Star Wars: Warum sind die Prequels plötzlich gut?

Kaum eine Filmtrilogie erfuhr so viel Hass wie die ,,Star Wars"-Prequels. Doch woher kommt dann die aktuelle Liebe?

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Ein altes Sprichwort unter Fans des erfolgreichsten Filmfranchise der Geschichte lauter wie folgt: Niemand hasst Star Wars so sehr wie die Leute, die es am meisten lieben. Führ Jahrzehnte galt der Sager als Sinnspruch um all jene zu beschreiben, die sich von den Prequels betrogen fühlten. “Das ist nicht das Universum, das ich kenne!”, “Warum labern die über Handelsrouten?”, “Darth Vader als Kind? Du hast meine Kindheit getötet, George Lucas.”, war seit der Veröffentlichung von Eine Dunkle Bedrohung im Jahr 1999 aus allen Ecken des Internets zu hören.

Jedi-Ritter waren keine mystischen Zauberer mehr, sondern asketische Kriegsmönche. Die Macht verlor ihr spannendes Geheimnis, weil sie durch eine empirische Zahl ermittelt werden konnte. Figuren wie Jar Jar Binks oder Dexter Jettster waren mehr Karikaturen als Charaktere, zudem kindisch und nervig. Dass die Filme noch dazu dank mauer Dialoge und schlechter schauspielerischer Leistung nicht sonderlich gut waren, half ihnen indes auch nicht.

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Langzeitfans, die mit der originalen Trilogie aufgewachsen waren, fühlten sich schlicht von George Lucas betrogen. Zuerst schenkte er ihnen ihre Kindheit und dann zerstörte er sie. Millionen Menschen schrien in panischer Angst auf und verstummten plötzlich. Doch hört man sich heutzutage um, scheint sich etwas zu ändern. Nach über zwanzig Jahren (und fünf weiteren Filmen) sind all die schlechten Qualitäten der Prequels vergessen. Was bleibt ist Nostalgie und ein verzerrter Blick. Und das hat einen ganz bestimmten Grund.

Star Wars ist für Kinder

Star Wars ist dafür gedacht, dass es ,,12-Jährige glücklich” macht. Dieses Zitat stammt nicht von einem kleinlichen Erwachsenen, der sich über goldenen Roboter und zweibeinige Fellbestien aufregt. Sondern vom Erzeuger selbst, George Lucas (via Polygon). Er führt weiter aus:

,,Freundschaft, Ehrlichkeit, Vertrauen, immer das richtige zu machen, auf der guten Seite zu bleiben und die Dunkelheit zu vermeiden. […] Das waren die Dingen, die es immer bewirken sollte.”

Für George Lucas war Star Wars immer als Familienfilme gedacht. Als Franchise, das sich Eltern mit ihren Kindern anschauen konnten und alle ihren Spaß dabei hätten. Nicht umsonst ist Luke Skywalker der archetypische Held. Ein Verfechter des Guten, der immer über die Dunkelheit siegen wird. Gut gegen Böse, bei dem Werte wie Freundschaft, Familie und Ehrlichkeit immer siegreich davongehen werden. Und das würde auch die derzeitige Liebe zu den Prequels erklären.

Ähnlich wie in den 1970er-Jahren, erreichten die ,,Star Wars”-Prequels eine neue Generation an Kindern. Kinder, die mit ihrer eigenen Trilogie aufwachsen konnten und sie so über die Jahre lieben gelernt haben. 20 Jahre später sind die vollwertige Erwachsene, die mit einem wohligen Blick zurück auf nostalgische Erinnerungen ihres Heranwachsens schauen. Wo Puristen schlechte CGI-Effekte und seichte Dialoge sehen, sehen Erwachsene der 1990er ihre eigene Kindheit.

Obi-Wan Kenobi wird zum tapferen Krieger. Anakin Skywalker zum tragischen Helden. Klonkrieger zu kompetenten Elitesoldaten, denen Sturmtruppler nicht das Wasser reichen können. Natürlich kann argumentiert werden, dass sich die aktuelle Liebe zu den Prequels auch aus dem allgemeinen Hass gegen die Filme der Disney-Ära speist. Wenn uns George Lucas hingegen eines gelehrt hat, dann dass der Hass niemals Überhand gewinnen kann. Dass die Liebe zu den wohligen Erinnerungen an die Kindheit immer über die Dunkelheit siegen wird.

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