Darum flunkert Sony über das Ende physischer PlayStation-Spiele
Neue Statistiken sollen die Dominanz digitaler Games beweisen. Diese ignorieren aber wichtige Details.
Klaus Kainz Ein freiberuflicher Schreiber für Chronik-Themen, manchmal auch Kultur. Vor allem aber ist er faszinierter Zocker seit mehreren Jahrzehnten. Denn Resident Evil ist intensiver als jeder Horrorfilm, Bloodborne oder Metroid Prime immersiver als jeder Fantasy-Roman - und Dampf ablassen geht kaum besser als mit Streets of Rage oder Ninja Gaiden.
Videospiele sollen auch auf Heimkonsolen ein rein digitales Medium werden. Ab Anfang 2028 will PlayStation nämlich keine physischen Spiele mehr herstellen. Das dürfte auch PS5-Spiele von Drittherstellern betreffen, weil Sony für die Produktion von Blu-rays zuständig ist. Außerdem kursieren Gerüchte, dass Microsoft die nächste Xbox (Project Helix) ohne Disc-Laufwerk veröffentlichen will (via IGN).
Bei Sony verweist man für den drastischen Schritt auf „aktuelle Trends“. Käufer würden digitale Spiele inzwischen „signifikant“ gegenüber physischen Medien bevorzugen, heißt es offiziell (via PlayStation). Dabei handelt es sich aber um eine verzerrte Darstellung.
Sind physische Medien wirklich überholt? Über 80 Prozent aller PlayStation-Inhalte werden inzwischen digital gekauft, geht es nach einem Bericht von Sony (via Gamespot). Das klingt zwar nach einer verheerenden Performance der klassischen Discs. Es zeichnet aber kein korrektes Gesamtbild. Denn die Statistik beinhaltet auch Käufe von DLCs und von rein digitalen Spielen, die physisch gar nicht erhältlich sind. Somit fallen die Zahlen naturgemäß inflationär für die digitalen Inhalte aus. Bei großen Releases von PlayStation war die Aufteilung zuletzt deutlich ausgewogener. Bei Sonys Jump ‘n’ run Astro Bot aus dem Jahr 2024 etwa griffen über die Hälfte der Kunden zur physischen Version (via PSU).
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Darum erklären Firmen physische Spiele für obsolet
Zudem beinhaltet die Statistik keine Daten zum Gebrauchtmarkt. Genau hier liegt aber ein Grund, wieso Firmen derart stark auf die digitalen Verkäufe pochen. Mit dem Ende der physischen Medien gehen Plattformbetreiber gegen alternative Märkte vor. Der Second-Hand-Markt sowie Sonderangebote für physische Discs bei Online-Händlern werden damit ausgeschaltet. Spieler sind gezwungen, Games ausschließlich im PlayStation Network zu kaufen. Dort bestimmt allein Sony die Preise. Kosten und Gebühren für den Vertrieb der physischen Discs fallen ebenfalls weg.
Es geht also um Gewinnmaximierung. Für Kunden bedeutet das wiederum weniger Optionen. Alte Spiele sollen nicht weitergegeben oder billig auf Portalen wie eBay gekauft werden. Stattdessen soll es der Vollpreis im PlayStation Network sein, wo nur die Hersteller gelegentliche Rabatte oder temporäre Vergünstigungen ausrufen können.
Gleichzeitig stehen bei digitalen Spielen die Eigentumsrechte in Frage. Wenige Tage zuvor hat Sony beispielsweise Hunderte Filme aus PlayStation-Konten entfernt, weil Lizenzen ausgelaufen waren (via TechRadar). Im Vorjahr waren außerdem viele digitale Spiele aufgrund eines Serverausfalls über mehrere Tage nicht spielbar. Rund 1,3 Millionen Europäer forderten zuletzt über die Bürgerinitiative „Stop Killing Games“ ein stärkeres Eigentumsrecht bei Games.
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