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VAMPYR – Review

Unser entscheidungsschwerer Test zum Vampir-Rollenspiel

Ob Jonathan Reid das Zeug dazu hat Dr. Acula vom Thron der Vampirfürsten zu stürzen lest Ihr im folgenden Test.

Bereits bei der E3 2016 hörten wir zum ersten Mal von Dontnod’s Vampyr. Kurz nach deren riesen Überraschungserfolg des Episoden Adventure „Life is Strange“ rund um Zeitreisende Teenager kündigte das französische Entwicklerteam Dontnod bereits das dunkle Rollenspiel an. Auf der gamescom 2017 durfte ich das „Entscheidungsschwere Vampir-Rollenspiel“ Vampyr endlich selbst testen und konnte den Release nicht mehr erwarten.

From Hell

Da hat man gerade eben den ersten Weltkrieg überstanden und schon klopft die nächste Hiobsbotschaft an die Tore Londons. Der Ausbruch der spanischen Grippe hat dem sowieso schon desolaten Ökosystem der Hauptstadt den Todesstoß verpasst. Zu Hunger, Angst und Armut auf den Straßen gesellt sich nun auch noch ein tödlicher Influenza Virus.

Team Jonathan

Wer nun denkt schlimmer kann es nicht mehr kommen, hat noch nicht Dr. Jonathan Reid kennen gelernt. Als Chirurg und Forscher genießt Jonathan einen guten Ruf bei seinen Kollegen. Während des Ersten Weltkriegs dient er als Feldarzt. Eben von der französischen Front zurückgekehrt und in freudiger Erwartung seine Familie wieder zu sehen wird er auf den Straßen Londons angegriffen und bricht bewusstlos zusammen. Seine letzte Erinnerung gilt einem seltsamen Wesen, das sich seinem Hals nähert und dabei ein düsteres Gedicht vor sich hinmurmelt. Und ehe er sich versieht wacht der ärmste begraben unter etlichen Toten in einem Massengrab mitten im zerbombten und verzweifelten London als Vampir wieder auf.

Auf der Suche nach dem Schöpfer

Genau hier steigen wir auch in die Story von Vampyr ein. Durch Kurze Rückblenden die stark an Graphic Novels wie 300 und From Hell erinnern, erhalten wir im Handumdrehen wichtige Information Schnipsel bevor wir uns auch schon durch die Straßen Londons auf den Weg machen um die Frage zu klären wer uns in einen Vampir verwandelt hat. Bei unserer Suche sammeln wir Ressourcen, um Medizin und Waffen zu craften, und liefern uns actionreiche Kämpfe in klassischer Rollenspielmanier.

Ausdauer und Gesundheits- Erweiterungen sind nur Standard Werk.

Denn viel spannender wird es bei unseren dämonischen Angriffen, wie etwa dem Blutspeer. Dieser durchbohrt, wie der Name es bereits erahnen lässt, unsere Gegner ebenso erfolgreich wie die magische Klaue sie zerfetzt. Ultimative Angriffe wie Abgrund, dessen Schattenspieße die Feinde regelrecht pfählt sind natürlich ebenso Pflicht für ein Geschöpf der Nacht wie das Amen in der Kirche.

Natürlich stehen uns als Vampir eine Menge Spezialfähigkeiten zur Verfügung auf unserem Weg durch London. Mächtige passive und aktive Skills, gilt es im Verlauf unserer Geschichte zu erwerben und aufzubessern. Um das allerdings tun zu können müssen wir erst einmal an Erfahrungspunkte kommen.

Moralisches Dilemma

Im Rahmen eines klassischen Charaktersystems werten wir unseren Helden natürlich immer weiter auf. Doch hier kommt der teuflisch gute Teil der Vampyr zu etwas Besonderen macht. Nicht die zahlreichen Waffen, Fähigkeiten oder unterschiedlichen Gegnertypen bringen uns im  Laufe des Abenteuers unsere so wichtigen Erfahrungspunkte ein, sondern unsere Entscheidungen, ob wir uns unseren „vampirischen“ Blutdurst hingeben oder nicht.

„Vampirischer“ Eid

Wir haben als Vampir jederzeit die Wahl, unliebsamen Bürgern das Blut auszusaugen und dafür Erfahrungspunkte zu kassieren. Jedoch sollten diese Entscheidungen weise gefällt werden, weil unser Handeln große oder kleine Auswirkungen auf das Beziehungssystem des Spieles und somit auch auf bestimmte Story Stränge haben kann. Töten wir zum Beispiel ein Mitglied der Adelsfamilie verfällt das Stadtviertel in dem wir wenige Augenblicke zuvor noch sicher umher spazieren konnten in Panik und wird von hoch „leveligen“ Mobs durchstreift.

Mit dem Ableben bestimmter Bürger gehen auch jede Menge Erfahrungspunkte flöten und die Zeit, die wir damit zugebracht haben über die mögliche Auslöschung eines NPC’s nachzudenken war vergebene Liebesmüh. Teilweise wird Vampyr sehr Dialog lastig und die unterschiedlichen Geschichten der Bürger sind nicht immer gleich spannend oder klug erzählt. Eine grandiose englische Sprachausgabe lässt die unterschiedlichen englischen Dialekte im London des 1918 auferstehen und jeder Versuch an Synchronisation hätte sehr viel Charme des Spieles genommen. Bei manchen deutschen Untertiteln fragt man sich allerdings wie diese es in ein fertiges Spiel geschafft haben.

Technik mit mehr Biss

So großartig die atmosphärische Welt und die moralischen Entscheidungen bei Vampyr auch sind die technische Seite des Spieles kommt leider mit einigen Tücken daher. Ladezeiten und Framerate Einbrüche sind teilweise sehr störend und Spielabbrüche mit Fehlermeldung sorgen immer wieder für Frust. Hoffentlich sorgt der ein oder andere Patch dafür, dass sich auch die Spielemechanik von Ihrer besten dunklen Seite zeigen kann.

Requiem der Nacht

Für den Soundtrack von Vampyr ist der mehrfach ausgezeichnete und vom British Academy Film Award (BAFTA) nominierte Olivier Derivière verantwortlich. Derivière ist vor allem für seine Kompositionen zu Spielen wie Assassin’s Creed IV Black Flag – Schrei nach Freiheit und Remember Me bekannt. Bei Vampyr holt er sich tatkräftige Unterstützung von Eric-Maria Couturiers vom Ensemble Intercontemporain de Paris. In Verbindung mit Industrial-Klangtexturen erschafft das Duo damit die perfekte musikalische Untermalung zu den grausamen Kämpfen auf den Strassen Londons sowie dem inneren Kampf des Protagonisten.

FAZIT zu Vampyr

Vampyr ist ein ambitioniertes und großartiges Spiel das atmosphärisch zu begeistern weiß. Mit Jonathan Reid besitzt es auch eine sehr sympathische Hauptfigur deren Entscheidungen im wahrsten Sinne des Wortes „Leben verändert“ und dessen Moralsystem mich nicht nur einmal zögern lies als es hieß „Tod oder Lebendig?“

Framerate Ruckler zerstören stellenweise leider die sonst tolle Spielwelt. Zu lange Ladezeiten beim betreten von Gebäuden und Abschnitten trüben den Spielspaß ebenso wie die ewig langen Ladezeiten nachdem man einmal das Zeitliche gesegnet hat und sind leider Minuspunkte die man nicht unter den Tisch kehren kann. Hier sollte das französische Entwicklerteam schnell den ein oder anderen Patch nachreichen.

Vampyr ist seit dem 05. Juni 2018 für Playstation 4, Xbox One und PC im Handel erhältlich.

ReviewWertung

8SCORE

Vampyr ist ein ambitioniertes und großartiges Spiel das atmosphärisch zu begeistern weiß. Die technische Seite hätte allerdings eindeutig mehr Biss vertragen.

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