Call of Duty: Modern Warfare 4 im Test – Viele Kugeln im Kopf
Modern Warfare 4 ist brutal, kompromisslos und überraschend emotional. Vor allem die Kampagne erinnert endlich wieder daran, warum CoD einmal spektakulär war.
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Markus Bauer Markus spielt Videospiele, seit er denken kann, und schreibt seit über 25 Jahren über Gaming. Am PC liebt er Ego-Shooter und Echtzeit-Strategie, auf Konsolen vor allem Action-Adventures und Rennspiele. Mit seinen Kindern zockt er auch gerne Minecraft und Rocket League. Seit Jahrzehnten baut Markus seine PCs selbst – immer mit Blick auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Sein aktueller PC: ein Big Tower, damit auch moderne Grafikkarten bequem Platz finden.
Es gibt Momente in Call of Duty: Modern Warfare 4, in denen man kurz vergisst, dass man eigentlich nur den nächsten Gegner ausschalten soll, wenn man es spielt und einen Test dafür schreiben möchte. Weil plötzlich immer jemand zuschlägt. Oder weil Vertrauen innerhalb von Sekunden zerbricht. Weil Price und Ghost nicht mehr einfach Schulter an Schulter durch irgendein Gebäude laufen. Oder weil Infinity Ward wieder einmal zeigt, wie unangenehm nah Gewalt in einem Call of Duty wirken kann, wenn sie nicht hinter Explosionen und Killstreaks versteckt wird.
Modern Warfare 4 ist brutal. Sehr brutal sogar. Faustkämpfe, Messerkämpfe, Schüsse aus nächster Nähe und Szenen, bei denen man sich durchaus fragt, wie das Spiel seine Altersfreigabe bekommen hat. Gleichzeitig ist genau das wieder jenes CoD, das ich so lange vermisst habe.
Pure Gewalt. Pure Action. Pures Call of Duty. Und nach Modern Warfare 3 sowie der katastrophalen Kampagne von Black Ops 7 fühlt sich das fast schon wie ein Befreiungsschlag an. Meine Theorie ist wieder da, dass es nicht gut ist, jedes Jahr einen neuen Ableger auf den Markt zu schmeißen, sondern den Entwicklern die notwendige Zeit für ein gutes Spiel zu geben.
Modern Warfare 4 im Test: Die Kampagne ist endlich wieder sensationell
Fangen wir direkt mit dem besten Teil des Spiels an. Die Kampagne. Infinity Ward erzählt die Geschichte über insgesamt 16 kurzweiligen Missionen und verteilt sie über Korea, Paris, New York, Mumbai und weitere Schauplätze. Aber eigentlich sind die Orte fast nebensächlich. Viel wichtiger sind die Menschen, die durch diese Geschichte geschickt werden.
Captain Price ist auf der Flucht und längst nicht mehr der unantastbare Anführer früherer „Modern Warfare“-Spiele. Gleichzeitig kämpft der junge südkoreanische Soldat Park Hyun Jun mitten in einem Krieg, der immer weiter eskaliert. Und irgendwann beginnt praktisch jeder, jedem zu misstrauen. Zurecht.
Verrat ist eines der großen Themen von Modern Warfare 4. Ein wenig Spoiler muss an dieser Stelle sein. Das geht so weit, dass selbst Price und Ghost auf unterschiedlichen Seiten stehen. Wer die bisherigen Teile gespielt hat, weiß, was diese Konstellation bedeutet. Infinity Ward spielt immer wieder mit genau diesem Vertrauen und lässt dich über lange Strecken nicht wissen, wem du eigentlich noch glauben kannst.
Manchmal fühlt sich MW4 deshalb fast wie ein „Jeder gegen jeden“ an. Und genau das funktioniert. Die Geschichte ist nicht kompliziert, weil sie unbedingt intelligent wirken möchte. Sie funktioniert, weil sie dir Figuren gibt, die du kennst, sie gegeneinander ausspielt und dann konsequent mit den Folgen umgeht.

Ghost und Price in einem epischen Kampf, bei dem man fast glaubt, dass er hier endet. Aber wer ist wirklich der Feind? – Bild: Activision, Infinity Ward – Screenshot DailyGame
Viele Kugeln im Kopf
Der Titel dieser Review kommt nicht von ungefähr. Modern Warfare 4 ist kein Spiel, das seine Figuren besonders vorsichtig behandelt. Das gilt für Gegner genauso wie für die Charaktere, die man über Jahre ins Herz geschlossen hat. Ohne die konkreten Todesfälle zu verraten: Du solltest dich nicht darauf verlassen, dass deine Lieblingsfigur am Ende noch da ist.
Hier wird aufgeräumt. Und das überraschend kompromisslos. Das Finale hat mich deshalb sogar ein wenig an Halo: Reach erinnert. Nicht wegen des Settings oder des Gameplays, sondern wegen dieses Gefühls, dass eine Geschichte irgendwann nicht mehr fragt, wer gewinnen wird, sondern nur noch, wer den Preis dafür bezahlt.
Ghost bleibt bis zum Abspann eine der wichtigsten Figuren dieser Geschichte. Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen. Wer wirklich komplett ohne jeden Hinweis auf das Ende spielen möchte, sollte ohnehin möglichst wenig über die letzten Missionen lesen. Denn gerade dort funktioniert Modern Warfare 4 am besten.
Price gegen Ghost funktioniert besser, als ich erwartet habe
Besonders stark ist die Dynamik zwischen Price und Ghost. Call of Duty hat seine großen Figuren in den vergangenen Jahren häufig fast wie Superhelden behandelt. Man wusste ohnehin, dass sie mit Sturmgewehr und markigem Spruch aus der nächsten Explosion spazieren.
Aber genau hier bricht dieses Gefühl immer wieder auf. Price wirkt besessen. Ghost wirkt bedrohlich. Loyalitäten verschieben sich. Dazwischen gibt es Nahkämpfe, die überraschend roh inszeniert sind. Keine komplizierten Kampfmechaniken, keine zwanzig Tastenkombinationen. Schlagen, blocken, Messer ziehen, irgendwie überleben. Call of Duty eben.
Und verdammt, funktioniert das gut. Die Kampagne versucht gar nicht erst, ein taktischer Militärsimulator zu sein. Sie will dich unterhalten. Eine Minute kämpfst du dich durch einen Häuserblock, wenige Minuten später fliegt wieder irgendetwas in die Luft. Dann wirst du in einen engen Raum gedrückt und plötzlich geht es nur noch mit Fäusten oder Messer weiter.
Diese Kampagne weiß genau, wann es laut sein muss und wann ein enger Raum mit zwei Menschen völlig ausreicht. Seit Black Ops Cold War (2020) habe ich so viel nicht mehr verspürt.
Endlich kein Black Ops 7 mehr
Nach meiner Wertung für Black Ops 7 muss ich diesen Vergleich einfach ziehen. Dort fühlte sich die Kampagne für mich wie eine Ansammlung von Ideen an, die irgendwie miteinander verbunden wurden. Riesige Gebiete, „Loot-Shooter“-Ansätze, seltsame Bosskämpfe und eine Geschichte, die mich praktisch nie abgeholt hat.
Modern Warfare 4 macht fast das Gegenteil. Mission starten. Ziel verstehen. Los. Einfach keine künstliche Beschäftigungstherapie. Die Action bleibt fokussiert und das Spiel weiß, dass eine Kampagne nicht 40 Stunden dauern muss, um etwas zu hinterlassen. Auch Modern Warfare 3 war für mich weit von der früheren Stärke der Reihe entfernt. Gerade die offenen Combat Missions wirkten damals eher wie recyceltes Warzone-Material als wie eine klassische CoD-Kampagne. MW4 fühlt sich wieder echt an. Teuer inszeniert und komplett übertrieben. Wie man es sich wünscht.
DMZ ist für mich fast genauso gut wie die Kampagne
Und dann gibt es DMZ. Ich mochte DMZ schon immer. Das Grundprinzip aus rein, Auftrag erledigen, Zeug einsammeln und hoffentlich wieder lebend rauskommen funktioniert für mich einfach. Modern Warfare 4 macht daraus aber endlich einen richtigen dritten Hauptmodus.
Du wirst nach Hajin geschickt, kannst alleine oder mit anderen Spielern losziehen und bekommst diesmal richtige Story-Missionen. Dazu kommen dynamische Einsätze, KI-Gegner, andere Spieler, Loot und die permanente Frage: Bleibe ich noch fünf Minuten oder verschwinde ich lieber, bevor alles weg ist?
Genau das macht für mich den Reiz aus. Die Missionen bocken richtig. Es gibt einen Grund, wieder hineinzugehen. Nicht nur irgendeine Waffe freischalten oder eine Zahl erhöhen, sondern tatsächlich Aufgaben verfolgen und Schritt für Schritt weiterkommen. DMZ fühlt sich dadurch weniger wie ein Nebenprodukt von Warzone an. Diesmal ist es ein eigener Modus.
Und für mich persönlich sogar der Multiplayer-Bereich, in den ich langfristig am ehesten zurückkehren werde. Die Mischung aus Story, Risiko und Freiheit funktioniert hervorragend. Vor allem weil nicht jede Runde gleich abläuft.
Manchmal erledigst du deine Mission problemlos. Oder es kommt ein anderes Team. Manchmal machst du selbst einen Fehler. Und manchmal denkst du dir kurz vor der Extraktion: „Eine Kiste geht noch.“ Meistens ist genau das der Moment, an dem alles schiefgeht.
Der klassische Multiplayer ist gut, aber nicht mein Call of Duty
Beim normalen Multiplayer wird meine Begeisterung deutlich kleiner. Nicht weil er schlecht wäre.
Das Gunplay ist hervorragend. Waffen reagieren direkt, Treffer fühlen sich gut an und die Steuerung sitzt praktisch sofort. Wer regelmäßig Call of Duty spielt, braucht keine Eingewöhnungszeit. Zum Start stehen 12 klassische 6v6-Maps, drei Ground-War-Schauplätze, vier Gunfight-Maps und Kill Block zur Verfügung. Dazu kommen bekannte Modi wie Team Deathmatch, Domination, Hardpoint und Search & Destroy sowie neue Varianten.
Das Paket ist groß. Aber mir fehlt trotzdem etwas.
Alles ist so verdammt klein
Mein größtes Problem bleiben die Maps. Call of Duty möchte ständig Action liefern. Das verstehe ich. Aber irgendwann wird aus schnell einfach chaotisch. Man spawnt, geht drei Schritte und ist bereits wieder im nächsten Kampf. Oder du bekommst von der Seite eine Granate.
Viele 6v6-Maps fühlen sich extrem kompakt an. Dadurch entsteht permanent Druck, aber nur selten dieses Gefühl, einen Kampf tatsächlich kontrollieren zu können.
Und selbst bei den größeren Fahrzeug-Maps fehlt mir Fläche. Ja, es gibt Fahrzeuge. Ja, Ground War ist größer. Aber nachdem man wie ich gefühlte 500 Stunden Battlefield 6 gespielt hat, wirken selbst diese Areale überraschend eingeschränkt.
Battlefield gibt mir Raum. Ich kann eine Position umgehen. Ein Gebäude zerstören. Einen anderen Weg suchen. Mit einem Fahrzeug einen komplett anderen Teil der Map angreifen. In Call of Duty fühlt es sich dagegen oft an, als würde das Spiel mich möglichst schnell wieder zum nächsten Gegner schieben wollen.
Das ist natürlich Absicht. Nur eben nicht ganz mein Geschmack.

Grafikfehler findet man in der Kampagne kaum, dafür umso mehr im Multiplayer. – Bild: Activision, Infinity Ward – Screenshot DailyGame
Warum dauert das Matchmaking so lange?
Was mich zusätzlich überrascht hat: Das Matchmaking dauert teilweise gefühlt länger, als es bei einem Call of Duty direkt nach Release dauern sollte. Bei einer Serie mit dieser Spielerzahl möchte ich eigentlich auf „Suchen“ drücken und wenige Sekunden später in einer Lobby stehen.
So ist es nicht immer. Es ist kein riesiges Problem, aber es fällt auf. Vor allem wenn danach eine Runde auf einer sehr kleinen Map innerhalb kürzester Zeit wieder vorbei ist. Da passt das Verhältnis manchmal nicht.
Grafik und Sound liefern wieder Blockbuster-Niveau
Technisch ist Modern Warfare 4 dagegen genau das, was man von Infinity Ward erwartet. Die Kampagne sieht hervorragend aus. Beleuchtung, Gesichter, Animationen, Rauch, Explosionen und vor allem die Nahkämpfe wirken teilweise erschreckend echt.
Die Entwickler nutzen diese Qualität auch clever. MW4 muss nicht ständig riesige Schlachten zeigen. Einige der stärksten Szenen spielen in kleinen Räumen, in denen du jede Bewegung und jeden Treffer mitbekommst.
Beim Sound ist Call of Duty ebenfalls wieder ganz vorne dabei. Waffen haben Druck. Explosionen haben Druck. Faustschläge haben teilweise sogar zu viel Druck.
Mit guten Kopfhörern wird besonders die Kampagne schnell unangenehm intensiv. Und das meine ich positiv.
Fazit zu Call of Duty: Modern Warfare 4 im Test
Call of Duty: Modern Warfare 4 ist für mich die Rückkehr der Serie zu alter Stärke.
Vor allem die Kampagne ist sensationell. Sie ist brutal, emotional, hervorragend inszeniert und traut sich tatsächlich, Konsequenzen zu zeigen. Price gegen Ghost funktioniert. Die vielen Verrätereien funktionieren. Die Nahkämpfe funktionieren. Und wenn am Ende die wichtigen Figuren nicht einfach mit einem lockeren Spruch aus dem nächsten Feuerball laufen, fühlt sich Modern Warfare 4 plötzlich wieder gefährlich an.
Fast wie früher.
DMZ ist für mich das zweite große Highlight. Die Story-Missionen geben dem Extraction-Modus endlich jene Motivation, die mir beim ursprünglichen DMZ teilweise gefehlt hat. Ich will wieder hinein. Ich will Missionen abschließen. Und meistens riskiere ich wieder mehr, als vernünftig wäre.
Nur beim klassischen Multiplayer verliere ich etwas die Begeisterung. Das Gunplay ist ausgezeichnet und spielerisch gibt es wenig zu kritisieren. Mir sind die Maps aber zu klein, die Matches zu chaotisch und selbst Ground War gibt mir nicht die Freiheit, die ich inzwischen von Battlefield gewohnt bin.
Nach Modern Warfare 3 (2024) und vor allem Black Ops 7 (2025) hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, das so schnell wieder über ein Call of Duty zu schreiben. Infinity Ward erinnert mich daran, warum ich diese Serie überhaupt einmal so gerne gespielt habe.
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Viele Kugeln im Kopf. Viele Tote. Viel Verrat. Und endlich wieder richtig gutes Call of Duty.
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Test-System: AMD Ryzen 9 9950X3D; 64GB Dominator RAM DDR5-6000; AMD Radeon RX 7900 XTX 24GB DDR6; Gespeichert auf NVMe M.2. Corsair MP600 PRO XT; ASUS ROG STRIX X670E-F GAMING Motherboard
Call of Duty: Modern Warfare 4 liefert eine der besten Kampagnen der Reihe, einen hervorragenden DMZ-Modus und gewohnt starkes Gunplay. Nur der chaotische klassische Multiplayer sorgt für Abzüge.
- Sensationelle Kampagne mit starken Charakteren und echten Konsequenzen
- Price und Ghost gehören zu den Höhepunkten der Geschichte
- Brutale und hervorragend inszenierte Nahkämpfe
- DMZ mit Story-Missionen ist richtig stark
- Herausragendes Gunplay
- Sehr gute Grafik und wuchtiger Sound
- Endlich wieder eine klassische CoD-Kampagne statt experimenteller Beschäftigungstherapie
- Multiplayer auf Dauer zu chaotisch
- Viele Maps sind sehr klein, selbst Ground War bietet vergleichsweise wenig Raum
- Matchmaking dauert teilweise überraschend lange
- Langzeitmotivation im klassischen Multiplayer bleibt hinter DMZ zurück
- Grafik10Die echten Macken sieht man erst in DMZ oder dem Multiplayer. In der Kampagne wirkt alles wie ein Kinofilm.
- Sound10Geht kaum besser.
- Gameplay10Direkt, präzise und brutal. Kampagne und DMZ spielen sich hervorragend.
- Story10Die meisten Hollywood-Blockbuster interessieren mich nicht so sehr, wie hier das Ende.
- Motivation9Kampagne bockt. DMZ bockt. Aber der Multiplayer von CoD wird nie meine Liebe bekommen.
- Steuerung9Manchmal fühlt es sich so an, als müsste man bei den CoD-Entwicklern einige Tastenbelegungen neu erfinden. Aber wenn man den Dreh draußen hat, dann geht es.
- Multiplayer7Wie gesagt, nicht mein Fall.













