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Artikel von Michael + & Manuel

Heute ist Star Wars allgegenwärtig. Man kommt kaum an der Marke vorbei. Aber 1996 war die Situation eine ganz andere. Denn nach der Zerstörung des zweiten Todessterns in Return of the Jedi waren die Fans  hungrig nach neuem Stoff aus einer weit, weit entfernten Galaxis. Gestillt wurde dieser Hunger nur durch das Expanded Universe: Timothy Zahns Thrawn-Trilogie, Klassiker wie Dark Forces und Kurzgeschichtensammlungen wie Tales From the Mos Eisley Cantina. Das waren die Orte wo man Star Wars erleben konnte.

Es gab viele großartige Geschichten, aber am Ende wollten doch alle nur eins: einen neuen Film. Einen offiziellen, direkt von George Lucas. Der ließ allerdings noch einige Zeit auf sich warten. In der Zwischenzeit servierte uns Lucasfilm aber das nächstbeste: Shadows of the Empire. Ein gigantisches Multimedia-Projekt, das sich wie ein vollwertiges Star Wars-Sequel anfühlte – angesiedelt zwischen The Empire Strikes Back und Return of the Jedi. Es erschien in fast allen Medien … nur eben nicht als Film.

Der Fan Test

Böse Zungen könnten ja jetzt behaupten, das Ganze war eine geniale Möglichkeit für Lucasfilm, Geld zu verdienen, ohne dass ein neuer Film gedreht werden muss. Doch in meinen Augen war Shadows of the Empire der Test ob Star Wars immer noch funktioniert. Es gab zwei Romane (einen für Erwachsene, einen für Jugendliche), Comics, Actionfiguren, Modellbausätze, Trading Cards – wirklich alles, was man sich vorstellen kann. Aber jenseits der Kommerzschiene war die Geschichte selbst auch fantastisch. Daher ist es kein Wunder, dass Shadows of the Empire bis heute eine der beleibtesten  Star Wars-Geschichten überhaupt ist.

Im Mittelpunkt steht Dash Rendar, ein draufgängerischer Schmuggler, der sich der Rebellion anschließt und gemeinsam mit Luke und Leia daran arbeitet, Han Solo aus Jabbas Palast zu befreien. Parallel dazu spinnt Unterwelt-Boss Prince Xizor seine Intrigen: Er will Darth Vader stürzen und selbst zur rechten Hand des Imperators werden. Es hätte ein perfekter Star-Wars-Film sein können – aber auch als Roman von Steve Perry funktioniert die Geschichte hervorragend, detailreich und spannend erzählt.

Star Wars: Shadows of the Empire - ©LucasArts - Screenshot: store.steampowered.com

Star Wars: Shadows of the Empire – ©LucasArts – Screenshot: store.steampowered.com

Natürlich durfte ein Videospiel nicht fehlen

LucasArts brachte Shadows of the Empire 1996 für das N64 heraus und sollte ursprünglich ein Starttitel für Nintendos neue Konsole werden. Hier war die Macht nicht ganz auf der Seite der Entwickler, denn erst mit ein paar Monaten Verspätung kam der Titel rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft in die Läden. Über eine Million verkaufte Exemplare – nicht zuletzt dank des legendären ersten Levels: der Schlacht von Hoth. Dash steigt in einen Snowspeeder, kämpft Seite an Seite mit Rogue Squadron und legt sich mit AT-ATs an. Damals die authentischste digitale Umsetzung einer Star-Wars-Schlacht überhaupt.

Besonders cool: man spielte eben nicht Luke oder einen Jedi, sondern einen „Schurken“, der trotzdem ein Held war – eher Han Solo als Luke Skywalker. Das war neu, das war aufregend. Das Spiel war größtenteils ein Third-Person-Shooter, hatte aber auch Abwechslung: ein Swoop-Bike-Rennen, 360-Grad-Raumschlachten mit Dashs Schiff, der Outrider. Ja, die Steuerung war schon damals hakelig – heute noch mehr – aber das störte mich nicht. Ich war einfach nur glücklich endlich in das Star Wars Universum abtauchen zu dürfen.

Ein multimediales Experiment

LucasArts war einer der ersten Partner von Nintendo beim N64. Shigeru Miyamoto selbst gab Input, Dashs Animationen lebendiger zu gestalten. Motion-Capture übernahm niemand Geringeres als Industrial Light & Magic, das Effektstudio hinter Star Wars. Und Nintendo erhöhte sogar die Cartridge-Größe von 8 auf 12 MB, damit die orchestrale Musik Platz hatte – ein riesiges Projekt.

Und genau hier kommt der Soundtrack ins Spiel: Joel McNeely, Emmy-prämierter Komponist, schrieb eine komplett neue Star-Wars-Partitur, eingespielt vom Royal Scottish National Orchestra und einem 150-köpfigen Chor. Veröffentlicht am 23. April 1996 bei Varèse Sarabande. Besonders bemerkenswert: Er basiert nicht auf einem Film, sondern – wie klassische Programmmusik – auf Steve Perrys Roman. McNeely wollte bewusst nicht John Williams kopieren, sondern seinen eigenen Stil einbringen, integrierte aber bekannte Themen wie das „Main Title“, den „Imperial March“ und das „Force Theme“.

Der Soundtrack verstärkte das Gefühl, dass man wirklich einen Film verpasst hatte – obwohl es nie einen gab. Zusammen mit Roman, Comic, Game und Merchandise wirkte Shadows of the Empire wie ein „verlorenes Star-Wars-Sequel“.

Ein ehrlicher Blick zurück zeigt allerdings die größte Schwäche des Spiels: abseits der Star Wars Lizenz handelte es sich um einen sperrigen Third-Person-Shooter mit hackliger Steuerung. Nichtsdestotrotz war Shadows of the Empire DER Wegbereiter für heutige Star Wars Titel und das in einer Übergangszeit, in der man noch herausfinden musste, wie 3D-Games auf Konsolen funktionieren.

Star Wars – Shadows of the Empire ist und bleibt ein Legendärer (Retro) Titel in dem ich einige meiner besten Videospiel Erfahrungen machen durfte. Wenn ihr noch mehr über Shadows of the Empire erfahren wollt, dann ab zu unseren Podcast. Manuel und ich haben uns zusammengetan und dem Spiel eine ganze Episode gewidmet.

Möge die Macht mit euch sein und viel Spaß beim zuhören!

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