Verkaufen sich physische Spiele wirklich so schlecht? Neue Zahlen werfen Fragen auf
Ein Marktforschungsinstitut zeichnet ein düsteres Bild. Viele Details bleiben aber offen, die globalen Sorgen bestehen weiter.
Die Videospielebranche im Umbruch – Der Talk zum SONY und Xbox Happening
Klaus Kainz Ein freiberuflicher Schreiber für Chronik-Themen, manchmal auch Kultur. Vor allem aber ist er faszinierter Zocker seit mehreren Jahrzehnten. Denn Resident Evil ist intensiver als jeder Horrorfilm, Bloodborne oder Metroid Prime immersiver als jeder Fantasy-Roman - und Dampf ablassen geht kaum besser als mit Streets of Rage oder Ninja Gaiden.
Viel Lärm um nichts? Seit über zwei Wochen gehen Fans auf die Barrikaden, weil Sony ab Anfang 2028 die Produktion seiner physischen Spiele für PS5 einstellen will. Inzwischen erreichte der Shitstorm sogar Mainstream-Medien und die Politik. Bei den Verkaufszahlen seien die alten Discs aber inzwischen stark abgeschlagen, so das industrienahe Marktforschungsinstitut Circana. Laut einer neuen Circana-Studie haben 2025 in den USA lediglich sieben Spiele auf PlayStation mehr als 100.000 physische Fassungen abgesetzt (via IGN).
Das klingt nach wenig. Bei den Details blieben die Quellen aber vage – zum Unmut mancher Sony-Kritiker. Um wie viele Einheiten die erfolgreichsten Titel die Marke von 100.000 überschreiten, blieb gänzlich offen. Schätzungen zum Gebrauchtmarkt, den Sony durch das Disc-Aus vollständig ausschalten könnte, fehlen ebenfalls. Auch werden viele potenzielle Hits erst im Herbst und Winter erwartet.
Kauft niemand mehr physische Spiele?

Dubai, UAE, June 6, 2025. Close-up of a customer holding the box of the new Nintendo Switch 2 gaming console inside an electronics store on — Photo by Katerina Elagina
Ein weiteres potenzielles Problem: Die USA spiegeln nicht zwangsmäßig das globale Verkaufsverhalten wider. In Japan etwa spielen physische Titel weiter eine große Rolle. Das Nintendo-Spiel Tomodachi Life setzte allein dort kürzlich über eine halbe Million physische Einheiten ab (via Famitsu). Sony ist außerdem weiterhin wichtige Details zur digitalen Strategie schuldig, besonders in Regionen mit schwächelndem Internet. Dutzende Länder haben aktuell keinen offiziellen Zugang zum PlayStation Network (via The Gamer).
Die Sprecher von PlayStation argumentierten das Ende der Disc-Produktion mit „aktuellen Trends“. Kürzliche Leaks sollen allerdings aufgezeigt haben, dass viele Kunden weiterhin zur Disc greifen, wenn eine solche vorhanden ist. Über 50 Prozent der Userbase des 2024 erschienenen Astro Bot hätten demnach die physische Version gekauft. Über 80 Prozent seiner Einnahmen macht PlayStation inzwischen mit digitalen Inhalten, wie aus einem Geschäftsbericht hervorgeht. Doch für viele bestätigt das nur das Problem. Denn bei etlichen Titeln gibt es keine Möglichkeit mehr, sie physisch zu kaufen.
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