Ubisoft Ex-Director rechnet ab: Wir hatten keine neuen Ideen und keiner wollte das hören
Ex-Ubisoft-Director Alex Hutchinson erklärt den Abstieg des Publishers. Talentabfluss, fehlende Innovationen und pure Formelwiederholung.
Tim Rantzau Tim ist seit seiner Kindheit leidenschaftlicher Nintendo-Fan und hat seine Begeisterung für Spiele mit einem Studium in Game Design vertieft. Beruflich arbeitet er an der Konzeption von Videospielen und kennt dadurch die Branche nicht nur von außen, sondern auch von innen. Seine größte Leidenschaft gilt jedoch dem Spiele-Journalismus, in dem er Trends einordnet, Hintergründe erklärt und mit viel Erfahrung über neue Entwicklungen berichtet.
Alex Hutchinson kennt Ubisoft von innen. Der ehemalige Creative Director von Assassin’s Creed 3 und Far Cry 4 hat jetzt in einem Interview mit Julien Chièze über den Niedergang des französischen Publishers gesprochen. Seine Analyse ist schonungslos. Die Probleme begannen bereits vor zehn Jahren. Seitdem habe sich die Situation nur verschlimmert. Hutchinson bringt drei zentrale Gründe an: Talentabfluss, fehlende Innovation und eine immer starrere Unternehmenskultur.
Der Talentabfluss begann schon früh
Hutchinson beschreibt, wie Ubisoft große Teams aufbaute und durch Eigenverantwortung einzelner Gruppen effizient arbeitete. Doch dann kam ein plötzlicher Boom von Private Equity Investitionen. Viele erfahrene Entwickler sahen die Chance, eigene Studios zu gründen oder sich abzuspalten. Das Ergebnis war ein massiver Verlust an Know-how. Die verbleibenden Teams waren kleiner, unerfahrener und hatten weniger Freiraum. Hutchinson sagt: Es kam zu einem Abfluss von Talenten. Das habe dazu geführt, dass es kaum noch neue Ideen oder Ansätze gab.
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Die Ubisoft-Formel wurde totgeritten
Die berüchtigte Ubisoft-Formel wurde so lange wiederholt, bis niemand sie mehr sehen oder spielen wollte. Open World mit Türmen, Sammelobjekten, repetitiven Nebenquests. Jedes Spiel fühlte sich gleich an. Hutchinson prangert an, dass frische Vorschläge durchweg abgelehnt wurden. Sie hatten schon immer eine Vorliebe dafür, Fortsetzungen zu produzieren, aber auch ein paar neue Dinge einzubringen.
Sie wurden sehr allergisch gegen Neues und haben daher eine Reihe unserer Ideen verworfen. Als Beispiel nennt er sein eigenes Projekt Pioneer, ein friedliches Science-Fiction-Erkundungsspiel. Es wurde gestrichen, obwohl es sogar in Watch Dogs 2 angeteasert wurde.
Was bedeutet das für die Zukunft?
An Hutchinsons Aussage hat sich bis heute nicht viel geändert. Die Neuausrichtung besteht in erster Linie darin, die großen Marken wie Assassin’s Creed noch stärker in den Fokus zu rücken. Kleinere, kreativere Projekte sucht man im Portfolio von Ubisoft mittlerweile vergeblich. Der Major Reset von Januar 2026 strich sechs Spiele, verschob sieben weitere und schloss Studios. Doch die Strategie bleibt dieselbe: mehr Assassin’s Creed, mehr Far Cry, mehr von dem, was schon immer funktioniert hat.
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