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Sollten Lootboxen als Glücksspiel betrachtet werden?

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Mit dem neuen Jugendschutzgesetz, das die ehemalige Familienministerin Franziska Giffey im Mai 2021 durchgesetzt hat, sollen minderjährige Spieler unter anderem besser vor Kostenfallen wie Lootboxen geschützt werden. Wie sehen die verschiedenen Strategien der Publisher aus?

Lootboxen sind ein Spiel mit einem Zufallselement

Beim Kauf einer Lootbox hat der Spieler keine Kenntnis vom Inhalt der Truhe – man kauft quasi die Katze im Sack. Daher wird der Inhalt der Kiste erst beim Öffnen enthüllt. Virtuelle Gegenstände mit Seltenheitswert sind äußerst beliebt.

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Im günstigsten Fall haben Sie den wertvollen Gegenstand erhalten. Im schlechtesten Fall war der Inhalt der Box wirkungslos und der Kauf eine Geldverschwendung. Was der Spieler explizit für echtes Geld erhält, wird in der Realität häufig vom Zufall bestimmt.

Es zeigt sich, dass die Chancen, einen gewünschten virtuellen Gegenstand zu finden, verschwindend gering sind. Die Versuchung, immer wieder neue Lootboxen zu öffnen, kann dagegen enorm sein, denn je seltener das Objekt der Begierde ist, desto größer ist die Motivation, es zu ergattern.

Wie sind Lootboxen im Vergleich zu Casinospielen?

Beihnaheerfolge und schillernde rotierende Bilder sind Elemente elektronischer Spielautomaten und Casinospiele wie der Roulettetisch. Sie ähneln vielen verschiedenen Arten von Beutekisten, wie z. B. in CS:GO, wo die Roulette-Drehfunktion verwendet wird und auch Beinaheerfolge angezeigt werden, und in DOTA 2, wo die Funktion zum Anzeigen von Beinaheerfolgen verwendet wird.

Beim Öffnen von Beutekisten in Spielen wie Counter-Strike: Global Offensive wird dem Spieler ein sich drehendes Rad präsentiert, das einem Casino-Roulettekessel ähnelt, wobei alle Gegenstände dort angezeigt werden, wo normalerweise die Zahlen auf einem Roulettekessel erscheinen.

Das Rad verlangsamt sich allmählich, bis es einen bestimmten Gegenstand erreicht, den die Spieler dann erhalten. Daneben werden andere Gegenstände angezeigt, die der Spieler nicht hat, und diese sind häufig selten. Es wird angezeigt, was der Spieler „fast“ bekommen hätte und was er beim nächsten Öffnen einer Kiste bekommen könnte.

Die Strategie der Hersteller und Publisher

Anbietern und Publishern von Online-Spielen wird häufig vorgeworfen, mit Lootboxen ein „kostenloses“ Spiel in ein kostenpflichtiges Spiel umzuwandeln. Die Kritik wird in diesem Zusammenhang zurückgewiesen, denn niemand wird gezwungen, Lootboxen zu kaufen und zu öffnen; der Kauf ist völlig freiwillig.

Tatsächlich ist die Lootbox für diese Unternehmen eine sehr lukrative Geldquelle mit geschätzten Umsätzen in Milliardenhöhe. Spielfreude und Überraschung stehen hoch im Kurs und werden durch die Lootboxen ermöglicht.

Lootboxen sind nach Angaben des amerikanischen Videospielherstellers „Electronic Arts“ (EA) gleichzusetzen mit Überraschungseiern und Panini-Karten. Das Geld sei nicht verschwendet, weil man im Gegenzug virtuelles Material erhalte.

Daher wird es trotz der neuen und verschärften Glücksspielgesetzgebung Lootboxen auch in FIFA 22 geben. Ziel ist es, dass das virtuelle Spiel dem realen Fußball in nichts nachsteht und die Spieler und das Gameplay so authentisch wie möglich sind.

Mit der Einführung von sogenannten Vorschauobjekten wurde dem Wunsch jedoch teilweise entsprochen. Der Spieler schaut sich die Box an und entscheidet, ob der Kauf für ihn sinnvoll ist.

In anderen Ländern sind die Gesetze strenger

Einige Nutzer argumentieren, dass Lootboxen als Glücksspiel eingestuft werden sollten, unter anderem, weil sie ein Risiko für Kinder darstellen. Was würde passieren, wenn Lootboxen vor dem Gesetz als Glücksspiel gelten würden?

Wenn Lootboxen als Glücksspiel eingestuft würden, wäre als erstes die Strafbarkeit nach § 284 des Strafgesetzbuches wegen Veranstaltung eines unerlaubten Glücksspiels zu prüfen. Wie der Titel schon sagt, ist der Straftatbestand an eine Genehmigung gebunden. Kein Spieleentwickler hat eine solche Genehmigung.

Es ist auch nicht möglich, eine solche Erlaubnis zu erhalten, da das Internet-Glücksspiel bis auf wenige Ausnahmen nach dem Glücksspielstaatsvertrag nicht erlaubt ist. Dennoch wäre eine strafrechtliche Verurteilung zum jetzigen Zeitpunkt recht unwahrscheinlich.

Die überwiegende Meinung ist, dass die glücksspielrechtliche Regulierung in Deutschland derzeit scheitert. Da es faktisch unmöglich ist, eine Erlaubnis für die Veranstaltung von Glücksspielen im Internet zu erhalten, wird argumentiert, dass eine solche Erlaubnis nicht verlangt werden kann.

Da die Anbieter in Deutschland nicht in der Lage sind, Online-Glücksspiel rechtmäßig zu betreiben, argumentieren der Generalanwalt des EuGH und andere Stimmen, dass im Falle eines solchen Verstoßes gegen die Glücksspielregulierung keine Strafe verhängt werden darf.

Vom rechtlichen Standpunkt aus gesehen

Für Juristen ist der Kauf von Schatzkisten nicht mit einem Glücksspiel gleichzusetzen. Grundsätzlich geht es darum, dass es sich bei den Gewinnen lediglich um virtuelle Gegenstände handelt, die nicht wie in einem Casino gegen echtes Geld getauscht werden können, und somit keine “geldwerten” Vorteile für den Spieler entstehen, so der Glücksspielstaatsvertrag 2021.

Schlussfolgerung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Lootboxen eine ernsthafte Gefahr für Kinder und Jugendliche darstellen, auch wenn einige Organisationen das Gegenteil behaupten. Die Spieler werden ermutigt, weitere Kisten zu erwerben, wenn sie nach teuren virtuellen Gegenständen suchen.

Da die Belohnung zufällig ist, kann sie nach zehn oder mehreren hundert Versuchen erscheinen. Hohe finanzielle Schulden und ein Abstieg in die Spielsucht könnten die Folge sein. Dies könnte zu weiteren Suchtproblemen führen, sowohl physisch als auch psychisch.

Zahlreiche Studien im Ausland, unter anderem aus Belgien, den Niederlanden und Frankreich, kommen zu dem Schluss, dass der Inhalt der Lootbox einem Glücksspiel ähnelt. Die Gesetze in diesen Ländern sind in dieser Hinsicht strenger.

In jedem Fall wäre es wünschenswert, den neuen Glücksspielstaatsvertrag zu aktualisieren, um Lootboxen in Online- und Mobile-Games zu regulieren, zumal das Jugendschutzrecht in direktem Zusammenhang mit dem Glücksspielrecht steht. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Sachverhalt entwickeln wird.

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