Rocksmith+ (PC) – Game Review

Von wegen Videospiele sorgen für schlechte Noten! Hier wird mit echten Instrumenten gespielt - Guitar Hero und Rock Band waren gestern!

Review von
Rocksmith+ - ©Ubisoft

Das Wichtigste in Kürze

  • Endlich kann man auch zu Tabs spielen!
  • Die Songauswahl ist riesig, aber leider (noch) uninteressant.
  • Für Anfänger ein super Tool um sein Instrument zu lernen.

Rocksmith+ ist eine Lern-Software zu welcher Songs auf einer echten Gitarre, E-Gitarre oder E-Bass gelernt und gespielt werden müssen. Gleichzeitig können dabei auch Grundlagen und neue Techniken auf den Instrumenten erlernt werden. Es wurde von Ubisoft entwickelt und am 06.09.2022 für Microsoft Windows veröffentlicht. Die Software soll künftig auf allen gängigen Plattformen PS5, PS4, Xbox Series X/S, Xbox One, Android und iOS erscheinen. Wir haben getestet ob Rocksmith+ das Zeug hat um aus dir einen echten Rockstar zu machen.

Die Rocksmith Reihe

Rocksmith+ ist bereits der vierte Titel, dieser Software-Reihe. Das erste Rocksmith ist 2011 auf der Playstation 3 und Xbox 360, ein Jahr später auch für Microsoft Windows erschienen und war eine Antwort auf die Guitar Hero und Rock Band Reihen – mit dem monumentalen Unterschied, dass hier, anstatt mit plumpen Plastikspielzeug, mit echten Saiteninstrumenten gespielt werden musste. Es waren neben E-Gitarre und E-Bass auch möglich mit akustischen Gitarren zu spielen. Voraussetzung hierbei war, dass ein Tonabnehmer eingebaut gewesen ist, da die Instrumente mit dem mitgelieferten Real Tone Cable angeschlossen werden mussten. Im Jahr 2014 folgte die Fortsetzung Rocksmith 2014, 2016 folgte Rocksmith 2014 Edition – Remastered.

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Rocksmith+ - ©Ubisoft

Rocksmith+ – Ein Song kann auf verschiedene Arten und Schwierigkeitsgraden gespielt werden.  – ©Ubisoft

Rocksmith+

Von Rocksmith+ ist schon letztes Jahr eine Beta-Version erschienen. Auf das Feedback der Spieler wurde derart eingegangen, dass die Veröffentlichung des Titels um ein ganzes Jahr verschoben worden ist. Nun haben wir mit Rocksmith+ den neuen Teil mit zahlreichen Neuerungen erhalten. Beispielsweise wird kein Tonabnehmer mehr zwingend benötigt, sondern es können nun alternativ, neben dem dazugehörigen Gitarrenkabel, auch mittels einer eigenen App die gespielten Töne erkannt werden. Hierzu muss das Mikrofon des Smartphones einfach nur auf den Amplifier oder die akustische Gitarre gerichtet sein. Gitarristen welche zum Aufnehmen von Musik an ihren PCs ein Interface benutzen, können dieses erstmals auch offiziell verwenden. Anders als in der Vergangenheit, in welcher man die Musikbibliothek je nach Geschmack nach verschiedenen DLCs erweitern konnte, handelt es sich bei Rocksmith+ nun um einen kostenpflichtigen Abonnenten-Service, bei welcher die Musikauswahl monatlich erweitert werden wird.

Kein Videospiel

Die Idee, dass man mit einem “Videospiel” Gitarre oder Bass spielerisch erlernen kann, klingt zu schön um wahr zu sein. Jeder Anfänger sollte sich von dieser Illusion trennen und sollte realistisch bleiben. Das Erlernen und Spielen von Songs auf Instrumenten erfordert sehr viel Übung und Zeit. Vor allem am Anfang, aber auch später. Bei einem Saiteninstrument müssen für jeden neuen Griff und jede neue Melodie die Finger trainiert werden. Dies benötigt immer, also mit oder ohne Software, sehr viel Geduld. Es ist also nicht möglich einen kompletten Song in Echtzeit am Bildschirm zu 100% zu erlernen. Deshalb darf man nach ein paar misslungen Runden bei einem höheren Schwierigkeitsgrad nicht sofort die Gitarre ins Korn werfen. Jeder Song sollte, wie sonst auch, am besten über mehrere Tage geübt und gemeistert werden. Erst dann klappt es auch mit Rocksmith+ einen Highscore zu holen. So läuft das auch bei den Profis.

Rocksmith+ - ©Ubisoft

Rocksmith+ – Die Lehrvideos, von welchen manche auf die Gesundheit achten. – ©Ubisoft

Übung mach den Meister

Glücklicherweise hat man bei Rocksmith+ den Fokus auf das Lernen gelegt und hat hier endlich die Möglichkeit die Songs im Detail zu üben. Angefangen von diversen Schwierigkeitsgraden des selben Songs. Fehlerhaft gespielte Parts darin, welche die Software eigenständig erkennt (!), können nach einem Durchgang langsam bis schnell wiederholt werden. Überhaupt können die kompletten Songs verlangsamt mit einer Geschwindigkeit nach Wahl gespielt werden. Dabei können auch nur spezifische Parts geübt werden. Die Software bleibt auch stehen oder spult zurück bis man die Töne gefunden hat. Auch teilt einem die Software mit wenn man besser geworden ist, was sehr zur Motivation beiträgt. Leider ist der vom letzten Teil heißgeliebten Session Mode nicht mehr vorhanden. Darin konnte eine stundenlang mit selbst ausgewählten Begleitungen stundenlang gejammt werden. Jammen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten von Gitarristen. Dafür gibt es in Rocksmith+ einen Workshop zu finden, in welchem Gitarristen einem eigene Kompositionen beibringen.

Anfängerfreundlich

Bei Rocksmith+ können erstmals auch Techniken von Grundlagen bis fortgeschrittene Stile für Anfänger aber auch Gitarristen erlernt werden. Sämtliche Übungen sind zum Glück von Anfang an freigeschaltet! Dazu gehören neben den Grundakkorden auch Barré-Akkorde, Saitenwechsel, String Skipping, Hammer-On und Pull Offs. Weiters gibt es dieses Mal zahlreiche Lehrvideos. Angefangen, dass man beispielsweise das ganze Equipment erklärt bekommt. Dabei wird Anfängern sogar das richtige Kabelaufwickeln gezeigt. Aber auch fortgeschrittene Spieler können hier etwas neues lernen. Es gibt beispielsweise ein Video, welches einem den Unterschied zwischen Gain und Lautstäre erklärt bekommt. Eine weitere interessante Kategorie der Videos lautet “Gesundheit und Wohlbefinden”. Darin sind beispielweise praktische Dehnübungen zu finden. Etwas was viele geübte Gitarristen gerne außer Acht lassen.

Rocksmith+ - ©Ubisoft

Rocksmith+ – Vor jedem Song kann die Gitarre gestimmt werden. – ©Ubisoft

Der Songkatalog

Das Herzstück von Rocksmith+ ist die Songauswahl, welche mit über 7000 Songs gigantisch ist. Die Bibliothek verfügt dieses Mal über 16 verschiedene Genres. Unteranderem auch Electro oder klassische Musik, was sehr zu begrüßen ist. Dabei fällt die Auswahl in manchen Genres sehr Bescheiden aus und deren Verhältnis stimmt nicht immer. Beispielsweise verfügt die Heavy Metal Fraktion über 137 Songs, während die R&B Fraktion über 423 Songs verfügt. Das ist Schade, denn die Zielgruppe von Gitarren- und Bassspielern befindet sich im Rock, Hard Rock und Heavy Metal Bereich und weniger im R’n’B und Hip Hop Bereich (die unzähligen Rocksmith Videos auf Youtube sprechen Bände). Bei einer Software à la Singstar, bei welcher der Schwerpunkt beim Singen liegt, wäre an einer solchen Aufteilung aufgrund der Zielgruppen nichts zu bemängeln. Dennoch ist anzumerken, dass sich der Großteil der Songs mit 2309 Titeln bei Rocksmith+ im Rockbereich befindet.

Wo sind die Songs von früher?

Die Songauswahl von Rocksmith+ ist im Moment ebenfalls sehr überraschend: von manchen Interpreten, welche jeder Gitarrist gespielt haben sollte, fehlt jede Spur: weder AC/DC, Queen oder Megadeth sind vorhanden. Dafür finden sich die eine oder andere Überraschung darin, welche man nicht erwartet hätte (beispielsweise die Death Metal Band Death). Zwar findet man schon den einen oder anderen bekannten Interpreten, aber von diesen sind nur unpopuläre Songs, B-Sides und Live-Versionen zu finden, was die Motivation diese Songs zu lernen etwas trübt. Laut Ubisoft sollen aber im Laufe der Zeit Millionen von Songs folgen. Um dies umzusetzen können die Songs nicht nur von den Machern, sondern auch von der Community erstellt werden. So dürften bald sämtliche Pflichtsongs folgen, sodass alles was das Gitarristen-Herz begehrt in der Bibliothek zu finden sein wird. In den vorhergegangenen Teilen war die Auswahl von Haus aus und später via DLCs jedenfalls immer genial. Vermutlich stehen hier noch die Kosten für das Verwenden von bekannten Songs im Weg.

Rocksmith+ - ©Ubisoft

Rocksmith+ – Die Songauswahl ist groß, aber (noch) eigen. – ©Ubisoft

Die Ansicht ist viel praktischer geworden!

Die bisherige Ansicht beim Spielen der Songs mit der Rocksmith Reihe bei welcher die Töne auf einen zu rauschen, erinnert an Guitar Hero. Diese Ansicht ist kein Musiker gewöhnt. Nun gibt es erstmals in Rocksmith+ auch eine Tabulatur-Ansicht! Tabulatur oder Tabs sind eine praktische Alternative zur Notenschrift, welche die meisten Gitarristen und Bassisten verwenden. Der Grund liegt darin, dass beispielsweise auf einem Klavier jeder Ton nur einmal zu finden ist – auf einer Gitarre, mit 6-Saiten und 24 Bünden, ist teilweise der exakt selbe Ton bis zu sechs mal an verschiedenen Standorten des Griffbretts zu finden. Während bei der Notenschrift nur der jeweilige Ton beschrieben ist, ist bei der Tabulatur unmissverständlich auch der Standort des zu spielenden Tons auf dem Griffbrett markiert.

Um die Tabulatur-Ansicht in von Rocksmith+ zu aktivieren, sollte man zuallererst im Menü in den Optionen die Saitenanordnung auf “Umgekehrt” einstellen, damit die tiefe E-Saite in der Ansicht unten liegt und nicht nur die Melodien, sondern auch die Griffe exakt wie denen aus den Musikbüchern gleichen. Damit sich auch der letzte Saitenmusiker wie zuhause fühlt, sollte man die Tabulatur-Ansicht einstellen. So ist es jetzt während eines Songs jederzeit Möglich zur “RS-Tab”-Ansicht wechseln zu können. Einzig die Anzeige der Akkorde in den Songs sollte von Ubisoft unbedingt noch überarbeitet werden: diese fangen immer beim ersten senkrechten Strich an, auch wenn dieser Strich erst den zweiten Bund einer Gitarre darstellt. Die meisten Gitarristen sind bei dieser Position die Ansicht einer Lücke bis zum Sattel gewöhnt. In den Lehrvideos von Rocksmith+ werden diese wiederum richtig dargestellt. Ansonsten sind die neuen Ansichtsmöglichkeiten das erste Mal so wie sie sein sollten.

Rocksmith+ - ©Ubisoft

Rocksmith+ – Endlich Tabs: die Schrift von Gitarristen und Bassisten! – ©Ubisoft

Der Sounderfassung

Abgesehen von der momentanen, seltsamen Songauswahl von Rocksmith+, sind die Soundaufnahme und Soundwiedergabe besser denn je. In den Vorgängern konnte es passieren, dass manche Noten beim Spielen nicht erkannt worden, diese werden nun immer erkannt. Auch eine Latenz ist so gut wie nicht vorhanden, andernfalls kann dies in den Einstellungen korrigiert werden. Vor jedem Spielen der Songs kann man sein Instrument stimmen, für manche Songs muss sie umgestimmt werden. Bei den Songs wagt man sich noch nicht an tiefere Stimmungen auf den Instrument heran, sondern beweget sich nie tiefer als einen Ganzton mit D Standard oder Drop D von E Standard weg. Dafür ist mit höheren Stimmungen das Kapodaster zahlreich vertreten. Da man für tiefere Stimmungen die Saiten wechseln müsste, wäre auch eine Pitch-Shifter-Funktion in der Software eine Lösung, denn tiefe Stimmungen könnten den Songkatalog erheblich erweitern.

Fazit zu Rocksmith+

Nachdem Plastikinstrumente den Videospielmarkt beherrschten, hat es Ubisoft als einziger Entwickler mit der Rocksmith Reihe geschafft, echte Instrumente mit Konsolen zu verbinden. Nach über 10 Jahren hat der Entwickler Ubisoft zahlreiche Erfahrungen mit der Materie gemacht und entwickelt sein gelungenes Konzept mit von Rocksmith+ weiter. Auch wenn neben den Songs auch noch Lerninhalte, aber auch ganze Modi, wie der fehlende Session-Mode noch fehlen – so ist Rocksmith+ als gelungenes, aber noch ausbaufähiges Tool zu beschreiben.

Es ist schade, dass die Songauswahl momentan so seltsam ist. Dies dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis man auch seine Lieblingssongs mit Rocksmith+ spielen kann. Für Anfänger ist es bereits allemal ein Blick Wert um Fortschritte zu machen. Die Kosten sind verglichen mit echten Gitarrenstunden gering. Die Übungsmöglichkeiten sind grandios und wissen zu motivieren! Wir hoffen, dass Rocksmith+ mindestens so beliebt sein wird wie seine Vorgänger, denn wir Gitarristen sind sehr froh, dass es die Rocksmith Reihe gibt!

Rocksmith+ ist monatlich für € 14,99, für 3 Monate für € 39,99 und für 12 Monate für € 99,99 zu abonnieren.

ReviewWertung

9SCORE

Leider noch nicht perfekt, sondern immer noch ausbaufähig. Für Anfänger praktisch, für geübte Gitarristen noch nicht die Offenbarung wie die Vorgängertitel.

Detail-Wertung

Grafik

9

Sound

10

Gameplay

10

Motivation

8

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