PCIe 5.0 verspricht enorme Geschwindigkeiten doch lohnt sich der Umstieg für Gamer wirklich?
Mainboards, SSDs und Grafikkarten unterstützen PCIe 5.0 inzwischen immer häufiger. Doch bringt die neue Schnittstelle im Gaming-Alltag tatsächlich spürbare Vorteile oder zahlen viele Spieler für Leistung, die sie kaum nutzen?
René Nikel Seit Dino Wars oder North & South am Amiga hat sich in der Spieleindustrie so einiges verändert, meine Leidenschaft für Videospiele allerdings nicht. Bereits mit fünf Jahren hatte ich zum ersten Mal einen Joystick in der Hand und seit diesem Moment war die virtuelle Welt wie ein zweites Zuhause für mich. Ich finde so ziemlich jedes Genre interessant, selbst wenn es sich nur um einen kleinen Indie Titel handelt. Die aktuellste Nintendo Konsole und ein leistungsstarker PC gehören bei mir zur Grundausstattung. Seit mittlerweile fast zehn Jahren verbinde ich meine Begeisterung für Videospiele außerdem mit dem Gaming Journalismus.
Wer sich derzeit einen neuen Gaming-PC zusammenstellt, stößt früher oder später auf PCIe 5.0. Nahezu jeder aktuelle Test, jedes Mainboard und viele neue SSDs werben mit der neuesten Schnittstelle. Auf den ersten Blick klingt das beeindruckend. Doppelte Bandbreite, höhere Geschwindigkeiten und modernste Technik. Doch stellt sich schnell eine entscheidende Frage. Merkt ihr davon beim Spielen überhaupt etwas?
PCIe 5.0 ist ohne Zweifel die leistungsfähigste Schnittstelle für Consumer-PCs. Im Alltag profitieren allerdings längst nicht alle Nutzer gleichermaßen davon. Gerade beim Gaming fällt der Unterschied häufig kleiner aus, als es die beeindruckenden Zahlen auf dem Datenblatt vermuten lassen.
Was ist PCIe 5.0 überhaupt?
PCI Express, kurz PCIe, verbindet wichtige Komponenten wie Grafikkarten oder SSDs mit dem Mainboard. Mit jeder neuen Generation steigt die verfügbare Bandbreite deutlich an.
Werbung
PCIe 5.0 verdoppelt die maximale Übertragungsrate gegenüber PCIe 4.0. Eine moderne M.2-SSD kann dadurch theoretisch Transferraten von über 14 GB pro Sekunde erreichen. Das klingt nach einem gewaltigen Sprung und sorgt in Benchmarks regelmäßig für beeindruckende Ergebnisse.
Im Alltag sehen diese Werte jedoch oft anders aus.
Beim Spielen bleibt der Unterschied meist klein
Wenn ihr hauptsächlich spielt, werdet ihr zwischen einer schnellen PCIe-4.0-SSD und einem aktuellen PCIe-5.0-Modell häufig kaum einen Unterschied bemerken.
Werbung
Spiele laden heute zwar große Datenmengen, doch die Ladezeiten hängen nicht ausschließlich von der maximalen SSD-Geschwindigkeit ab. Auch die Spiele-Engine, die CPU und die Art, wie Daten verarbeitet werden, spielen eine wichtige Rolle.
In vielen Tests unterscheiden sich moderne PCIe-4.0 und PCIe-5.0-SSDs deshalb oft nur um wenige Sekunden beim Laden großer Spiele. Im eigentlichen Gameplay bleibt der Unterschied meist unsichtbar.
DirectStorage zeigt das Potenzial
Ganz abschreiben sollte man PCIe 5.0 dennoch nicht. Microsofts DirectStorage zeigt bereits, wohin die Reise geht.
Werbung
Die Technologie ermöglicht es Spielen, Daten deutlich effizienter von der SSD an die Grafikkarte zu übertragen und entlastet dabei den Prozessor. Je mehr Entwickler DirectStorage künftig nutzen, desto interessanter werden besonders schnelle SSDs.
Noch unterstützen allerdings vergleichsweise wenige Spiele die Technik umfassend. Das könnte sich in den kommenden Jahren ändern.
Content Creator profitieren deutlich stärker
Während Gamer heute nur selten große Unterschiede bemerken, sieht die Situation bei professionellen Anwendungen anders aus.
Werbung
Wer regelmäßig 8K-Videos bearbeitet, riesige Projekte rendert oder mit sehr großen Datenmengen arbeitet, spart durch PCIe-5.0-SSDs durchaus Zeit. Auch Entwickler und Kreativschaffende können von den höheren Übertragungsraten profitieren.
Für klassische Gaming-PCs bleibt dieser Vorteil dagegen häufig theoretischer Natur.
Auch die Kühlung wird wichtiger
Mehr Geschwindigkeit bringt einen weiteren Nachteil mit sich. PCIe-5.0-SSDs entwickeln deutlich mehr Abwärme als viele ältere Modelle.
Werbung
Deshalb setzen zahlreiche Hersteller inzwischen auf große Kühlkörper oder sogar kleine Lüfter. Wer einen kompakten Gaming-PC baut, sollte diesen Punkt nicht unterschätzen. Ohne ausreichende Kühlung kann eine SSD ihre Geschwindigkeit automatisch reduzieren, um sich vor Überhitzung zu schützen.
Ein gut belüftetes Gehäuse wird dadurch wichtiger denn je.

Moderne Grafikkarten unterstützen bereits PCIe 5.0. – Bild: Sergei Starostin / Pexels
Wie sieht es bei Grafikkarten aus?
Auch aktuelle Grafikkarten unterstützen PCIe 5.0 immer häufiger. Im Gaming-Alltag bringt das bislang allerdings kaum Vorteile.
Werbung
Selbst moderne High-End-Grafikkarten schöpfen die Bandbreite von PCIe 4.0 in den meisten Spielen noch nicht vollständig aus. Deshalb liegen die Leistungsunterschiede zwischen PCIe 4.0 und PCIe 5.0 meist im kaum messbaren Bereich.
Das bedeutet gleichzeitig, dass Besitzer eines guten PCIe-4.0-Systems aktuell keinen Grund haben, allein wegen der Schnittstelle aufzurüsten.
Wer sollte heute auf PCIe 5.0 setzen?
Plant ihr gerade einen komplett neuen High-End-PC, spricht wenig gegen PCIe 5.0. Die neue Technik gehört mittlerweile bei vielen aktuellen Plattformen zum Standard und macht das System zukunftssicher.
Werbung
Besitzt ihr dagegen bereits einen leistungsstarken Gaming-PC mit PCIe 4.0, lohnt sich ein Upgrade allein wegen der Schnittstelle derzeit kaum. Das Geld ist häufig besser in einer stärkeren Grafikkarte, einem schnelleren Prozessor oder mehr Arbeitsspeicher investiert.
Die Zukunft gehört PCIe 5.0
Auch wenn viele Spieler heute noch wenig davon merken, führt langfristig kaum ein Weg an PCIe 5.0 vorbei. Spiele werden größer, DirectStorage verbreitet sich langsam und SSDs erreichen immer höhere Geschwindigkeiten.
Die neue Schnittstelle ist deshalb weniger eine Revolution für den heutigen Gaming-Alltag als vielmehr eine Investition in die kommenden Jahre. Wenn ihr gerade einen neuen PC plant, könnt ihr PCIe 5.0 also beruhigt mitnehmen. Ein teures Upgrade eines bestehenden Systems lohnt sich aktuell jedoch nur in den seltensten Fällen.
Werbung
Manchmal ist die neueste Technik eben nicht automatisch die sinnvollste Anschaffung. Gerade beim Gaming zählt am Ende das Gesamtpaket und nicht nur die höchste Zahl auf dem Datenblatt.
- Gaming-Technik verändert sich grundlegend und stellt Spieler vor neue Entscheidungen
- Lesenswerter Artikel
- Grafikkarten stehen vor ihrer nächsten Bewährungsprobe und viele Gaming PCs geraten an ihre Grenzen
- Lesenswerter Artikel
- Nvidia überrascht mit neuen RTX-Designs und zeigt, wohin sich Gaming-Grafikkarten entwickeln
- Lesenswerter Artikel
- Die Speicherkrise erreicht jetzt sogar Xbox und die Folgen könnten Gamer schon bald spüren
- Lesenswerter Artikel
- PCIe 6.0 steht vor der Tür und könnte SSDs und Grafikkarten verändern
- Lesenswerter Artikel
- Käufer freute sich über RTX-4090-Schnäppchen und erlebte eine böse Überraschung
- Lesenswerter Artikel
- SSDs könnten bald deutlich teurer werden, ausgerechnet wegen KI
- Lesenswerter Artikel
- Verlorene Intel-GPU taucht wieder auf und macht PC-Fans neugierig
- Lesenswerter Artikel
Meine persönliche Einschätzung
Nach reiflicher Überlegung habe ich mich bewusst gegen eine PCIe-5.0-SSD entschieden. Der Hauptgrund war für mich die deutlich höhere Wärmeentwicklung. Die zusätzlichen Übertragungsraten klingen auf dem Papier zwar beeindruckend, im Alltag würden sie mir aktuell aber kaum einen spürbaren Vorteil bringen.
Deshalb fiel meine Wahl auf die WD Black SN7100 mit 2 TB. Sie bietet für meine Anforderungen das beste Gesamtpaket aus Leistung, Effizienz und Preis. Gerade als Windows-Laufwerk liefert sie mehr als genug Geschwindigkeit, ohne dabei so hohe Anforderungen an die Kühlung zu stellen wie viele PCIe-5.0-Modelle.
Werbung
Wenn ihr gerade euren eigenen Gaming-PC zusammenstellt, würde ich persönlich das gesparte Geld eher in eine stärkere Grafikkarte, einen besseren Prozessor, ein hochwertiges Mainboard oder ein leises Netzteil investieren. Diese Komponenten machen sich im Alltag und beim Spielen meist deutlich stärker bemerkbar als der Wechsel von einer schnellen PCIe-4.0 auf eine PCIe-5.0-SSD.
Auf eine PCIe-5.0-SSD könnt ihr jederzeit später noch aufrüsten, falls Spiele oder Anwendungen in Zukunft tatsächlich stärker von der zusätzlichen Bandbreite profitieren.
Hast du einen Fehler entdeckt oder weitere Infos zu diesem Artikel? Dann schick uns gerne dein !





