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Ubisoft: Sexismus und Rassismus zerstören eine der größten Marken

Es sieht nicht gut aus um den französischen Publisher. Der Präsident räumt auf, doch die Gewerkschaft droht mit Klagen.

Artikel von
Far Cry 6 von Ubisoft erscheint 2021. (C) Ubisoft

#Metoo-Krise zerstört Ubisoft – Es sieht nicht gut aus um den Erfinder von Assassins Creed. Jason Schreier, ehemaliger Journalist bei Kotaku, hat die erste #Metoo-Affäre der Spiele-Branche aufgedeckt. Und sie ist bei keinem geringeren als dem französischen Vorzeige-Publisher Ubisoft. Das Unternehmen rund um Gründer Yves Guillemot hat einen Management-Stab, welcher sich in Sexismus und Rassismus mehr austobt, als in der Entwicklung seiner Spiele.

Insgesamt 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben von sexuellen Übergriffen und rassistischen Äußerungen ihrer Vorgesetzten erzählt. Lest hier den bisherigen Verlauf der Ereignisse.

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Assassins Creed Creative Director macht den Anfang

Alles begann mit Ashraf Ismail, seines Zeichen Creative Director von Assassins Creed Valhalla und den Vorgängern. Wie aus dem Nichts tauchten plötzlich Tweets einer Frau auf, welche Ismail beschuldigte, mit ihr in einer Beziehung zu sein, während der verheiratet war. Und er hätte ihr stets gesagt, er sei Single. Darauf folgten Tweets anderer Frauen, die schon dasselbe durchgemacht hatten. Ismail versuchte die Situation einzudämmen, jedoch vergebens. Er trat mit sofortiger Wirkung zurück. Im Anschluss daran poppten plötzlich weitere Meldungen von weiblichen Mitarbeitern bei Ubisoft, welche Anschuldigungen bezüglich Übergriffen innerhalb von Ubisoft meldeten.

Hochrangige Manager werden gekündigt

Es folgten weitere Kündigungen der obersten Ebene bei Ubisoft. Tommy François und Maxime Béland, beide Vizepräsidenten und verantwortlich für das internationale Geschäft von Ubisoft, wurden entlassen. Gegen beide herrschten bereits eine Reihe von Vorwürfen. François soll für unerwünschte Massagen und homophobe Kommentare bekannt gewesen sein.  Béland ging noch einen Schritt weiter als “bloße” Belästigungen und habe neben Wutausbrüchen sogar eine Mitarbeiterin bei einer Feier gewürgt! Diese Vorwürfe kamen aber nie ans Tageslicht, denn die Beschwerden landeten bei der HR, welche von Béland´s Frau Rima Brek geleitet wurde! Sie blockte die Weiterleitung dieser Beschwerden ab.

Den beiden Top-Managern folgt Yannis Mallat, der leiter des kanadischen Studios. Weitere Kollegen sollten folgen. Angeblich handelte es sich bei den Personen um einen “Ring”, der sich gegenseitig schützte.

Drogenkekse und Stripclub-Parties in der Tagesordnung

Die größte Überraschung war sicherlich Serge Hascoët, der Chief Creative Officer von Ubisoft. Er stand direkt an der Seite von CEO Yves Guillemot. Guillemot wird seine Tätigkeiten vorläufig übernehmen. Hascoët soll Meetings in Strip Clubs abgehalten, Frauen begrabscht und Haschkekse an Mitarbeiter verteilt haben, ohne sie über die Substanzen zu informieren. Er habe Männer eher befördert und zeitgleich seine Mitarbeiter unter Druck gesetzt, exzessiv Alkohol zu trinken.  Eine Mitarbeiterin erzählt, nach einer ihrer Präsentationen, habe Hascoët nach ihrem Verlassen des Besprechungsraumes ein Musikvideo abgespielt, welches sexuelle Handlungen mit einer Frau gleichen Namens behandelte. Beschwerden bei der Personalabteilung stießen auf taube Ohren, da Hascoët einen “besonderen Schutz” als Freund von Guillemot genoss. Nun ist es genau er, welcher ihn aus Ubisoft schmeißt.

Es klingt also verständlich, dass die nächste Person, der die Tür gezeigt wird, Global Head of HR Cécile Cornet ist. Viele Mitarbeiter gaben an, dass ihre Beschwerden bei der HR stets zum selben Ergebnis führten, man solle sich doch mit seinem Vorgesetzten über die Unannehmlichkeiten austauschen.

Der letzte große Schlag war die Kündigung von PR Director Stone Chin! Er veröffentlichte dazu eine Stellungnahme, in der er zugibt, passiv aggresiv und respektlos gegenüber Mitarbeitern gewesen zu sein, bestreitet aber sexuelle Übergriffe.

In weiteren Beispielen erzählen z.B. Mitarbeiter, man habe sich so den Trailer von “Stars Wars: The Force Awakens” angeschaut und beim Auftritt von John Boyega hätten Mitarbeiter geschrien “Hey, schau mal, ein Affe!”. Eine andere Mitarbeiterin schildert von Übergriffen und herablassenden Äußerungen ihres Vorgesetzten. Bei der HR stieß sie auf taube Ohren, erst die Unterstützung eines männlichen Kollegen führte zu einem Austausch ihres Chefs und einem Geschenkgutschein im Wert von 200 Dollar.

Weibliche Rollen in Spielen hätten länger sein sollen

Nun platzte kürzlich die nächste Bombe. Angeblich wären die Geschichten rund um die weiblichen Charaktere in Spielen wie Assassins Creed Odyssey ausgiebiger gewesen. So hätte die Spielzeit in Assassins Creed Syndicate zwischen dem Geschwisterpaar Jacob und Evie ausgeglichen sein sollen. In der Endfassung dominiert aber Jacob, so auch auf dem Cover des Spiels. In Origins hätte Bayeks Frau Aya schon viel früher in der Story eine stärkere Rolle übernehmen sollen. Letztendlich wurde sie auf einige Schiffsmissionen reduziert. In Odyssey war kein männlicher Charakter geplant! Das Spiel hätte nur mit Kassandra bestritten werden sollen.

All diese Entscheidungen sollen einen Namen hinter sich haben: Serge Hascoët. Als Creative Director des Unternehmens stand er über alle Spiele und Serien. Er begründete seine Entscheidungen damit, dass Frauen als Hauptrolle in Spielen wirtschaftlich benachteiligt seien und keinen Erfolg bringen würden. Dies trotz hervorstechender Marken wie Tomb Raider und Horizon Zero Dawn.

Kassandra war als Hauptcharakter in Assassins Creed Odyssey geplant. Alexios war nicht geplant!

Kassandra war als Hauptcharakter in Assassins Creed Odyssey geplant. Alexios war nicht geplant!

Gewerkschaft kündigt Schritte gegen Ubisoft an

Nun hat die französische Gewerkschaft schritte angekündigt. Auf ihrer Webseite haben sie eine Aktion gestartet, um ein Verfahren gegen Ubisoft einzuleiten. Opfer und Organisationen sollen sich melden, die bei dem Verfahren unterstützen wollen.

Wie geht es mit Ubisoft weiter?

Der CEO Yves Guillemot hat bereits einen persönlichen Brief an seine 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versendet und Änderungen angekündigt. So wird eine neue Position installiert, welche sich mit Diversität und Kultur auseinandersetzen und direkt an den Geschäftsführer berichten soll. Für respektvolles und positives Arbeiten und Führen von Mitarbeitern wird ein Bonus eingeführt. Dies machen auch andere Unternehmen.

Doch ist das wirklich der richtige Weg? Ist eine monetäre Motivation notwendig, um dafür zu sorgen, dass man respektvoll und rücksichtsvoll mit seinen Mitarbeitern und Kollegen umgeht? Wir leben im Jahr 2020! Wie kommt es, dass Menschen in höheren Positionen das Gefühl haben, es wäre OK, sich so gegenüber seinen Mitmenschen zu verhalten? Was führt dazu, dass Menschen sich dies Gefallen lassen? In letzter Zeit sind einige Fälle aufgetaucht, auch bei anderen Publishern, jedoch bei keinem in solch einem Umfang wie Ubisoft. Die Tatsache, dass die obere Etage dies sogar in einer abgestimmten und sich gegenseitig schützenden Form durchführte, ist abscheulich.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, wieviel wusste Guillemot tatsächlich bzw. tatsächlich nicht? Ist es realistisch, dass sein Führungsstab all diese Tätigkeiten vollzog und er nichts davon wusste? Kann er sich tatsächlich aus der Verantwortung nehmen?

Wie stark diese Ereignisse sich nun auf den wirtschaftlichen Erfolg von Ubisoft auswirken, wird abzuwarten sein. Tatsache ist, dass viele der wesentlichen Personen, die an kommenden Titeln arbeiteten nicht mehr da sind, wie z.B. Ashraf Ismail oder Serge Hascoët. Es bleibt abzuwarten, ob diese Entwicklungen und vielleicht noch kommende Klagen zu Verzögerungen und Verspätungen bei den geplanten Erscheinungsterminen führen.

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