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Wer in den Neunzigern oder frühen Zweitausendern vor Konsole oder Arcade-Automat saß, kennt sie alle: Lara Croft, Ryu und Ken, Naruto Uzumaki. Diese Figuren haben Generationen von Spielern geprägt und sind längst zu Marken geworden, die weit über ihr ursprüngliches Medium hinausstrahlen. Filme, Serien, Merchandise, Crossover-Events in anderen Games: Die großen Gaming-Franchises sind heute überall. Eine Bühne wird dabei aber oft übersehen, nämlich die der Online-Spielautomaten. Sogenannte Branded Slots, also Spielautomaten mit offizieller Markenlizenz, gehören seit Jahren zu den beliebtesten Titeln der Casino-Branche. Und einige der bekanntesten Beispiele stammen direkt aus der Videospielwelt.

Lara Croft machte 2004 den Anfang

Dass ausgerechnet Tomb Raider die Branche eröffnet hat, ist kein Zufall. Anfang der Zweitausender war Lara Croft eine der wertvollsten Marken der Spieleindustrie, und der Softwarehersteller Microgaming sicherte sich 2004 beim damaligen Rechteinhaber Eidos die Lizenz für einen offiziellen Tomb-Raider-Slot. Das Ergebnis gilt heute als einer der ersten großen Branded Slots überhaupt und begründete einen Trend, der die Branche bis heute prägt.

Der Erstling von 2004 war aus heutiger Sicht technisch simpel, traf aber den Nerv der Zeit: Symbole mit Lara, Artefakten und Reliquien, dazu ein Bonusspiel mit Schatzsuche. 2008 folgte mit Tomb Raider: Secret of the Sword ein deutlich aufwendigerer Nachfolger, der sich lose an der Story von Tomb Raider: Legend orientierte. 2019 legte Microgaming mit Lara Croft: Temples and Tombs noch einmal nach. Die Marke selbst ist ohnehin quicklebendig: Mit Tomb Raider: Legacy of Atlantis kehrt Laras allererstes Abenteuer 2027 als komplett neu aufgelegtes Remake zurück.

Street Fighter II: Hadoken auf den Walzen

Noch konsequenter hat NetEnt das Thema umgesetzt. Der schwedische Entwickler sicherte sich bei Capcom die Lizenz für den Arcade-Meilenstein Street Fighter II und veröffentlichte im Mai 2020 den Slot Street Fighter II: The World Warrior. Statt klassischer Gewinnlinien setzt das Spiel auf ein Cluster-Pays-System mit fünf mal fünf Feldern, und die Mechanik greift das Kampfprinzip des Originals direkt auf: Vor jeder Runde wählt man einen der acht World Warriors, von Ryu über Chun-Li bis Zangief, und tritt gegen einen Gegner an. Gewinnkombinationen lösen Angriffe aus, am Ende warten Bosskämpfe gegen Balrog, Vega, Sagat und M. Bison.

Pixel-Optik, Original-Soundtrack und Animationen orientieren sich eng am Arcade-Vorbild von 1991. Wie viel Liebe zum Detail in der Vorlage steckt, zeigt sich übrigens auch daran, dass selbst die ursprünglichen Bossgegner bis heute Stoff für Entdeckungen liefern: Die Geheimnisse der vier Street-Fighter-II-Bosse beschäftigen die Community noch über drei Jahrzehnte nach Release.

Naruto: begehrtes Franchise ohne offiziellen Slot

Bei Naruto sieht die Lage anders aus, und genau das macht den Fall interessant. Einen offiziell lizenzierten Naruto-Slot von einem der großen Entwicklerstudios gibt es bislang nicht. Zwar tauchen bei kleineren Anbietern immer wieder Automatenspiele auf, die sich erkennbar an der Ninja-Saga orientieren, doch dabei handelt es sich um inoffizielle Anlehnungen ohne Segen der Rechteinhaber. Die Hürden für eine echte Lizenz sind hoch: Japanische Publisher gehen mit ihren Marken traditionell vorsichtig um, gerade wenn es um Glücksspiel geht.

Dabei zeigt das Franchise an anderer Stelle, wie offen es für Crossover ist. In Fortnite etwa sind neben Naruto selbst längst auch seine Rivalen wie Itachi, Gaara und Orochimaru als Skins vertreten. Die Zielgruppe wäre also da, und Branchenkenner halten es für eine Frage der Zeit, bis große Anime-Marken auch auf den Walzen ankommen. Bis dahin bleibt Naruto das prominenteste Beispiel dafür, dass nicht jede Gaming-Ikone automatisch den Sprung ins Casino schafft.

Lizenzen, Regulierung und der deutsche Markt

Was viele nicht wissen: Ein Branded Slot braucht gleich zwei Genehmigungen. Neben der Markenlizenz des Publishers benötigt der Anbieter auch eine glücksspielrechtliche Erlaubnis für den jeweiligen Markt. In Deutschland regelt das der Glücksspielstaatsvertrag von 2021, über dessen Einhaltung die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder wacht. Online Casinos in Deutschland dürfen virtuelle Automatenspiele nur mit entsprechender Erlaubnis anbieten, dazu kommen Auflagen wie ein Einsatzlimit von einem Euro pro Drehung und monatliche Einzahlungsgrenzen.

Für Spieler bedeutet das: Nicht jeder international bekannte Branded Slot ist auch in deutschen Online Casinos verfügbar, denn jedes Spiel muss einzeln für den regulierten Markt zugelassen werden. Wer wissen will, welche Anbieter eine Lizenz besitzen und welche Spielautomaten sie im Portfolio führen, kann sich über den Online-Casino-Markt in Deutschland inzwischen detailliert informieren. Deutsche Online Casinos setzen dabei zunehmend auf bekannte Marken, denn vertraute Namen senken die Hemmschwelle und heben ein Spiel aus der Masse von tausenden Titeln heraus.

Genau darin liegt die eigentliche Logik hinter dem Trend. Nostalgie ist eine der stärksten Währungen der Unterhaltungsbranche, und wer Lara Croft oder Ryu auf den Walzen erkennt, verbindet damit sofort eigene Erinnerungen. Die Spieleindustrie hat das Potenzial ihrer Klassiker längst erkannt, von Remakes über Filme bis zu Slots. Es dürfte also nicht die letzte Pixel-Ikone gewesen sein, die den Weg vom Arcade-Automaten auf die Casino-Walzen findet.

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