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    Gamer-Blog: Wieviel Open World benötigen wir?

    14/04/2016 @ 19:49Bigspotlight

    Ich war 4 Jahre alt. Hier begegnete ich zum ersten Mal einem kleinen, dicken Klempner, der über Leitern kletterte um eine Prinzessin vor einem Gorilla zu retten. Mein Freund hatte da so einen roten Kasten mit Bildschirm, bei dem man das spielen konnte. Durchspielzeit: Ein paar Minuten. Und wir retteten die Prinzessin Stunde für Stunde erneut. Und jedes Mal war es umso lustiger.

    30 Jahre später: Ich begann im Oktober 2015 mit Metal Gear Solid V: The Phantom Pain. Heute, gute 6 Monate und 170 Stunden später, ist das Spiel immer noch nicht abgeschlossen. In der Zwischenzeit sind schon mindestens 5 weitere Blockbuster erschienen, während ich immer noch durch Afghanistan cruise, um Ressourcen für meine Mother Base zu sammeln. Klar könnten wir das überspringen, aber wollen wir wirklich mit einer unfertigen Mother Base das Kapitel abschließen?

    Im Jahr 2015 habe ich genau vier Spiele gespielt:

    • Dragon Age Inquisition: 250 Stunden
    • Bloodborne: 110 Stunden
    • Batman Dark Knight: 180 Stunden
    • MGS V: The Phantom Pain: 150 Stunden und noch laufend

    Selbstverständlich, alle vier waren genial und ich möchte keine Sekunde der Erfahrung missen (wobei die Qualen von Bloodborne seien dahingestellt). Aber eines ist für mich klar erkennbar: Je älter ich werde, desto weniger Zeit habe ich, um mich in diesen Welten zu verlieren. Die Realität nimmt überhand, ob wir Gamer es wollen, oder nicht. Und es wird ein großes Opfer abverlangt: Man muss auf andere Blockbuster-Spiele verzichten! Das Bioshock 4 und Just Cause 3 zum selben Zeitpunkt erschienen sind, daran möchte ich gar nicht denken…Und sie waren ebenfalls Open World Spiele!!

    Daher stellt sich für mich die Frage: Wieviel Open World benötige ich, um mich als Gamer zu “entfalten”? Wieviel Entscheidungsfreiheit ist notwendig?


    Wie lange noch?

    Obwohl ich mich über MGSV extrem gefreut habe und es nicht erwarten konnte, in diese Welt einzutauchen, nach den ersten paar Stunden war mir klar: Das wird EWIG dauern! Und immer, wenn ich mich gefreut habe, dass die Story weitergeht, kamen da wieder eine Unmenge an Nebenmissionen, welche bewältigt werden wollten. Und als Gamer schlägt das Perfektionsherz natürlich lauter und stärker als alles andere! Somit werden wieder Stunden und Tage investiert, um diese zu bewältigen.

    Dann ist da noch diese unglaublich riesige Mother Base-Anlage, dein persönlicher Stützpunkt, den du ausbauen kannst. Ein kleines Sim City mitten in MGS? Selbstverständlich machen wir das auch!

    Und dafür werden Unmengen an Ressourcen und finanziellen Mitteln benötigt.

    Sobald der Stützpunkt eine gewisse Größe erreicht hat, kommt da glatt ein neues Menü: Man kann noch weitere Stützpunkte kaufen und bauen!! Was jetzt? Nochmals 50 Stunden investieren und sammeln? Nein, das wird nicht reichen, denn alles ist jetzt um 50% teurer! Je mehr das Entfaltungsangebot stieg, umso mehr stieg die Frustration. Ich möchte doch nur die Geschichte des armen Big Boss zu Ende bringen, welcher seit 30 Jahren darauf wartet, in den Ruhestand gehen zu dürfen. Sogar Kojima musste Konami verlassen, um Snakes Pension sicherzustellen!


    Zielgruppengerecht

    Seit meiner Jugend habe ich immer die Debatte der zielgruppengrechten Spiele verfolgt. Alle beschweren sich darüber, das die Games für jüngere Personen nicht geeignet sind, man müsse indizieren, Inhalte zensurieren, und so weiter. Wie sieht es aber mit dem Zeit-Investment aus? Werden Zielgruppen nur mehr nach dem Gewalt-Level von Games definiert?

    Gerade bei MGS ist dies eine gerechtfertigte Frage. Das Spiel blickt auf eine Geschichte von gut 30 Jahren zurück. Junge Gamer werden von den Vorgängern vielleicht noch nie gehört haben. Jedoch sind genau sie diejenigen, die auch die Zeit haben, hunderte von Stunden in solchen Welten zu verbringen.

    Auf der anderen Seite stehe ich. Kennt alle Vorgänger, ist mit ihnen aufgewachsen, ABER: Ist berufstätig, muss sich um eine Familie kümmern, den Garten pflegen und noch sonstige Hausarbeiten erledigen. Im Schnitt bleiben da 2-5 Stunden pro WOCHE zum Spielen. Also, wie soll man bei einem +250 Stunden Spiel jemals in einem vernünftigen Zeitraum fertig werden? Selbstverständlich könnte man sich auch nur auf die Hauptmissionen konzentrieren, einem Pfad folgen, aber dann benötige das Spiel doch gar nicht, sondern schaue mir gleich die Youtube-Zusammenfassung an.


    Back to the roots

    Vor ein paar Jahren fand ich es selbst noch komisch, warum es eine “Retro-Szene” gibt. Ja, es hatte einen nostalgischen Wert, alte Games wieder zu sehen oder zu spielen. Aber ich konnte dem nicht folgen, da Games sich um so vieles weiterentwickelt haben. Aber jetzt langsam wird es mir klar.

    Ich kann mich heute noch erinnern, als ich Sonic 3 für meinen Mega Drive gekauft hatte. Ich spielte es noch am selben Tag durch. Und von da an jeden weiteren Tag über die nächsten Monate. Nie verschwendete ich einen Gedanken daran, dass es das 678. Mal ist, dass ich es spiele. Es war einfach nur geil! Ein simples Spiel das zu höchsten Glücksgefühlen führte und das in nur kürzester Zeit. Ich glaube, das ist es auch, was den Ruf nach Retro so fördert.


    Nach dem Ende auch kein Ende

    Dieses schnelle erreichen von Glücksgefühlen, das sind die Erinnerungen, die hängen geblieben sind. Für was wir damals zwischen 2-5 Stunden investierten, müssen wir heute +200 Stunden arbeiten. An einem Spiel! Und dann wird die Vorfreude gleich wieder zertrampelt! Hier ein Beispiel:

    Nach 250 Stunden Dragon Age genoss ich den Abspann voller Freude und ließ mir die abenteuerlichen Bilder meiner Drachenkämpfe nochmals durch den Kopf gehen. Am Ende angelangt, was poppt da auf: DLC´s!! Das Spiel geht noch weiter und wenn man diese nicht spielt, verpasst man wichtige Entwicklungen!

    Selbstverständlich wünsche ich mir dann die gute, alte Zeit herbei.


    Break-Even

    Somit entsteht hier ein Konflikt zwischen Gamern und Games-Produzenten. Publisher wollen natürlich das meiste aus ihrer Marke herausholen und je länger sich Spieler mit ihren Games beschäftigen, umso besser für sie. Die reine Spielzeit aber, die Gamer investieren können, sinkt mit dem Alter. Es kommt ein Moment, wo der Break-Even erreicht ist und ab da geht es nur mehr bergab. Ab dann wird auch die Frustration mit solchen Spielen die Überhand nehmen, egal wie toll und besonders das Spiel auch sein mag (und das ist MGS V auf jeden Fall!!). Zeit ist kostbar und sie will effizient investiert werden.

    Aber ich denke auch, dass die Industrie, dies beachten sollte. Man kann nicht nur Games produzieren, mit denen man unendlich viel Zeit verbringen muss, um diese Gefühle zu erlangen. Spiele sollten wie andere Produkte ihren Zielgruppen angepasst werden. Ein Spiel kann nicht eine Zielgruppe von 18 bis unendlich zufriedenstellen.

    Während ich mit 18 gerne 100 Stunden nur am Ausbau meiner Mother Base gessessen wäre, möchte ich heute eine Story und ein Erlebnis, das mich fesselt und keine 100 Stunden meiner Zeit beansprucht. Wobei 100 Stunden meine Mentale Grenze für mein Gaming-Investment ist. Dann würde ich gerne zum nächsten Spiel übergehen. Daher muss es einen Unterschied geben zwischen Games der jüngeren und der älteren Generation. Die Ansprüche und Anforderungen an Games sind komplett unterschiedlich.

    Wer weiß, vielleicht wäre das gar eine komplett separate Schiene von Spielen. Muss ein Big Boss noch jemanden überzeugen, der zu Zeiten von Pokemon das Licht der Konsole erblickt hat? Ich denke nicht, denn auch ein Pokemon muss mich nicht von seiner Existenz überzeugen. Trotzdem erreichen beide Millionen von Menschen. Daher glaube ich auch, dass ein Metal Gear nicht so umfangreich sein muss, wie es schlussendlich war. Ich wäre mit halb so vielen Missionen und nur einem Stützpunkt genauso zufrieden gewesen.

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    ÜBER "Adnan"

    Adnan spielt eigentlich schon immer Videogames und liebt Comics. Außerdem ist er ein leidenschaftlicher Gärtner, Hobby-Musiker und BBQ-Experte.
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