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Artikel von Markus +

Nach den Game Awards 2025 ist bei vielen Xbox-Fans endgültig der Geduldsfaden gerissen. Während PlayStation und PC mit großen Ankündigungen glänzten, wirkte Microsofts Auftritt auffallend blass – trotz der zahlreichen Studioübernahmen der letzten zehn Jahre. Genau das hat eine Debatte neu entfacht, die schon lange unter der Oberfläche brodelt: Muss Xbox in der nächsten Generation vollständig mit dem PC verschmelzen, um zu überleben? Was wird der Xbox Series-Nachfolger können?

Für viele fühlt sich 2025 wie ein weiteres verlorenes Jahr für die Marke an. Hunderte Entlassungen, schwache Hardware-Verkäufe, steigende Game-Pass-Preise und Microsofts starker Fokus auf KI statt Games haben das Vertrauen massiv angekratzt. Doch ein Punkt wiegt für die Xbox-Community schwerer als alles andere: Immer mehr große Titel erscheinen gar nicht mehr für Xbox.

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Besonders deutlich wurde das bei den diesjährigen Game Awards. Ein engagierter Nutzer auf Reddit hat sämtliche dort gezeigten Spiele nach Plattformen aufgeschlüsselt – das Ergebnis sorgte für Frust. Von rund 60 gezeigten Titeln erscheinen nur etwa 29 (plus South of Midnight) auf Xbox, während rund ein Dutzend Spiele komplett an Xbox vorbeigehen und exklusiv für PS5 oder PC erscheinen.

Zu den prominentesten Beispielen zählen Phantom Blade 0 und Nioh 3. Während Nioh traditionell nie auf Xbox vertreten war, traf Phantom Blade 0 viele Fans unerwartet. Kommentare wie: „Warum sieht dieses Spiel fantastisch aus und kommt trotzdem nicht auf Xbox?“ häuften sich.

Xbox vor dem Umbruch: „Die PC-Fusion kann nicht schnell genug kommen“

In der Diskussion kristallisierte sich schnell ein gemeinsamer Nenner heraus: Xbox braucht dringend eine echte Verschmelzung mit dem PC-Ökosystem. Nicht nur Game Pass, sondern eine Plattform, die Entwickler nicht mehr zwingt, zwischen Xbox und PC zu unterscheiden. Und tatsächlich priorisieren Entwickler inzwischen Steam und PC immer stärker – nicht, weil Xbox technisch schwierig wäre, sondern weil sich der Markt verschoben hat. Der PC bietet größere Reichweite und deutlich weniger Plattform-Zwang.

Microsoft hat diesen Kurs für die nächste Xbox bereits angedeutet – und er führt klar in Richtung PC-Markt. Ganz aus dem Nichts kommt dieser Schritt nicht. Schon heute kann man sich seine „Xbox am PC“ zusammenstellen. Die Xbox Full Screen Experience ist bereits offiziell auf allen Windows-11-Handhelds verfügbar, zusätzlich in einer Vorschauversion für Laptops, Desktops und Tablets.

All das wirkt wie die Vorbereitung auf eine neue Generation, in der Xbox weniger klassische Konsole und mehr Gaming-Plattform sein will.

"Full Screen Experience" für Windows 11 - Bildquelle: Xbox.com

„Full Screen Experience“ für Windows 11 – Bildquelle: Xbox.com

Verliert Xbox seine Identität?

Die Frage ist eher, ob überhaupt noch eine existiert. Schließlich erscheint sogar das Halo: Combat Evolved-Remake der Kampagne – Campaign Evolved – für die PlayStation 5. Forza, Fable, Gears und weitere Xbox-Marken folgen ebenfalls auf Sonys Konsole. Das ist die neue Strategie von Xbox, um mit der Gaming-Sparte Geld zu verdienen. Wirtschaftlich geht sie auf – doch was ist mit Identität und Ökosystem?

Die Verschmelzung mit dem PC begann spätestens in dem Moment, als Xbox-Spiele am ersten Tag auch für den PC erschienen. Das bedeutet aber auch: Microsoft wird kein klassisches, subventioniertes Konsolen-Ökosystem mehr aufbauen, das es faktisch nicht mehr gibt. Die nächste Xbox-Konsole – sofern man sie überhaupt noch so nennen sollte – wird ein PC sein. Und ein PC wird nicht subventioniert.

Microsoft wird also, ähnlich wie Valve mit seiner „Steam Machine“, keinen Euro oder Dollar draufzahlen. Die nächste Xbox wird kurzum teuer – gleichzeitig aber auch vergleichsweise günstig für einen stark optimierten Wohnzimmer-PC.

Doch selbst wenn die endgültige PC-Fusion kommt, bleiben große Fragen offen. Microsoft steht vor einer historischen Weichenstellung: Bleibt Xbox eine klassische Konsole mit schrumpfender Relevanz oder wird sie zu einer offenen Plattform, die PC und Konsole endgültig vereint?

Eines ist klar: Ein „Weiter so“ wird nicht reichen. Wenn Xbox in der nächsten Generation wieder eine Rolle spielen will, muss die PC-Fusion mehr sein als ein Buzzword. Sie muss Entwickler überzeugen, Spielerinnen und Spieler halten – und verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

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