John Wick 4 – Filmkritik (Spoilerfrei)

Baba Jaga ist noch immer nicht fertig

Autokampf Keanu Reeves in John Wick 4 © Lionsgate

Das Wichtigste in Kürze

  • John Wick rechnet mit der Kammer ab
  • Hochgradige Action Besetzung
  • Wird es ein Assassinen Universum geben?

The Internets Boyfriend ist wieder im Kino zu sehen. Keanu Reeves zieht wieder seinen schwarzen Anzug an und lädt seine Waffen durch. In John Wick 4 soll es der ganzen Assassinen Kammer an den Kragen gehen. Denn John will seine Ruhe und will einfach wieder ein normales Leben führen. Das geht aber nicht, so lange die Kammer kontinuierlich Auftragsmörder hinter ihm her schickt.

Wüstenmeeting Keanu Reeves in John Wick 4 © Lionsgate

Wüstenmeeting Keanu Reeves in John Wick 4 © Lionsgate

John Wick 4: Die Story – Filmkritk

Die Geschichte zu diesem Film ist eigentlich die Geschichte zu allen Filmen dieser Reihe. Denn die bisherigen Teile haben maßgeblich aufgebaut, worum es in dieser neuen Story geht. Damit will ich euch sagen, dass es schwierig bis unmöglich ist, diesen Film zu verstehen oder zu genießen. Wenn man nicht die vorherigen Teile alle gesehen hat. Denn dafür bauen die Situationen und Beziehungen der Charaktere zu sehr auf diesen auf.

Insgesamt ist die Geschichte von John Wick 4 jedoch zusammengefasst auf die Befreiung von John. Er will sich von der Assassinen Kammer lösen und sieht nur einen Weg. Angriff. Denn sie senden einen Killer nach dem Anderen gegen ihn. Doch anstatt diese abzuwarten, sucht John nach der Quelle. Den Auftraggebern. Um diese aus dem Spiel zu nehmen und sich so endlich selbst aus dem Spiel zu befreien. Auf seine Art.

Donnie Yen in John Wick 4 © Lionsgate

Donnie Yen in John Wick 4 © Lionsgate

John Wick 4 mit Starbesetzung

Keanu Reeves ist nicht der einzige, wenn auch der beliebteste, große Name in diesem vierten Teil. So gesellt sich neben den bereits bekannten Ian McShane und Laurence Fishborne, nun auch Bill Skarsgard als der Haupt-Antagonist in den Film. Er ist als der Marquis zu sehen und die treibende Kraft hinter der Jagd nach John. Allerdings hat er in diesem Film relativ wenig Spielraum um sein wahres Talent zu zeigen und zu entfalten.

Das selbe gilt für Hiroyuki Sanada (Last Samurai, Mortal Kombat), der zwar zu seinen Action Sequenzen kommt, jedoch wieder nur als Randfigur etwas vergeudet wird. Wohingegen Donnie Yen (IP Man, Star Wars: Rogue One) abermals als blinder Charakter Caine um sich prügeln und schießen kann. Und in John Wick 4 damit auch einen genialen Nebencharakter bringt, welcher John zwar ans Leder will. Jedoch diesen auch als Freund respektiert.

Rina Sawayama & Hiroyuki Sanada in John Wick 4 © Lionsgate

Rina Sawayama & Hiroyuki Sanada in John Wick 4 © Lionsgate

Der Aufbau des Assassinen Universums

Schon seit dem ersten Film wird hier eine Welt aufgebaut. Mit der Infrastruktur der Continental Hotels. Einer eigenen Wirtschaft, welche mit den Goldmünzen sogar ihre eigenständige Währung hat. Und einem rigorosen Gesetzes System, an welches sich diese Unterwelt der Auftragsmörder auch zu halten scheint. Denn diese Gesetze werden auch verfolgt im Falle eines Vergehens. So wie es ja auch bei John Wick der Fall ist. Er brach die Regel, dass man auf dem Boden der Continental Hotels keine Geschäfte tätigen darf. Also niemanden umbringen, auch wenn es nicht ein Auftrag sondern persönliche Genugtuung ist.

Nun ist diese Welt halbwegs gut etabliert worden und in John Wick 4 geht es noch ein Stück weiter. Das globale Netzwerk der Kammer und auch der zahlreichen Strukturen wird noch mehr gezeigt. Mit einem eigenen Radiosender, mit Continental Hotels auf der ganzen Welt und (so scheint es) hunderten Killern in nahezu jeder Stadt. Aber auch mit Regeln die wohl über Jahrhunderte bereits überliefert wurden. Regeln die sogar über der Kammer selbst stehen und an welche sich diese zu halten hat. Man denke an das berühmte „Parley“ in Fluch der Karibik. Und wir lernen sogar neue Auftragskiller abseits der Kammer, in Form des Trackers kennen. Der sich nicht auf das Töten, sondern das Aufspüren spezialisiert hat.

li. nach re. Ian McShane. Keanu Reeves, Clancy Brown, Bill Skarsgard, Donnie Yen in John Wick 4 © Lionsgate

li. nach re. Ian McShane. Keanu Reeves, Clancy Brown, Bill Skarsgard, Donnie Yen in John Wick 4 © Lionsgate

John Wick 4 – Stunts vs. Realismus

Was den ersten John Wick Film so heraus stechen ließ, war diese unglaublich schön choreografierte Action. Jeder Takedown, jeder Kill, jeder Fight sah aus wie ein nahezu perfektes Action Ballett. Und genau diese nahtlose fast kunstvolle Weise wie Baba Jaga sich durch die Meuten an Gegnern arbeitete, machte diesen Film zu einem Phänomen. Aber die Fans wollten mehr. Insbesondere zu den Zitaten aus Teil 1 wollten Fans Action sehen. Wie kann John seine Feinde mit einem Bleistift erledigen? Naja, das wurde uns in den nächsten Teilen gezeigt. Und so wurden auch die Choreografien und Stunts immer gewagter und kreativer. Hut ab an Keanu Reeves an dieser Stelle. Immerhin ist er 58.

Aber dieser Teil macht an dieser Stelle etwas, dass ich leider als den zweitgrößten Störfaktor in diesem Film sah. Sie haben diese wundervollen Choreografien fast gänzlich aufgegeben, zu Gunsten wirrer Schießereien ohne große Konsequenzen, da anscheinend jeder nun einen kugelsicheren Anzug trägt. Aber wenn das nicht der größte Störfaktor ist, was dann? Nun noch unrealistischer als die Stunts, ist die Welt selbst. Denn es scheint so, als würde es in Paris keinen Menschen auch nur jucken. Ja nicht mal eine Reaktion zu provozieren. Wenn gerade 30 Auftragskiller sich in John Wick 4 eine wilde Schießerei in den Straßen liefern und dort eine Leiche nach der Anderen liegen bleibt.

Keanu Reeves Showdown in John Wick 4 © Lionsgate

Keanu Reeves Showdown in John Wick 4 © Lionsgate

Fazit zu John Wick 4

Ich würde so gerne schreiben, dass dies eine würdige Fortsetzung der John Wick Reihe ist. Ich würde so gern schreiben dass dies ein unglaubliches Action Fest ist und man diesen Film unbedingt gesehen haben muss. Allerdings ist John Wick wirklich nur da, um die Geschichte rund um Johns Befreiung von der Kammer endlich abzuschließen. Von den vier Filmen rund um John Wick selbst, ist dieser eindeutig der schwächste. In Sachen Story, Action und auch der Charakter selbst ist nicht mehr das, was wir in Teil 1 so gefeiert haben. Die Innovation wich dem Fastandfuri-esquen Action Abstrusum. Die gruselige Schattengestalt Baba Jaga ist viel hektischer, viel sichtbarer als zuvor. Was natürlich daran liegt, dass er sich Scharen von Gegnern stellen muss und das nicht heimlich geht. Aber darunter leidet die Mystik der Figur. Solltet ihr Fan der Reihe sein, spreche ich eine Empfehlung aus. Dann solltet ihr John Wick 4 auch unbedingt gesehen haben. Ansonsten wird euch dieser Film nicht abholen. Und es fühlt sich sehr deutlich so an, als würden sie Spin-Offs mit anderen Killern unbedingt drehen wollen. Darum die vielen neuen Figuren. Und ganz ehrlich, die werde ich mir erst ansehen, wenn sie irgendwann gratis auf Netflix und Co landen.

ReviewWertung

5SCORE

Leider der schwächste Teil der Reihe. Weil er viel von der zuvor aufgebauten Mystik und Action aufgegeben hat, zu Gunsten möglichst spektakulärer Schießereien. Schade eigentlich.