gold. Silber. Oder Rum.

Das könnte eigentlich bereits das perfekte Ende dieser Quest sein.

Ubisoft setzt aber noch einen drauf.

„Manche Dinge sind wertvoller als Gold, Silber oder Rum“

Edward kehrt nach Great Inagua zurück. Mit Stedes Portrait.

Im Anwesen hängt er das Bild seines verstorbenen Freundes auf.

Butler Bernard betrachtet das durchaus wertvolle Stück und fragt Edward sinngemäß, ob er es verkaufen solle. Für ein solches Portrait würde sich bestimmt ein Käufer finden.

Und Edward antwortet. Mit Stedes eigenen Worten.

Mitten ins Herz in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame

Mitten ins Herz in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame

Ja.

Danke Ubisoft.

Ich wollte meine Augen heute sowieso einmal vollständig mit Salzwasser durchspülen.

Edward Kenway sagt einen Satz, der zu Beginn von Black Flag niemals aus seinem Mund gekommen wäre.

Dieser Mann wollte Gold. Er wollte Silber. Und Rum hätte er vermutlich ebenfalls nicht abgelehnt.

Reichtum war sein ganzes Lebensziel. Und jetzt steht er vor dem Portrait eines toten Freundes und erklärt, dass manche Dinge wichtiger sind.

Das ist Edward Kenways komplette Charakterentwicklung in einem einzigen Satz. Und gleichzeitig Stede Bonnets Vermächtnis.

Genau DAS ist Assassin’s Creed

Ubisoft hat in den vergangenen Jahren viel Kritik abbekommen. Teilweise vollkommen zurecht.

Spiele blieben hinter Erwartungen zurück, Projekte wurden eingestellt, Studios geschlossen, Mitarbeiter abgebaut und das Unternehmen selbst kündigte Anfang 2026 sogar einen umfangreichen organisatorischen und kreativen Neustart an. Schon zuvor waren beispielsweise XDefiant eingestellt und weitere Studios geschlossen worden.

Und auch Assassin’s Creed musste sich irgendwann die Frage gefallen lassen, was diese Serie eigentlich noch sein möchte.

Muss es immer höher, schneller und weiter sein?

Dabei zeigt ausgerechnet eine kleine Nebenquest in einem Remake eines 13 Jahre alten Spiels, was Ubisoft eigentlich verdammt gut kann.

Geschichten erzählen. Nicht irgendwelche weltbewegenden Geschichten. Menschliche Geschichten.

Stede Bonnet rettet nicht die Welt. Er besiegt keinen Templerorden. Er ist einfach ein Mann, der mit seinem Leben unzufrieden war und etwas vollkommen Verrücktes versucht hat.

Er wollte frei sein. Er wollte Abenteuer erleben. Er wollte eine Geschichte haben, die es wert ist, erzählt zu werden.

Und am Ende bittet er seinen Freund eigentlich nur darum, ihn nicht zu vergessen.

Jahre später sitzen Spieler vor ihrer PlayStation, Xbox oder ihrem PC und weinen wegen Stede Bonnet.

Ich würde sagen… Mission erfüllt, Stede.

Herzzerreißend in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame

Herzzerreißend in AC Black Flag Resynced © Ubisoft, Screenshot by DailyGame

Stede Bonnet zeigt: Ubisoft kann es noch

Bei Ubisoft sitzen also doch noch immer Menschen, die verstehen, warum wir diese Spiele lieben. Menschen, die verstanden haben, dass man Black Flag nicht verbessern muss, indem man einfach nur mehr Content hineinwirft. Man kann eine Geschichte verbessern, indem man eine offene Wunde schließt, die seit 2013 existiert.

Stedes Ende war immer da. Wir wussten, dass er stirbt. Wir konnten es nicht verhindern. Resynced ändert daran nichts. Und das ist wichtig.

Ubisoft gibt uns keine alternative Geschichte, in der Edward plötzlich zur Hinrichtung reitet und seinen Freund in letzter Sekunde vom Galgen schneidet.

Stede Bonnet starb. Das gehört zu seiner Geschichte.

Stattdessen gibt Ubisoft ihm etwas viel Wertvolleres.

Würde.

Einen Abschied. Und Edward die Möglichkeit zu trauern. Das ist gutes Writing. Das ist gutes Environmental Storytelling. Das ist gutes Voice Acting. Das ist gutes Gamedesign.

Nicht weil die Quest besonders komplex wäre. Spielerisch ist sie das nämlich überhaupt nicht.

Sondern weil Gameplay, Musik, Umgebung, Figuren und zwölf Jahre alte Erinnerungen plötzlich zusammenarbeiten und einen Moment erschaffen, den man nicht mehr vergisst.

Ich werde irgendwann nicht mehr wissen, wie viele Nebenquests Black Flag Resynced hat. Ich werde vergessen, welches Schwert die besten Werte hatte. Welche Pistole ich benutzt habe.

Vielleicht vergesse ich sogar irgendwann irgendwelche Missionen der Hauptgeschichte.

Aber ich werde mich daran erinnern, wie ich in Stede Bonnets zerstörter Revenge stand und seinen letzten Brief gelesen habe. Ich werde mich an seine singende Crew erinnern. Und ich werde mich daran erinnern, wie Edward Kenway vor dem Portrait seines Freundes stand und endlich verstanden hatte, was Stede ihm Jahre zuvor sagen wollte.

Manche Dinge sind eben wertvoller als Gold, Silber oder Rum.

Und manche Nebenquests sind mehr wert als hundert Stunden Content.

Danke, Ubisoft.

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