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Artikel von Markus Bauer +
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Der neue „Grand Theft Auto VI“-Launch-Trailer sieht auf den ersten Blick beeindruckend aus. Bei genauer technischer Betrachtung gibt es allerdings eine Auffälligkeit. Der auf HDR, Color Grading und Tonemapping spezialisierte Spieleentwickler Filippo Tarpini hat Rockstars neues Material Bild für Bild untersucht. Sein grundsätzliches Urteil fällt dabei sogar positiv aus: Hauttöne, Farbverläufe und große Teile des Color Gradings funktionieren gut. Eine Szene am Pool offenbart seiner Einschätzung nach allerdings ein deutliches Problem. Kräftiges Blau verändert sich in Richtung Violett und einige Lichtverläufe zeigen sichtbares Banding.

Tarpini veröffentlichte seine Analyse direkt in ausführlichen Beiträgen auf X.com. Er beschäftigt sich seit Jahren professionell mit HDR, Tonemapping und Color Grading in Videospielen und arbeitet mit seiner Firma Gamma Studios daran, Entwickler bei genau diesen Bereichen zu unterstützen. Zuvor war er unter anderem an HDR-Projekten und Modifikationen für Spiele wie Control, Starfield und Skyrim beteiligt.

Wichtig ist dabei eine Unterscheidung, die in einigen Insta-Postings (und so) verloren geht: Tarpini bezeichnet den GTA 6-Launch-Trailer ausdrücklich als SDR. Seine Analyse zeigt deshalb nicht die fertige HDR-Darstellung von GTA 6. Trotzdem kann das SDR-Material Hinweise darauf geben, wie Rockstar Farben verarbeitet und welches Tonemapping innerhalb der Rendering-Pipeline verwendet werden könnte.

Aus kräftigem Blau wird in GTA 6 plötzlich Violett

Besonders auffällig ist eine Szene, in der zwei Figuren in einen beleuchteten Pool springen. Das intensive Blau der Beleuchtung verschiebt sich sichtbar in Richtung Violett. Tarpini beschreibt dieses Verhalten als typisches Problem eines kanalweisen Tonemappings.

Beim Tonemapping muss das Spiel die intern berechneten Farben und Helligkeiten so umwandeln, dass ein Fernseher oder Monitor sie darstellen kann. Werden Rot, Grün und Blau dabei getrennt voneinander komprimiert, können sich sehr intensive Farben verändern.

Tarpini vermutet deshalb, dass Rockstar möglicherweise „AgX“ einsetzt. Bestätigen kann er das anhand eines Trailers natürlich nicht. AgX ist ein modernes Tonemapping-Verfahren, das inzwischen in immer mehr Rendering-Pipelines auftaucht. Es besitzt allerdings keine automatische vollständige Gamut-Anpassung. Sehr intensive Farben können dadurch außerhalb des darstellbaren Farbraums landen und anschließend abgeschnitten werden.

Das mögliche Ergebnis lässt sich im Trailer beobachten: Aus kräftigem Blau wird Violett. Rund um die Pool-Beleuchtung erkennt Tarpini außerdem beschädigte beziehungsweise abgestufte Farbverläufe. Durch eine stärkere Darstellung der Pegel werden diese Kanten besonders sichtbar.

Auch Rot sieht für Tarpini teilweise zu pink aus

Die Pool-Szene ist nicht das einzige Beispiel. Tarpini nimmt auch die roten Farbtöne des Trailers unter die Lupe. Einige davon driften seiner Ansicht nach stärker in Richtung Pink, als es bei einem neutraleren Tonemapping notwendig wäre.

Er demonstriert das mit einer eigenen schnellen Korrektur, bei der die betreffenden Rottöne etwas stärker in Richtung Orange verschoben werden. Dabei betont er allerdings ausdrücklich, dass es sich lediglich um eine Demonstration handelt. Eine saubere Korrektur müsste direkt innerhalb der Rendering- beziehungsweise Color-Grading-Pipeline des Spiels erfolgen.

Interessant ist auch der Vergleich mit Rockstars bisherigen Spielen. Laut Tarpini verwendeten GTA 5 und Red Dead Redemption 2 Hable-Tonemapping, ein Verfahren, das während der PS4-Generation weit verbreitet war. Neben Hable dominierte damals vor allem ACES. Inzwischen suchen Entwickler zunehmend nach moderneren Lösungen.

Das bedeutet noch nicht, dass GTA 6 „schlechtes HDR“ bekommt

Der wichtigste Punkt ist trotzdem: Wir sehen hier keine technische Analyse der fertigen Verkaufsversion von GTA 6.

Tarpini untersucht einen veröffentlichten Trailer. Zwischen der eigentlichen Rendering-Pipeline des Spiels und dem Video, das am Ende bei YouTube landet, können mehrere Verarbeitungsschritte liegen. Dazu gehören Capture, Videoschnitt, Color Grading, Export, HDR-Konvertierung und die erneute Komprimierung durch die Videoplattform.

Genau deshalb lässt sich aus den Ergebnissen derzeit nicht schließen, dass GTA 6 am 19. November dieselben Probleme auf einer PS5 oder Xbox Series X/S besitzen wird.

Auch Tarpinis eigentliche Analyse fällt keineswegs vernichtend aus. Er schreibt ausdrücklich, dass das Material insgesamt gut aussehe. Farbverläufe seien überwiegend sauber, Hauttöne überzeugend und die meisten Farbverschiebungen funktionierten. Die auffällige Blau-zu-Violett-Verschiebung bezeichnet er als die große Ausnahme.

Wie gut Grand Theft Auto VI (GTA 6) auf PS5 und Xbox Series X wirklich aussehen werden, wissen wir selbst wohl erst am 19. November. - Bild: Rockstar Games

Wie gut Grand Theft Auto VI (GTA 6) auf PS5 und Xbox Series X wirklich aussehen werden, wissen wir selbst wohl erst am 19. November. – Bild: Rockstar Games

Gerade bei Vice City wäre gutes HDR besonders wichtig

Für Grand Theft Auto VI ist das Thema trotzdem ausgesprochen interessant. Vice City ist praktisch ein ideales HDR-Szenario: Neonreklamen in dunklen Straßen, Scheinwerfer, Sonnenuntergänge, Nachtclubs, Reflexionen auf nassem Asphalt und Wasser sowie sehr helle Himmel über dunklen Innenräumen.

Bei einem guten HDR-System können solche Elemente wesentlich heller dargestellt werden als die durchschnittliche Szene, ohne dass gleichzeitig die Details darin verloren gehen. Auf modernen OLED- und Mini-LED-Fernsehern kann der Unterschied enorm sein.

Auch Trailer 2 zeigte bereits die enorm aufwendige Beleuchtung von GTA 6. Digital Foundry identifizierte darin unter anderem Hinweise auf Raytracing-basierte globale Beleuchtung und Raytracing-Reflexionen. Gerade mit solchen Systemen wäre eine hochwertige HDR-Ausgabe eine sinnvolle Ergänzung.

Rockstar hatte schon bei Red Dead Redemption 2 „Probleme mit HDR“

Ganz neu wäre die Diskussion für Rockstar nicht. Red Dead Redemption 2 sorgte 2018 ebenfalls für Kritik an seiner ursprünglichen HDR-Ausgabe. Die erste Implementierung lieferte auf vielen Displays nur einen geringen Vorteil gegenüber SDR und wurde häufig als „Fake-HDR“ bezeichnet.

Rockstar reagierte später mit einem zusätzlichen Game-HDR-Modus, der die Darstellung verbesserte. Gerade deshalb wird bei GTA 6 besonders genau darauf geschaut, wie Rockstar Games das Thema diesmal löst. Tarpinis Analyse liefert dafür einen ersten interessanten Hinweis, aber noch kein endgültiges Urteil.

Ob GTA 6 echtes HDR liefert, wissen wir erst nach Release

Die eigentliche Antwort bekommen wir spätestens am 19. November 2026. Dann können technische Analysten das direkt ausgegebene Signal der PS5- und Xbox-Version untersuchen und messen, ob GTA 6 tatsächlich zusätzliche Highlight-Details, erweiterten Farbraum und eine native HDR-Pipeline verwendet.

Dann werden auch Werte wie Peak Brightness, Paper White, Schwarzpunkt und die HDR-Kalibrierung interessant. Erst auf dieser Grundlage lässt sich seriös sagen, ob Spieler GTA 6 auf einem OLED besser mit HDR oder SDR verwenden sollten.

Bis dahin zeigt der neue Trailer vor allem etwas anderes: Rockstars Grafik ist inzwischen so detailliert, dass nicht mehr nur Autos, NPCs und Waffen Frame für Frame untersucht werden. Experten nehmen sogar die Mathematik hinter den Farben auseinander.

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