Andor definiert Star Wars neu

Die ersten drei Episoden zeigen, dass mit Andor eine ,,Star Wars"-Serie auf uns zukommt, die wir so noch nie erlebt haben.

Star Wars: Andor - (C) Disney

Star Wars ist heute an einem anderen Ort, als es noch 2016 der Fall war. Als seinerzeit das ,,Episode IV: Eine neue Hoffnung“-Spinoff Rogue One erschien, fand das Franchise „nur“ auf der großen Leinwand statt. 2022 sieht das schon ganz anders aus. Episode IX war der letzte Film – das dürfte sich aber vielleicht ändern – und Serien erscheinen derzeit halbjährig.

Sei es Obi-Wan Kenobi, die sich hauptsächlich an Prequel-Fans richtete, – ja, es gibt sie! – oder The Book of Boba Fett, das eine Verbrechensgeschichte in einem vertrauten Setting erzählte. Mit Andor reiht sich eine weitere Serie ein, die hingegen unterschiedlicher nicht sein könnte. Denn das Prequel zum Prequel ist nicht mehr oder weniger als das innovativste Star Wars, das abseits der Bücher derzeit existiert.

Andor erzählt Star Wars neu

Andor erzählt die Geschichte des namensgebenden Rebellenhelden, der mit seiner Mitstreiterin Jynn Erso die Zerstörung des Todessterns erst möglich machen soll. Bereits ab der ersten Szene, die untypisch für eine Disney-Produktion in einem Bordell beginnt, ist hingegen klar, dass dieser Cassian noch weit von seinen Heldentaten entfernt ist. Wir treffen auf einen ungestümen Ausgestoßenen, der verzweifelt auf der Suche nach seiner Schwester ist. Als herumstreifender Halunke schreckt er nicht vor Eskalationen zurück. Als er zwei Beamte einer lokalen Sicherheitsfirma tötet, wird auch noch das Imperium auf ihn aufmerksam.

Anders als bei einem heldenhaften Luke Skywalker, haben wir mit Cassian Andor keinen typischen Protagonisten, der dazu bestimmt ist die Galaxie zu retten. Vielmehr zeigt die Serie, was bisher noch kein Eintrag des Franchise so eindrücklich geschafft hat. Es zeigt die einfachen Leute, die die weit, weit entfernte Galaxie bevölkern. Arbeiter, die tagtäglich in imperialen Minen schuften müssen. Technikerinnen, die gerade so über die Runden kommen. Über allem schwebt dabei die ständige Bedrohung, die durch das unterdrückerische Imperium ausgeht.

Während andere ,,Star Wars“-Produktionen nur davon sprechen, erleben wir in Andor die Auswirkungen, die das Imperium auf die Bürger hat, die sich nur ein normales Leben wünschen. Von opportunistischen lokalen Polizisten, die in ihrer neu gewonnen Autoritätsposition aufgehen, bis hin zum namensgebenden Protagonisten, der auf Ärger aus ist und nur auf seine Chance wartet, das Fass zum Überlaufen zu bringen.

Mit Andor bekommen wir eine authentische Drama-Serie, die nur zufällig im ,,Star Wars“-Universum angesiedelt ist. Sie zeigt uns die altbekannte Sci-Fi-Welt hingegen in so einer Tiefe, die wir von dem Franchise bisher nicht gewohnt waren. Sie schafft es dabei einen komplett neuen Ansatz zu finden, der neu und unverbraucht wirkt, sich dabei aber hinter „regulären“ Serien nicht verstecken braucht.

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