Bungie wird für Sony zum Problem: 765 Millionen Dollar Verlust nach Marathon-Start
Sony meldet eine hohe Wertminderung auf Bungie. Marathon soll besser laufen als befürchtet, doch die Erwartungen an den Destiny-Entwickler wurden klar verfehlt.
Markus Bauer Markus spielt Videospiele, seit er denken kann, und schreibt seit über 25 Jahren über Gaming. Am PC liebt er Ego-Shooter und Echtzeit-Strategie, auf Konsolen vor allem Action-Adventures und Rennspiele. Mit seinen Kindern zockt er auch gerne Minecraft und Rocket League. Seit Jahrzehnten baut Markus seine PCs selbst – immer mit Blick auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Sein aktueller PC: ein Big Tower, damit auch moderne Grafikkarten bequem Platz finden.
Die Sony Group Corporation hat in ihrem aktuellen Finanzbericht (PDF) eine massive Wertminderung bei Bungie ausgewiesen. Er beläuft sich der sogenannte „Impairment Loss“ auf 120,1 Milliarden Yen, umgerechnet rund 765 Millionen US-Dollar. Betroffen sind immaterielle und andere Vermögenswerte rund um Bungie, das Sony 2022 für etwa 3,6 Milliarden US-Dollar übernommen hatte.
Der Zeitpunkt ist besonders heikel. Bungie brachte erst kürzlich Marathon auf den Markt. Der Extraction-Shooter sollte für Sony ein wichtiger Baustein im Live-Service-Geschäft werden. Stattdessen steht das Studio erneut im Mittelpunkt negativer Finanzmeldungen. Der Wert von Bungie ist im vergangenen Jahr deutlich gefallen und der Entwickler hat nicht die Einnahmen erzielt, die Sony beim Kauf erwartet hatte.
Sony schreibt Bungies Wert deutlich nach unten
Wichtig ist: Eine Wertminderung bedeutet nicht automatisch, dass Sony diese Summe direkt „verloren“ oder ausgegeben hat. Es heißt, dass der bilanzierte Wert von Bungie nach unten korrigiert wurde, weil die erwarteten zukünftigen Erträge geringer ausfallen als zuvor angenommen. Genau das ist für Sony aber ein klares Warnsignal.
Laut Forbes setzt sich die Summe aus früheren und neuen Abschreibungen zusammen. Bereits zuvor waren rund 200 Millionen US-Dollar verbucht worden, nun kamen weitere hohe Belastungen hinzu. Insgesamt ergibt sich daraus die genannte Größenordnung von rund 765 Millionen US-Dollar.
Sony soll trotz dieser Belastung weiter an Marathon festhalten. Finanzchefin Lin Tao sagte (via Yahoo Finance), dass Sony die Performance des Spiels über Inhalte, Spielergewinnung und weitere Maßnahmen verbessern wolle. Das zeigt: Marathon wird nicht sofort fallengelassen, aber der Druck auf Bungie ist enorm.
Marathon sollte Sonys Live-Service-Wette stärken
Für Sony war Bungie nie nur ein Studio mit Destiny 2. Der Kauf sollte PlayStation helfen, stärker im Live-Service-Markt zu werden. Bungie brachte Erfahrung mit langfristigem Online-Betrieb, Community-Pflege, Seasons, Monetarisierung und Multiplayer-Infrastruktur mit. Genau diese Expertise wollte Sony für eigene Projekte nutzen.

Destiny 2 hat maximal rund 10.000 Spieler am Tag auf Steam. Spieler-Zahlen von PlayStation und Xbox sind nicht bekannt. – Bild: Bungie
Doch ausgerechnet dieser Plan wirkt inzwischen deutlich schwieriger. Bungie kämpfte in den vergangenen Jahren mit Entlassungen, schwachen Zahlen bei Destiny und internen Umbrüchen. Marathon sollte ein Neustart werden, doch der Start scheint die hohen Erwartungen nicht erfüllt zu haben.
Neben Marathon spielt auch das besagte Destiny 2 weiter eine wichtige Rolle. Das Spiel ist zwar weiterhin aktiv, hat aber nicht mehr dieselbe Strahlkraft wie in früheren Jahren. Wenn ein Live-Service-Spiel sinkende Spielerzahlen oder schwächere Umsätze zeigt, wirkt sich das direkt auf langfristige Prognosen aus. Genau diese Prognosen sind für eine Wertminderung entscheidend.
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Was bedeutet das für Bungies Zukunft?
Für den einstigen Halo-Entwickler (bis 2010) ist die Lage ernst, aber nicht automatisch das Ende. Sony kann weiterhin versuchen, Marathon mit neuen Inhalten, Updates und besserem Marketing zu stabilisieren. Gleichzeitig dürfte der Spielraum kleiner werden. Nach einer Abschreibung in dieser Höhe wird Sony genau prüfen, welche Projekte Priorität haben und welche Kosten gerechtfertigt sind.
Für PlayStation ist der Fall Bungie auch ein Symbol für die Risiken der Live-Service-Strategie. Große Online-Spiele können jahrelang Geld verdienen. Sie können aber auch enorme Kosten verursachen, wenn die Spielerbasis nicht groß genug ist oder der Start nicht überzeugt.
Noch ist offen, ob Marathon langfristig die Kurve bekommt. Klar ist aber: Bungie muss liefern.
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