Jagd nach dem Gelben Trikot

Tour de France 2024 (PC) – Game Review

Tour de France 2024 ist ein hoch strategisches und unterhaltsames Simulations-Spiel, welches jedoch im technischen Bereich veraltet wirkt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Solide, strategische Radfahr-Erfahrung
  • Unterhaltsam sich im Peloton fortzubewegen
  • Eingeschränkte Physik und Grafik

Selbstverständlich hat DailyGame in der Vergangenheit bereits eine ganze Menge an spannenden Renn- sowie Sportspielen testen dürfen. Jedoch war das Radsport-Franchise Tour de France aus dem Hause Nacon bisher nie dabei gewesen. Dies soll sich mit diesem hoffentlich interessanten Game Review von Tour de France 2024 für den PC aber endgültig ändern. Es gibt noch einen kleinen Transparenz-Hinweis für euch vorneweg: Ich bin alles andere als ein großer Radsport-Fan, geschweige den ansatzweise Radrenn-Experte. Trotzdem viel Spaß mit diesem Testbericht!

Im Spiel könnt ihr alle Etappen der Tour de France 2024 nach radeln – © Nacon

Schwing dich in den Sattel

Das Erste, was man über dieses neue Game sagen muss, das seit kurzem unter der immer größer werdenden Flagge der Renn-IPs des Publishers und Controller-Herstellers Nacon segelt, ist, dass es weder ein klassisches Rennspiel noch ein gewohntes Managerspiel ist – Tour de France 2024 liegt irgendwo dazwischen. Aber mit Geschwindigkeit und Präzision allein kommt man in diesem Spiel nicht weit – es geht darum, den Energiehaushalt der Fahrer strategisch so zu managen, dass die Leistung nicht zu sehr beeinträchtigt wird, um das Ziel optimal zu erreichen. Jeder von euch, der selbst schon einmal an einem Radrennen teilgenommen hat, weiß, dass dieser Sport nicht mit einem Autorennen zu vergleichen ist, bei dem das Beschleunigen den Fahrer nicht mehr Energie kostet als das Ausrollen.

Die Ausdauer und das Energieniveau des Radfahrers sind jedoch bei solchen Veranstaltungen entscheidend, und es gibt viele Tricks (legale und illegale), um die Ermüdung und die Anstrengung zu verringern, damit genügend körperliche Energie für eine gute Platzierung im Wettbewerb übrig bleibt. Immer mit Höchstgeschwindigkeit zu fahren ist eine Strategie, bei der uns als Teilnehmer sehr früh die Energie ausgeht, deshalb müssen wir die Art des Rennens selbst zu unserem Vorteil nutzen, um den Verbrauch zu minimieren. Der Schlüssel dazu ist auch bei Tour de France 2024 das sogenannte Pelotonrennen, bei dem sich die Teilnehmer dicht hinter einem (oder mehreren) anderen Fahrer einreihen können, um den Luftwiderstand zu verringern und in den Windschatten zu gelangen. Dadurch kann die Anstrengung, mit dem Fahrer Schritt zu halten, logischerweise drastisch reduziert wird.

Um etwas Kräfte zu sammeln, kann es sich lohnen, einem Peloton anzuschließen. – © Nacon

In diesem Spiel kann sich der Nutzer durch Drücken der X-Taste am Controller einfach an einen anderen Spieler „anhängen“. So muss man auch nicht mehr manuell Geschwindigkeit und Richtung anpassen, sondern richtet sich nach seinem Vordermann. Das Spiel bietet zwei verschiedenfarbige Batterien, die die Spieler einmal pro Ereignis aufladen können, aber wenn sie bis zum Äußersten gehen, sind diese Ressourcen schnell aufgebraucht. Die Spieler müssen immer klug entscheiden, wann sie Gas geben und nicht gierig werden, wenn sie ein weit entferntes Feld sehen, das sie einholen müssen. Und wenn es dann endlich bergab geht, sind der Schmerz und die Angst weg und man kann wirklich ohne Angst lossprinten. Das ist ein wirklich tolles Gefühl!

Management der Ressourcen als Schlüssel zum Erfolg

Für einen Rennfahrer ist das an sich natürlich erst einmal nichts Ungewöhnliches. Schließlich müssen die Spieler auch in Formel-1-Spielen den Benzin- und Reifenverbrauch idealerweise genau im Auge behalten und Tricks anwenden, um den Verschleiß am Fahrzeug zu verringern. Dabei sollte die Platzierung und Rundenzeiten jedoch nicht zu stark gefährdet werden. In den meisten Rennen von Tour de France 2024 müssen die Spieler jedoch ein ganzes Team von Fahrern unter einer Flagge managen und haben dafür zwei verschiedene Möglichkeiten. Die eine ist, Befehle zu erteilen. Wenn man offline spielt, kann man das Spiel quasi einfrieren und über anfangs etwas verwirrende Icons diktieren, welcher Fahrer, was genau zu tun hat.

Der Spieler sollte die Energie und Ausdauer seiner Fahrer stets im Auge behalten, um den Sieg zu erreichen. – © Nacon

Willst du jemanden vorausschicken, um die nächste Gruppe zu erreichen? Soll ein Teamkollege das Feld anführen, damit sich andere, vielleicht leistungsstärkere Fahrer etwas ausruhen können und mehr Ausdauer für das Finale haben? In diesem Segment können die Spieler einen Schritt weiter gehen und tatsächlich die Kontrolle über jedes andere Teammitglied übernehmen, egal wo es sich auf der Strecke befindet. Wenn du das Gefühl hast, dass sie deinen Befehlen nicht optimal folgen, oder wenn du der Meinung bist, dass du ihre Aufgaben effizienter erledigen könntest, hält dich nichts davon ab, ein wenig in ihre Haut zu schlüpfen. Dabei gibt’s du natürlich die Kontrolle an die KI des Fahrers zurück, den du bis dahin benutzt hast. Und wenn die steilen Anstiege kommen und die Energie rapide abnimmt, ist es Zeit für einige durchaus schwierige Entscheidungen.

Chaotischer und eingeschränkter Multiplayer

Ein großes Manko der bisherigen Nacon-Titel war das völlige Fehlen eines echten Online-Rennens. Sicher, es gab Ranglisten und eine Handvoll zeitlich begrenzter Herausforderungen, die es immer noch gibt, aber im Spiel ist es 2024 endlich möglich, online gegen echte Menschen Kopf an Kopf anzutreten. Dieser Modus ist auf nur 6 Spieler beschränkt, also vergiss den absolut chaotischen Verkehr beim Start von Etappe 1, aber vielleicht ist das auch gut so – wenn man bedenkt, wie sich die Leute im Allgemeinen in Online-Rennspielen verhalten. Wie dem auch sei, der Netcode scheint solide zu sein, aber es ist ein kaum anpassbarer und sicherlich sehr begrenzter Ausflug in die Welt des Multiplayer. Wenigstens ist er da und macht auf jeden Fall eine Menge Spaß.

Die Spieler können natürlich auch offline frei spielen und an fast jeder Etappe der Tour de France 2024 teilnehmen, einschließlich der vereinzelten Startabschnitte in Italien. Egal, ob es sich um die gesamte Veranstaltung, die Meisterschaften oder einzelne Etappen handelt, die Spieler können allein oder in einer Gruppe fast jede Etappe in Angriff nehmen. Dabei ähneln diese sich bedauerlicherweise meist optisch und mechanisch stark.

Auch die Fahrbahnoberflächen sind immer ziemlich gleich, und sogar die Kurvengeometrie innerhalb einer Etappe wird oft mehrmals wiederverwendet. Für diejenigen, die sich den Herausforderungen, den Höhen und Tiefen einer Tour-de-France-Etappe stellen wollen, aber ohne die anderen Fahrer um sich herum, gibt es einen netten Zeitfahrmodus, der alles auf das Wesentliche reduziert.

Fazit zu Tour de France 2024

Hoffentlich ist es gelungen, euch die Grundlagen von Tour de France 2024 in diesem Game Review verständlich näherzubringen. Die strategische Tiefe ist auf jeden Fall vorhanden, und es gibt viele Mechanismen, die man nicht unbedingt in Rennspielen sieht, was dem Titel eine gewisse Aura der Einzigartigkeit verleiht. Gleichzeitig scheint das Spiel ein geringeres Budget als die meisten lizenzbasierten Sportspiele gehabt zu haben, und das macht sich in fast jedem Aspekt bemerkbar. Beispielsweise fragwürdige Menüdesigns und UI-Entscheidungen, niedrig aufgelöste und wenig detaillierte 3D-Modelle und Texturen, die in einem Spiel von vor 2 oder 3 Konsolengenerationen nicht fehl am Platz wirken würden.

Das Handling ist extrem einfach, mit unsichtbaren Wänden, die die Außenseite jeder Straße blockieren und somit das Risiko, zu schnell in eine Kurve zu fahren, drastisch reduzieren. Die unsichtbaren Wände können sogar mit hoher Geschwindigkeit ohne Strafe angefahren werden, was einige enge Kurven viel zu einfach macht. Man hat den Eindruck, dass das eigentliche Fahren auf den Rädern in den Hintergrund rückt, wenn man die Energie aller Fahrer konstant halten muss. Letztendlich ist Tour de France 2024 nur eine weitere jährliche Ausgabe von Nacons Rennspiel-Franchise, die auf dem wichtigsten Radsportereignis des Jahres basiert.

Die eher mäßige Präsentation, Handhabung und Physik machen das Fahren an sich nicht besonders aufregend, obwohl die ziemlich tiefgreifenden strategischen Optionen, die das Pelotonrennen bietet, für ein fesselndes und ungewöhnliches Rennerlebnis sorgen, das einen Versuch wert ist. Endlich gibt es auch einen richtigen Mehrspielermodus, der allerdings auf 6 Spieler beschränkt ist, was dieses Spiel zum bisher besten Einstieg in die Serie macht. Allerdings habe ich auch das Gefühl, dass dieses Ausmaß an Mikromanagement nur für große Fans dieser Disziplin geeignet ist, während Neulinge ein eher dürftiges Rennspiel vorfinden

ReviewWertung

7SCORE

Tour de France 2024 ist ein interessantes Spiel für echte Radsportfans, dass sich in den meisten Bereichen aber noch unausgegoren anfühlt.

Detail-Wertung

Grafik

6

Sound

7

Gameplay

8

Story

7

Motivation

6

Steuerung

7

Multiplayer

7

Test-Hardware: Intel Core i7-13700KF, NVIDIA Geforce RTX 4080, 32 GB DDR5

Unterstütze uns*: Hol Dir diesen Titel, Merchandise oder Zubehör bei Amazon.de.

* Unterstützte uns mit DEINEM Klick auf einen der Werbelinks.
Wenn du einen solchen Link klickst, erhalten wir in manchen Fällen eine Provision dafür. Durch den Klick entstehen dir als Besucher keine zusätzlichen Kosten. Die Integration eines Affiliate-Links hat keine Auswirkungen auf unsere redaktionelle Berichterstattung..

Mehr zum Thema