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Artikel von Markus +

Für viele GameStop-Kunden in den USA fühlt sich der Jahresstart 2026 wie ein stiller Abschied an. Statt großer Ankündigung standen manche einfach vor ihrem Laden und fanden dort Hinweise, dass die Filiale bald dichtmacht. Laut einem Bericht von Polygon.com wurden Informationen teils per Aushang kommuniziert, inklusive QR-Code und einem Gutschein für einen 20-Prozent-Trade-in-Bonus. Für Stammkunden ist das ein seltsamer Moment: Du willst nur kurz nach einem Spiel schauen und merkst, dass es dein letzter Besuch sein könnte.

In Diskussionen berichten einige Kunden, dass die nächste Filiale plötzlich weit weg ist. Wer bisher „mal schnell“ vorbeigefahren ist, muss künftig teilweise deutlich länger unterwegs sein. Genau diese Alltagsnähe macht die Schließungen so spürbar: Es geht nicht nur um Retail, sondern um den Ort, an dem man früher Poster gesehen, Special Editions entdeckt oder einfach herumgestöbert hat. Etwas was wir in Österreich so nicht mehr kennen. Die große Filialkette mit Videospielen und Merch ist 2022 bei uns verschwunden!

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Wie groß ist die Welle wirklich? Community versucht, die Lücken zu füllen

Wie viele Stores am Ende betroffen sind, ist schwer zu greifen, weil es keine zentrale, offizielle Liste gibt, die jeder einfach nachschlagen kann. „Polygon“ spricht von Schätzungen, nach denen bis zu 296 Filialen in dieser ersten Welle bereits geschlossen haben oder kurz davor stehen. Parallel dazu versuchen Fans und Beobachter, den Überblick selbst zu behalten. Ein Beispiel ist der Tracker GSClosing (via Blogspot), der gemeldete und bestätigte Schließungen sammelt. Das ist keine offizielle Unternehmensquelle, aber er zeigt, wie groß das Bedürfnis nach Transparenz gerade ist. Jeder neue Eintrag wirkt wie ein weiterer Stein, der aus einem Gebäude gezogen wird, das ohnehin schon wackelt.

Besonders bitter sind die Stimmen der Beschäftigten. In einem Reddit-Thread, der die erste Welle der Schließungen begleitet, beschreiben Mitarbeitende ihren Frust und die Unsicherheit, ob noch mehr kommt. Dort wird auch deutlich, wie emotional das Thema ist. Manche schreiben, sie hätten ihren Store über Jahre mit aufgebaut, andere sprechen davon, dass selbst gut laufende Filialen nicht sicher seien. Ähnliche Diskussionen laufen auch auf ResetEra, wo Nutzer über Schließungen, mögliche Hintergründe und die Wirkung auf lokale Communities sprechen. Der Ton schwankt zwischen Wut, Resignation und dieser typischen Gamer-Nostalgie, die man nicht wegdiskutieren kann.

Währenddessen: CEO Ryan Cohen und das 35-Milliarden-Versprechen

Fast noch härter wirkt der Kontrast zur zweiten großen Nachricht: GameStop hat seinem CEO Ryan Cohen ein extrem ambitioniertes, performance-basiertes Optionspaket in Aussicht gestellt. „Polygon“ beschreibt das Paket als potenziell bis zu 35 Milliarden US-Dollar schwer. Allerdings nur, wenn das Unternehmen massive Ziele erreicht. Unter anderem soll die Marktkapitalisierung auf 100 Milliarden Dollar steigen und die operativen Ergebnisse müssten entsprechend explodieren.

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Aus Sicht vieler Beschäftigter liest sich das wie ein anderes Universum. Während sie über kurzfristige Schließungen, Transfers oder das Ende ihres Jobs sprechen, steht oben ein Bonusmodell im Raum, das nach „Alles oder nichts“ klingt. Selbst wenn es an harte Ziele gebunden ist: Das Timing fühlt sich für viele wie ein Schlag ins Gesicht an.

GameStop startet 2026 wohl mit einem harten Einschnitt in den USA. Für das Unternehmen ist es womöglich ein Schritt, um Kosten zu drücken und sich neu auszurichten. Für Mitarbeiter und Fans wirkt es hingegen wie ein weiterer Beweis, dass der stationäre Gaming-Handel Stück für Stück verschwindet, nun auch in Übersee.

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